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Folge 3.BE07 (#120) – David Melching – Hopfen, Daten und das Dubbel vom Kreuzberg

Folge 3.BE07 (#120) – David Melching – Hopfen, Daten und das Dubbel vom Kreuzberg Brautag – Bier und Hobbybrauen mit Flo & Paul

Folge 3.BE07 (#120) – Hopfendoktor – Brauen mit Methode

Transparenzhinweis: Die in dieser Folge besprochenen Produkte wurden entweder kostenlos zur Verfügung gestellt oder von uns selbstständig erworben. Sofern Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, wird dies in der Folge mündlich klar gekennzeichnet.

David Melching verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen: mathematische Forschung und kreatives Hobbybrauen. Als „Hopfendoktor“ steht er für hopfenbetonte Biere, sorgfältige Datenerfassung und den Mut, ungewöhnliche Rezeptideen nicht nur zu diskutieren, sondern tatsächlich einzubrauen. In dieser Ausgabe von „Bierexperten im Rampenlicht“ sprechen wir mit ihm über seinen Weg vom ersten Sud bis zum Sieg beim HBCon-Jurywettbewerb 2026 – und verkosten dabei sechs sehr unterschiedliche Biere.

Vom ersten Pale Ale zum Hopfendoktor

Davids Einstieg begann 2016 im Urlaub mit Freunden. Ein selbstgebrautes Pale Ale zeigte ihm, dass Bier zu Hause deutlich spannender schmecken kann, als er erwartet hatte. Wenig später stand er selbst am Einkocher. Seine offizielle Website beschreibt diesen Weg ebenso wie die Biersommelier-Ausbildung, die er 2019 in der Ottakringer Brauerei absolvierte [1]. Der Name Hopfendoktor verbindet seine Vorliebe für hopfenbetonte Biere mit seiner Promotion in Mathematik [2][3].

Im Podcast wird schnell deutlich, dass diese Verbindung mehr ist als ein griffiger Name. David erfasst Gärverläufe, dokumentiert Prozessdaten und betrachtet Rezeptänderungen möglichst systematisch. Gleichzeitig versteht er das Brauen ausdrücklich als handwerklichen Ausgleich zur Arbeit am Bildschirm. Sein Satz „Mein Hobby im Hobby ist Daten erfassen“ bringt diese Haltung auf den Punkt.

Experimentieren heißt auch, Fehler zuzulassen

Schon sein erstes eigenes Rezept war bewusst selbst entwickelt – rückblickend mit zu vielen Malzen, zu vielen Hopfen und zu wenig Erfahrung beim sauerstoffarmen Abfüllen. Genau darin liegt jedoch eine wichtige Erkenntnis dieser Folge: Experimentierfreude funktioniert nur mit Frustrationstoleranz. Nicht jede Idee ergibt ein gutes Bier, aber jeder Sud kann eine konkrete Lernfrage beantworten.

Das zeigt auch die Bandbreite seiner öffentlich dokumentierten Biere. Untappd listet unter dem nichtkommerziellen Eintrag „Der Hopfendoktor“ unter anderem hopfenbetonte, fruchtige und experimentelle Sude [4]. Im Degustationsbuch der Kölner Brauschau 2024 wird das „Friedensangebot“ als Thiolized Brut IPA beschrieben, das die saftige NEIPA-Welt mit einem sehr trockenen Brut-Ansatz verbinden soll [5]. Aktuelle Projekte und Wettbewerbsbeiträge teilt David außerdem über Instagram [6].

Schon der Auftakt der Folge unterstreicht die Bandbreite: David öffnet einen preisgekrönten Smoothie Sour seines Vereinskollegen Richard, der bei der Brauschau Münster erfolgreich war. Die Braufreunde Münster dokumentieren ihre Brauschau als etabliertes Forum für kreative Hobbybrauerbiere [22]. Flo hält mit Christian Tilles kräuterbetontem I Want Moor dagegen. Mehr zu Christian, seiner präzisen Arbeitsweise und seinen Wettbewerbsbieren gibt es in unserer Folge 3.BE04 [24]. Selbst die kleinen Kronkorkenetiketten führen zu einem Querverweis auf Lagerbernd, dessen Braupraxis und Dokumentationsleidenschaft wir in Folge 3.BE06 ausführlich besprochen haben [25].

Hazy Force: Himbeere, Vanille und Biotransformation

Das Hazy Force ist ein Himbeer-Vanille-Milkshake-NEIPA mit 8,0 Prozent Alkohol und 21 IBU. In der Schüttung stecken Pilsner- und Pale-Ale-Malz, Weizen, Hafermalz und fünf Prozent Laktose. Dazu kommen Himbeeren, Vanilleschoten sowie Citra und Sabro im Whirlpool. Bemerkenswert ist, dass David das Bier nicht zusätzlich stopft. Trotzdem nehmen wir intensive tropische Aromen wahr, vor allem Maracuja.

Eine wesentliche Rolle spielt Cosmic Punch. Omega Yeast beschreibt den Stamm als thiolisierte Variante einer Hazy-Hefe, die gebundene Thiolvorstufen über Biotransformation zugänglich macht und Grapefruit, Passionsfrucht und Guave betonen kann [12]. Das Bier zeigt anschaulich, dass die Hefewahl nicht nur Vergärung bedeutet, sondern aktiv das Hopfenprofil formt. Unsere frühere Folge mit Carlos de la Barra vertieft die Rolle von Hefe und Biotransformation bei West Coast IPA, Cold IPA und NEIPA [23].

Sensorisch ist das Hazy Force eine mutige, aber stimmige Kombination. Himbeere und Vanille sind klar erkennbar, die Laktose bleibt mit fünf Prozent unterhalb der klebrigen Grenze, die viele Milkshake IPAs schnell anstrengend macht. Die tropische Hopfen- und Hefearomatik behauptet sich neben der Frucht. Lediglich der Schaum fällt erwartbar schnell zusammen.

Dubbel vom Kreuzberg: ein Siegerbier mit Trinkfluss

Das Zentrum der Folge ist das Dubbel vom Kreuzberg. Die HBCon Hall of Fame führt David Melching als Sieger des Jurywettbewerbs 2026; sein Rezept ist dort direkt verlinkt [7][10]. Der Wettbewerb war auf Belgian Dubbel begrenzt, folgte dem BJCP-Verfahren und war zunächst auf 80 Einreichungen limitiert [8]. Die HBCon fasst den Stil als kupferfarbenes bis rötlich-bernsteinfarbenes, malzbetontes und dennoch ausgewogen trockenes belgisches Ale zusammen [9]. Die offizielle BJCP-Beschreibung nennt komplexe Malzaromen, dunkle oder getrocknete Früchte, mittelhohe Karbonisierung und einen vergleichsweise trockenen Abschluss [11].

Davids Interpretation setzt auf eine bewusst einfache Basis aus Pilsner und Münchner Malz, ergänzt durch Special W, CaraPils sowie D-45- und D-90-Kandissirup. Vergoren wird mit SafAle BE-256. Fermentis empfiehlt den Stamm für kräftige belgische Ales und beschreibt eine schnelle Gärung sowie intensive fruchtige Fermentationsaromen [13]. David startet bei 19 Grad Celsius und lässt die Temperatur schrittweise bis etwa 22 Grad steigen.

Im Glas überzeugt das Bier mit rubinroter Farbe, kräftigem Schaum und hoher Klarheit. Wir finden Toffee, Karamell, Pflaume, Dörrobst und rote Beeren. Entscheidend ist jedoch nicht ein einzelnes Aroma, sondern die Balance: Das Dubbel wirkt schlanker und trinkbarer als viele schwerere Interpretationen. Der Alkohol bleibt gut eingebunden, die Karbonisierung bringt Frische, und der Kandissirup erzeugt Tiefe, ohne das Bier in Richtung Quadruppel zu verschieben.

David erklärt seine Philosophie mit einem ungewöhnlich passenden Wort: liebevoll. Sorgfalt bei Gärführung, Rohstoffen und kleinen Prozessentscheidungen mache den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem sehr guten Bier. Das bedeutet nicht, dass nur teure Zutaten oder komplizierte Verfahren zum Ziel führen. Vielmehr müssen die Entscheidungen zu einer klaren Idee passen.

Imperial Pils: hoher Alkohol ohne Bockkörper

Das Imperial Pils verfolgt eine ganz andere Rezeptlogik. Rund neun Prozent Zucker ergänzen eine fast vollständig aus Pilsner Malz bestehende Schüttung. Die Idee: mehr Alkohol, ohne automatisch den breiteren Malzkörper eines Bocks zu erhalten. Spalter Select wird als Stopfhopfen eingesetzt, die Bittere liegt bei 57 IBU, der errechnete Endvergärungsgrad bei 89 Prozent.

Trotz dieser hohen Vergärung wird eine gewisse Süße wahrgenommen. Genau hier entsteht eine der interessantesten Fachdiskussionen der Folge. Restextrakt ist nicht der einzige Faktor für den Eindruck von Süße. Fruchtige Gäraromen, Hopfen, Alkohol, Karbonisierung und Mundgefühl verändern die Gesamtwahrnehmung. Das Bier bleibt schlank, wirkt aber durch seine grüne, grasige und leicht zwiebelige Hopfenaromatik ungewöhnlich voll präsent. Die Aromatik erinnert an frischen Doldenhopfen, ohne ein klassisches Grünhopfenbier zu kopieren.

Bonner Heimbrauer: Wissen weitergeben, ohne abzuschrecken

David ist Vorsitzender der Bonner Heimbrauer. Die offizielle Vereinsseite nennt ihn im Vorstand und beschreibt den Verein als Anlaufstelle für Einsteiger, erfahrene Hobbybrauer und Bierinteressierte [14]. Gegründet wurde der Verein 2017, um Heimbrauen, kreative Bierstile und den Austausch in der Region zugänglicher zu machen [15]. Der monatliche Stammtisch ist offen; ein eigenes Bier ist ausdrücklich keine Voraussetzung [16].

Besonders stark ist Davids Haltung zum Feedback. Ehrlichkeit allein reicht nicht. Wer einem Anfänger das erste Bier kommentarlos zerlegt, riskiert, dass dieser nie wiederkommt. Konstruktive Kritik beginnt deshalb mit Fragen: Was wollte die Person erreichen? Wie sah der Prozess aus? Wird überhaupt detailliertes Feedback gewünscht? Erst dann werden konkrete Stellschrauben benannt.

Diese Kultur zeigt sich auch bei der Bonner Brauschau. Die offizielle Veranstaltungsseite beschreibt sie als Plattform für nichtkommerzielle Hobbybrauer [17]. Die Vereinsseite nennt für die siebte Ausgabe rund 30 Aussteller und etwa 50 Biere; kommerzielle Brauer dürfen besuchen, aber nicht ausstellen [18]. Die Veranstaltung findet am 21. November 2026 im Gustav-Stresemann-Institut statt [19]. Eine Rückschau auf 2023 dokumentiert mehr als 350 Besucher, fast 40 Aussteller und rund 100 Biere [20]. Auch das Archiv des brau!magazins vermittelt die große stilistische Bandbreite der Veranstaltung [21].

Die verkosteten Biere im Überblick

  • Smoothie Sour – Richard
  • I Want Moor – Christian Tille
  • Hazy Force – David Melching / Der Hopfendoktor
  • Belgian Blond – Artemis Brewery
  • Dubbel vom Kreuzberg – David Melching / Der Hopfendoktor
  • Imperial Pils – David Melching / Der Hopfendoktor

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Der Hopfendoktor / David Melching: Offizielle Website mit Biografie, Biersommelier-Ausbildung, Namensherkunft und eigenen Bieren.

https://www.derhopfendoktor.de/

[2] Vienna School of Mathematics: Alumni-Eintrag mit Dissertation, Betreuung und Universität.

https://www.vsmath.at/people/alumni/

[3] Universität Wien – Applied Mathematics: Ergänzende Angaben zur wissenschaftlichen Tätigkeit und zu Veröffentlichungen.

https://appliedmath.univie.ac.at/public/members/?id=56

[4] Untappd: Öffentliche Bierübersicht „Der Hopfendoktor“

https://untappd.com/DerHopfendoktor/beer

[5] Kölner Brauschau: Degustationsbuch 2024 mit Davids Selbstvorstellung und Beschreibung des Thiolized Brut IPA „Friedensangebot“.

https://brauschau.koeln/wp-content/uploads/2024/05/Degustationsbuch-2024-web.pdf

[6] Instagram – Der Hopfendoktor: Persönliches Profil mit aktuellen Veröffentlichungen, Bieren und Wettbewerbsbeiträgen.

https://www.instagram.com/der.hopfendoktor/

[7] Heimbrau Convention: Hall of Fame 2026: erster Platz für „Dubbel vom Kreuzberg“ von David Melching.

https://heimbrauconvention.de/hall-of-fame/

[8] Heimbrau Convention: Jurywettbewerb 2026: Verfahren, Jury, Belgian Dubbel und Limitierung der Einreichungen.

https://heimbrauconvention.de/jurywettbewerb/

[9] Heimbrau Convention: Deutsche Zusammenfassung des Wettbewerbsstils Belgian Dubbel.

https://heimbrauconvention.de/wettbewerbsstile/

[10] Brewfather / David Melching: Veröffentlichtes Rezept „Dubbel vom Kreuzberg“, verlinkt aus der HBCon Hall of Fame.

https://share.brewfather.app/HhdEcqjS6SLpsz

[11] Beer Judge Certification Program: Offizielle Stilbeschreibung 26B Belgian Dubbel, Guidelines 2021.

https://www.bjcp.org/style/2021/26/26B/belgian-dubbel/

[12] Omega Yeast: Offizielle Produktinformationen zu Cosmic Punch und thiolisierter Biotransformation.

https://omegayeast.com/yeast/ales/cosmic-punch

[13] Fermentis: Offizielle Produktinformationen zur SafAle BE-256 für belgische und kräftige Ales.

https://fermentis.com/en/product/safale-be%E2%80%91256/

[14] Bonner Heimbrauer e. V.: Offizielle Vereinsseite mit Vorstand und allgemeinen Angaben.

https://bonner-heimbrauer.de/

[15] Bonner Heimbrauer e. V.: Geschichte, Gründung 2017, Ziele und Vereinsaktivitäten.

https://bonner-heimbrauer.de/verein/

[16] Bonner Heimbrauer e. V.: Informationen zum offenen Stammtisch für Brauer und Interessierte.

https://bonner-heimbrauer.de/termine-zum-stammtisch-der-bonner-heimbrauer/

[17] Bonner Brauschau: Offizielle Veranstaltungsseite der Bonner Brauschau.

https://bonner-brauschau.de/

[18] Bonner Heimbrauer e. V.: Übersicht zur Bonner Brauschau und Regelung für nichtkommerzielle Aussteller.

https://bonner-heimbrauer.de/brauschau/

[19] Bonner Heimbrauer e. V.: Veranstaltungseintrag zur siebten Bonner Brauschau am 21. November 2026.

https://bonner-heimbrauer.de/event/bonner-brauschau-2026/

[20] Bonner Heimbrauer e. V.: Rückschau auf die vierte Bonner Brauschau 2023.

https://bonner-heimbrauer.de/rueckschau-4-bonner-brauschau/

[21] brau!magazin: Archivierter Veranstaltungseintrag zur Bonner Brauschau mit Stilspektrum und Veranstaltungscharakter.

https://braumagazin.de/events/bonner-brauschau/

[22] Braufreunde Münster e. V.: Offizielle Übersichtsseite zur Münsteraner Brauschau.

https://www.braufreunde-muenster.de/themen/veranstaltungen/brauschau/

[23] Brautag Podcast: Folge 2.09 – Von West Coast bis NEIPA: Die Hefe macht den Unterschied! mit Carlos de la Barra.

https://music.youtube.com/podcast/TmK71w1qMMU

[24] Brautag Podcast: Folge 3.BE04 – Christian Tille – Vom Luther Porter zum Maisel-Sieger Cold IPA.

https://brautagpodcast.com/2026/05/14/folge-3-be04-christian-tille-vom-luther-porter-zum-maisel-sieger-cold-ipa/

[25] Brautag Podcast: Folge 3.BE06 – Bernd Strehl – Lagerliebe, Brausoftware und die letzten zwei Prozent.

https://brautagpodcast.com/2026/07/14/folge-3-be06-bernd-strehl-lagerliebe-brausoftware-und-die-letzten-2-prozent/

Abrufdatum der Internetquellen: 4. August 2026

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