Folge 3.LP08 (#119) – Spontane Läuterpause

   

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Folge 3.LP08 (#119) – Spontane Läuterpause Brautag – Bier und Hobbybrauen mit Flo & Paul

  1. Folge 3.LP08 (#119) – Spontane Läuterpause – Hörerbiere aus der Community
    1. Aus dem Bug wird ein Feature
    2. Brett, Chardonnay und ungewöhnliche Zutaten
    3. Hopfenbetonte Lager und moderne Hefe
    4. Von Porter bis Imperial Stout
    5. Low ABV, Säure und sommerliche Trinkbarkeit
    6. Ehrliches Feedback: Oxidation und Hop Burn
    7. Brewtools, Brauanlagen und ein mögliches Special
    8. Beer Chronicles und Wettbewerbe
    9. Zurück zum ehrlichen Lager
    10. Fazit: Eine Läuterpause, die nur dank der Community funktioniert
    11. Die verkosteten Biere im Überblick
  2. Quellen und weiterführende Informationen

Folge 3.LP08 (#119) – Spontane Läuterpause – Hörerbiere aus der Community

Transparenzhinweis: Die kommerziell erhältlichen Produkte in dieser Folge wurden von uns selbst gekauft. Die Hörerbiere wurden uns von Hobbybrauern aus der Community zur Verkostung zugesandt. Die Nennung von Marken und Produkten erfolgt als unbezahlte Werbung.

Manchmal entsteht eine gute Podcastfolge nicht trotz des Chaos, sondern gerade deswegen. Eigentlich wollten wir eine Hauptfolge über Röstmalz aufnehmen. Technikprobleme, verlorene Zeit und ein nicht mehr verfügbarer Gast machten daraus jedoch eine spontane Läuterpause. Also haben wir die Kühlschränke geöffnet, Hörerbiere herausgegriffen und ohne vorbereitete Reihenfolge verkostet.

Genau diese Ungeplantheit prägt die Folge: Wir sprechen offen über gute Biere, kleine Schwächen, überraschende Hefen, neue Brauanlagen und die Frage, warum viele Bierfans nach Jahren voller Experimente wieder bei einem ehrlichen Lager oder Hellen landen. Vor allem zeigt die Episode, wie breit die Hobbybrauer-Community aufgestellt ist – vom Chardonnay-Brett-Hybrid bis zum Imperial Stout.

Aus dem Bug wird ein Feature

Der Ausgangspunkt ist ein gescheiterter Aufnahmeversuch. Statt die Mikrofone einzupacken, machen wir weiter und verwandeln die technische Panne in ein neues Format für den Abend. Die Auswahl ist nicht kuratiert: Wir greifen blind in die Kühlschränke, öffnen Flaschen und sehen erst dann, was im Glas landet.

Dadurch entsteht eine ehrliche Momentaufnahme der Biere, die uns die Community zuschickt. Manche sind bereits ein Jahr alt und wirken trotzdem frisch. Andere zeigen deutlich, wie empfindlich stark gehopfte Biere auf Sauerstoff und Lagerzeit reagieren.

Brett, Chardonnay und ungewöhnliche Zutaten

Den Anfang macht ein Bier-Wein-Hybrid von Ivo: ein Drittel Chardonnay-Most und Brettanomyces. Schon die Nase bewegt sich stärker in Richtung Wein und Cider als in Richtung klassisches Bier. Im Mund kommen dann die Biernoten zurück. Trockenheit, Spritzigkeit und Frucht machen das Getränk grundsätzlich zum Sommerbier – wobei der vermutete Alkoholgehalt bei großer Hitze Respekt verlangt.

Brettanomyces spielt auch beim Sanctus Fructus Cornus Mas von Tobi Burger eine Rolle, zumindest sensorisch. Kornelkirschen und Bergthymian treffen auf eine weit entwickelte wilde Aromatik. Gerade der Thymian zeigt, wie gut ungewöhnliche Zutaten funktionieren können, wenn sie nicht wie ein Fremdkörper wirken, sondern das Grundbier ergänzen.

Hopfenbetonte Lager und moderne Hefe

Mit The Hop Father zeigt Sascha von der Braumanufaktur Rennkamp, wie aromatisch ein untergäriges Bier sein kann. Akoya, Sultana, Cascade und El Dorado erzeugen ein süß-fruchtiges, florales Profil, das Paul spontan als Ananas-Candy beschreibt. El Dorado wird von Yakima Chief Hops als ausgeprägt aromatische Sorte geführt; die Wirkung im Bier hängt jedoch immer vom Gesamtrezept und von der Verarbeitung ab [8].

Noch stärker in Richtung moderner Lagerinterpretation geht Bok to the Future von Braukamp. Der India Pale Maibock kombiniert ein malziges Bockbierfundament mit Hallertau Blanc, Mandarina Bavaria und Callista. Vergoren wurde mit SafLager SH-45. Fermentis beschreibt diesen Stamm als Lagerhefe, die Hopfenthiol-Vorstufen freisetzen und teilweise verestern kann, wodurch Zitrus- und Tropenfruchtaromen verstärkt werden können [3].

WLP066 London Fog von White Labs ist für Hazy und Juicy IPAs gedacht und soll Fruchtnoten sowie ein weiches Mundgefühl unterstützen [4]. Moderne Hopfenbiere werden damit längst nicht nur über die Hopfensorte definiert. Mehr dazu gibt es in unserem Rezept-Deep-Dive mit Simon Rose [12].

Von Porter bis Imperial Stout

Das Brexit Porter von Achim Scheffler ist ein Gegenpol zu den hellen, hopfenbetonten Bieren. Brown Malt, Crystal Malt und Chocolate Malt bringen dunkles Brot, Schokolade, Nuss und etwas Kaffee. Die M36 Liberty Bell Ale von Mangrove Jack’s wird als vielseitige Ale-Hefe mit moderatem Esterprofil und guter Unterstützung von Malz- und Hopfencharakter beschrieben [5]. Im Glas wirkt das Porter leichter, als seine 5,2 % vermuten lassen – ein gutes Beispiel dafür, dass dunkle Farbe nicht automatisch Schwere bedeutet.

Am anderen Ende der Skala steht der Double Wood Vanilla Bourbon Imperial Stout von Chemical Olli. Elf Prozent Alkohol, Vanille, Holz und Bourbon klingen nach maximaler Wucht. Tatsächlich wird das Bier als erstaunlich geschmeidig, schokoladig und gut verbunden beschrieben. Gerade bei solchen Bieren entscheidet Balance: Alkohol, Süße, Röstung und Holz dürfen sich nicht gegenseitig überfahren. Zur Welt der dunklen Biere passen unsere Folgen über deutschen Porter [13] und Röstmalz [14].

Low ABV, Säure und sommerliche Trinkbarkeit

Eines der überraschendsten Biere ist das Low ABV Sour New England IPA von Ingo und Kaltas Gebräu. Trotz etwa zwei Prozent Alkohol wirkt es nicht dünn. Säure, Frucht und ein erstaunlich voller Eindruck erzeugen ein Bier, das sensorisch eher in Richtung normaler IPA-Stärke geht.

Das Pastry Sour Himbeer & Brombeere von Bögli Bräu kombiniert Frucht, Säure und Laktose. Die offizielle Produktseite nennt genau diese Variante [10]. Im Podcast erinnert das Ergebnis an gezuckerte Himbeeren und Himbeerjoghurt. Die Süße fängt die Säure ab, ohne sie völlig zu verdecken.

Die BJCP-Richtlinien sind eine Orientierung für moderne IPA- und Spezialbierkategorien, aber kein Ersatz für sensorische Bewertung [7].

Ehrliches Feedback: Oxidation und Hop Burn

Mango Madness von Inn Craft Bräu zeigt die weniger angenehme Seite hopfenbetonter Biere. Das New England IPA wirkt deutlich oxidiert. Paul beschreibt eine papierartige Assoziation, passend zu trans-2-Nonenal. Dadurch fehlen Frische, Frucht und die erwartete Mangoaromatik. Wichtig ist der faire Umgang damit: Bewertet wird nicht das gedachte Rezept, sondern der Zustand der konkreten Flasche.

Auch bei anderen Bieren sprechen wir offen über Restsüße, alkoholische Eindrücke oder lang anhaltende Hopfenbittere. Nachvollziehbar begründetes Feedback gehört für uns zur Community-Kultur.

Brewtools, Brauanlagen und ein mögliches Special

Zwischen den Verkostungen geht es um die neue Brewtools-Generation. Brewtools entwickelt Brausysteme, Gärtechnik, Steuerungen und Zubehör für ambitionierte Hobbybrauer und kleinere professionelle Anwendungen [2]. Paul plant den Wechsel auf eine größere Zwei-Topf-Anlage und diskutiert unter anderem I/O-Module, Sensorik und spätere Erweiterbarkeit.

Daraus entsteht die Idee für ein Brauanlagen-Special aus der Erfahrungsperspektive: Welche Anlage passt zu welchem Brauer, und was verändert sich beim Wechsel vom Einkocher zum Malzrohr- oder Zwei-Topf-System?

Beer Chronicles und Wettbewerbe

Martin Schmidt stellt mit Beer Chronicles eine interaktive Zeitleiste zur Biergeschichte bereit. Die Plattform verbindet historische Ereignisse, Stile, Wissenschaft, Industrie und Community; auch der Start des Brautag Podcasts ist dort eingetragen [1]. Das Projekt zeigt, dass Biergeschichte nicht nur aus großen Brauereien und bekannten Marken besteht.

Im Gespräch geht es außerdem um den hellen Weizenbock als Wettbewerbsstil der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer 2026 [9]. Paul und Flo planen ihre eigenen Interpretationen und diskutieren Hefen, Maischverfahren und Flaschengärung. WHC Lab beschreibt Banana Split als expressive Weizenbierhefe mit ausgeprägter Bananencharakteristik [6].

Zurück zum ehrlichen Lager

Eine zentrale Erkenntnis der Folge ist die Rückkehr zu klassischen Bieren. Wer viele extreme, fruchtige, saure oder holzgereifte Biere probiert, entwickelt oft wieder eine besondere Wertschätzung für ein sauberes Lager oder Helles. Das bedeutet nicht, dass Experimente an Reiz verlieren. Es bedeutet vielmehr, dass Einfachheit im Glas häufig sehr anspruchsvoll gebraut ist.

Die spontan gezogenen Hörerbiere zeigen beide Seiten: kreative Grenzgänge und technisch präzise klassische Ansätze. Genau diese Bandbreite macht die Community aus.

Fazit: Eine Läuterpause, die nur dank der Community funktioniert

Die Technik hat die geplante Hauptfolge verhindert. Die Community hat dafür eine andere Folge möglich gemacht. Zwischen Brettanomyces, Cold IPA, Porter, Low-ABV Sour, Maibock, Milkshake NEIPA, Imperial Stout und Pastry Sour entsteht ein Gespräch, das ungeplanter kaum sein könnte – und gerade deshalb sehr nah am echten Hobbybrauer-Alltag bleibt.

Schreibt uns, welche Brauanlagen und Systeme wir in einem zukünftigen Special vergleichen sollen. Und falls ihr selbst ein Bier gebraut habt, das wir in einer Läuterpause probieren sollten, meldet euch bei uns.

Die verkosteten Biere im Überblick

  • ⅓ Chardonnay-Most + Brett – Ivo / Brausport-Gruppe
  • The Hop Father – Sascha / Braumanufaktur Rennkamp
  • Brexit Porter – Achim Scheffler / Uhlandbräu
  • Sanctus Fructus Cornus Mas – Tobi Burger / Bürgerbräu
  • Frostbite Cold IPA – Martin Schmidt / Schmaidt’s Nerd Brewing
  • Low ABV Sour New England IPA – Ingo / Kaltas Gebräu
  • Mango Madness – Florian Köhler / Inn Craft Bräu
  • Bock to the Future – Sascha / Braukamp
  • The Hazy Force – David Melching / Der Hopfendoktor
  • Double Wood Vanilla Bourbon Imperial Stout – Chemical Olli
  • Pastry Sour Himbeer & Brombeere – Beni Bögli / Bögli Bräu

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Beer Chronicles / Martin Schmidt: Beer Chronicles – An Interactive Beer History Timeline.

https://beer-chronicles.org/

[2] Brewtools: Brewtools Europe – Brausysteme, Gärtechnik und Steuerung.

https://www.brewtools.com/

[3] Fermentis: SafLager™ SH-45: The Ideal Lager Yeast to Enhance Hop Thiol Release.

https://fermentis.com/en/knowledge-center/expert-insights/beer/saflager-sh-45-the-ideal-lager-yeast-to-enhance-hop-thiol-release/

[4] White Labs: WLP066 London Fog Ale Yeast.

https://www.whitelabs.com/yeast-single?id=134&type=YEAST

[5] Mangrove Jack’s: M36 Liberty Bell Ale Yeast.

https://mangrovejacks.com/products/liberty-bell-ale-m36-yeast-10g

[6] WHC Lab: Banana Split: Iconic Wheat Dry Yeast.

https://www.whclab.com/products/banana-split-hefeweizen-dry-brewing-yeast

[7] Beer Judge Certification Program: 2021 BJCP Beer Style Guidelines.

https://www.bjcp.org/download/2021_guidelines_consolidated-pdf

[8] Yakima Chief Hops: El Dorado® Hops.

https://www.yakimachief.com/el-dorado.html

[9] Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer: Wettbewerbs-Bierstil 2026: Weizenbock (hell).

https://www.hobbybrauer-meisterschaft.de/

[10] Bögli Bräu: Pastry Sour Himbeer und Brombeere.

https://www.xn--bglibru-bxa0n.ch/bestellen

[11] Brautag Podcast: Folge 3.S02 – Home Brew 2026, Cold IPA und die neue Braukunstwelt.

https://brautagpodcast.com/2025/12/18/folge-3-s02-home-brew-2026-cold-ipa-und-die-neue-braukunstwelt-mit-jeff-maisel-und-michael-werner/

[12] Brautag Podcast: Folge 2.11 – Rezept-Deep Dive IPA mit Simon Rose.

https://brautagpodcast.com/2025/06/26/folge-2-11-rezept-deep-dive-ipa-mit-simon-rose/

[13] Brautag Podcast: Folge 3.04 – Deutscher Porter mit Brettanomyces.

https://brautagpodcast.com/2026/01/29/folge-3-04-deutscher-porter-von-gesundheitsbier-bis-ddr-porter-mit-brettanomyces/

[14] Brautag Podcast: Folge 3.09 (#118) – Röstmalz – Von der Trommel ins Glas.

https://brautagpodcast.com/2026/07/23/folge-3-09-118-rostmalz-von-der-trommel-ins-glas/

Abrufdatum der Internetquellen: 29. Juli 2026

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