Welche Anlage passt zu dir? – Brauanlagen Teil 2 / 3 – Folge 3.11 (#125) – Brautag – Bier und Hobbybrauen mit Flo & Paul
- Folge 3.11 (#125) – Brauanlagen Teil II – Welche passt zu dir?
- Warum die Frage nach der passenden Brauanlage wichtiger ist als der Preis
- Einkocher und Brew in a Bag: günstig anfangen, viel lernen
- Ein Topf, viele Möglichkeiten: Zirkulation und schwierige Schüttungen
- All-in-One-Anlagen: Komfort statt permanentes Rühren
- Vom MiniBrew bis zur BrauEule: ungewöhnliche Brauwege
- Zwei Kessel: mehr Freiheiten, aber auch neue Arbeit
- Drei Kessel, HERMS und RIMS: Technik bewusst auswählen
- 100 Liter aufwärts: Strom, Platz und Folgekosten
- Vier Biere im Glas: Festbier, Pumpkin Ale, IPA und Wilde Körnchen
- Unser Fazit: Die passende Anlage ist die, auf der ihr gerne braut
- Die verkosteten Biere im Überblick
- Quellen und weiterführende Informationen
Folge 3.11 (#125) – Brauanlagen Teil II – Welche passt zu dir?
Transparenz: Die in dieser Folge besprochenen Produkte wurden entweder kostenlos zur Verfügung gestellt oder von uns selbstständig erworben. Sofern Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, wird dies in der Folge mündlich klar gekennzeichnet.
Warum die Frage nach der passenden Brauanlage wichtiger ist als der Preis
Führt eine Brauanlage für 5.000 Euro automatisch zu besserem Bier als ein Einkocher? Mit genau dieser Frage steigen wir in den zweiten Teil unserer Brauanlagen-Reihe ein. Unsere Antwort fällt bewusst weniger spektakulär aus, als ein Prospekt für High-End-Equipment hoffen lässt: Gute Brauprozesse, sauberes Arbeiten und ein passendes Rezept bleiben wichtig. Technik kann unterstützen, wiederholbar machen und Arbeit sparen. Sie ersetzt aber weder Aufmerksamkeit noch Erfahrung. Die im Video eingeblendeten Funktionsgrafiken sind eigene vereinfachte Erklärungen, keine Herstellerabbildungen oder Bauanleitungen. Der Vergleich der Systeme ist Flos persönliche Einschätzung.
Einkocher und Brew in a Bag: günstig anfangen, viel lernen
Flo erinnert sich an seinen Einstieg mit einem klassischen Einkocher. Die Anschaffung war überschaubar, das Prinzip greifbar und er blieb ganz nah am Prozess. Für die ersten zehn bis fünfzehn Liter muss es keine komplexe Anlage sein. Ein Maischesack, ein Thermometer, ein Gärbehälter und eine Möglichkeit zur Stammwürzemessung können für einen ersten Versuch genügen. Was konkret vorhanden sein muss, hängt vom Setup ab. Eine gute Übersicht liefert [19].
Gerade Brew in a Bag, kurz BIAB, reduziert die Mechanik: Malz in den Sack, maischen, den Sack herausheben und die Würze anschließend kochen. Wer mit vollem Brauwasservolumen arbeitet und auf einen Nachguss verzichtet, vereinfacht den Ablauf weiter. Dafür kann die Ausbeute niedriger ausfallen. Das muss ein Anfänger nicht unbedingt durch komplizierte Zusatztechnik kompensieren. Unser Rat ist daher, zuerst den Prozess zu verstehen, bevor man den letzten Prozentpunkt aus der Sudhausausbeute jagt.
Paul würde bei sehr knappem Budget ebenfalls zum Einkocher mit Maischesack greifen. Eine Alternative mit Malzkorb ist der kompakte „9er“ von Malzknecht [8]. Ein Korb erleichtert ihm das Herausheben und Reinigen. Beim Sack stören ihn die heiße, tropfende Handhabung und das Saubermachen. Dennoch ist BIAB ein ernst zu nehmender Brauweg und keine bloße Notlösung.
Ein Topf, viele Möglichkeiten: Zirkulation und schwierige Schüttungen
Paul hat einen BIAB-Aufbau von Craft Hardware [12] nicht einfach nur passiv genutzt. Er wollte pumpen, zirkulieren, Sichtgläser einsetzen und Würzewege umbauen. Genau hier liegt der Reiz modularer Brausysteme: Aus einem einzelnen Topf kann eine kleine technische Spielwiese werden. Der Nachteil: Jede zusätzliche Verbindung bringt weitere Stellen mit, die aufgebaut, verstanden und gereinigt werden müssen.
Die Würzerezirkulation braucht außerdem ein Gespür für den Durchfluss. Saugt die Pumpe Würze schneller ab, als sie durch das Treberbett zurücklaufen kann, drohen ein trockener Bereich unter dem Läuterboden und Probleme an der Heizquelle. Paul schildert eine Lösung, bei der ein Teil der Würze direkt unter den Zwischenboden zurückgeführt wurde; Craft Hardware beschreibt dieses Prinzip als geteilte Rezirkulation [18]. Das ist eine Erfahrung mit seinem konkreten Aufbau und keine pauschale Bauanleitung. Einfache Technik kann hier robuster sein als ein maximal verschlauchtes System.
Ein Vorteil von Maischesack oder geeignetem Korb zeigt sich bei schüttungsstarken Rezepten mit viel Weizen, Roggen oder Hafer. Das Abläutern lässt sich häufig einfacher handhaben als bei einem klassischen, rasch dichtsetzenden Treberbett. Dass alle Schüttungen völlig problemlos funktionieren, wäre aber zu viel versprochen: Material, Mahlgrad, Rezept und Verfahren bleiben entscheidend.
All-in-One-Anlagen: Komfort statt permanentes Rühren
Mit All-in-One-Anlagen kommen Steuerung, Heizung, Malzrohr oder Malzkorb und oft eine Pumpe in einem kompakten Paket zusammen. Wir sprechen unter anderem über Brew Monk, BrewZilla, Grainfather, Klarstein, Speidel und Brewtools. Paul erinnert sich an Braukurse auf einem Speidel Braumeister: Er konnte den Prozess erklären und die Gruppe begleiten, statt ständig am Kessel zu stehen. Die Automatik brachte ihm echte Entlastung. Speidel dokumentiert Malzrohr, Pumpe, Heizspirale und Steuerung in seiner Betriebsanleitung [13].
Der andere Nutzertyp will vor allem Rezepte entwickeln. Wer immer nur eine Rezeptvariable verändert, profitiert davon, dass seine Anlage möglichst gleichmäßig funktioniert. Paul hebt gleichzeitig hervor, dass auch ein Brewtools B80pro Aufmerksamkeit verlangt. Der Hersteller beschreibt unter anderem die leistungsfähige Pumpe, zwei Heizkreise und eine digitale Steuerung [1]. Gerade Temperaturunterschiede innerhalb der Maische oder kritische Durchflüsse sollte man kennen, statt sie hinter einer Touchoberfläche zu vergessen.
Am unteren Ende der Preisspanne schauen wir auch auf VEVOR-Geräte. Der verlinkte 13-Liter-Brauautomat dient als Produktbeispiel; Qualität und Praxistauglichkeit dieses konkreten Geräts konnten wir in der Folge nicht selbst bewerten [5].
Vom MiniBrew bis zur BrauEule: ungewöhnliche Brauwege
Die Vielfalt endet nicht bei klassischen Malzrohrsystemen. Flo nennt besonders kompakte Geräte wie MiniBrew und iGulu und fragt, für wen ein möglichst automatisiertes Küchenbrausystem interessant ist [4]. MiniBrew beschreibt sein aktuelles Craft Gen 3 als All-Grain-System für kleine Chargen, bei dem Brauen und temperaturgeführte Gärung zusammen gedacht werden [3]. Im Gespräch ist die Neugier groß – auch wenn weder Paul noch Flo jeden dieser Ansätze für den eigenen Braukeller wählen würden.
Ein ganz anderes Konzept liefert die BrauEule von BRUMAS, mit der Paul selbst gebraut hat; seine Erfahrung bezieht sich auf die BrauEule II, während das verlinkte aktuelle Produkt die III Pro ist [6]. Hier wird Maische indirekt über direkt eingeblasenen Dampf bewegt beziehungsweise erhitzt. Die BRUMAS-Technikbeschreibung erklärt, wie ein Gemisch aus heißem Dampf und Luft unter dem Läuterboden eingebracht wird [15]. Paul berichtet von einer eigenständigen, für klassische Bierstile interessanten Arbeitsweise. Mehrere Hopfengaben sind aufgrund des heißen, geschlossenen Kochbereichs für ihn weniger bequem. Dies ist gerade ein schönes Beispiel dafür, dass außergewöhnliche Technik ganz spezifische Stärken und Grenzen hat.
Auch die Marktentwicklung kommt zur Sprache: Wir sprechen über die Zukunft von Ss Brewtech und über den Zusammenschluss rund um Blichmann/Anvil. Als weiterführende Einordnung dienen die Mitteilungen von Middleby [9] und MoreFlavor [10].
Zwei Kessel: mehr Freiheiten, aber auch neue Arbeit
Ein zweiter Kessel erweitert den Brautag. Auch Brewtools bietet dafür Erweiterungen mit separatem Maischebottich [22]. Maischen und Kochen können räumlich getrennt werden; je nach Ausstattung lässt sich eine Aufgabe vorbereiten, während die andere läuft. Paul mag an dieser Bauweise, dass er nicht ständig mit einem tropfenden Maischesack hantieren muss. Er beschreibt aber auch Varianten, bei denen Würze hin- und zurückgepumpt wird, die Reinigung einen eigenen Arbeitsschritt bildet und ein zusätzlicher Kessel nicht automatisch alle Probleme löst.
Mit einer HERMS-Spirale im zweiten Kessel wird aus dem Aufbau noch etwas anderes: Die Würze kann über einen Wärmetauscher indirekt erwärmt werden. Paul hat solche Varianten ausprobiert. Seine praktische Bilanz zur fest eingebauten Spirale im späteren Kochkessel fällt gemischt aus: Die zusätzliche Reinigungsarbeit ist erheblich. Ein vermeintlich cleverer technischer Kompromiss kann sich deshalb im Alltag als umständlich erweisen.
Drei Kessel, HERMS und RIMS: Technik bewusst auswählen
Flo bekennt sich ziemlich eindeutig zu seiner Dreikessel-HERMS. Sie ist modular, macht ihm Freude und bleibt ein System, das sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln lässt. Dabei ist nicht jedes Dreikesselsystem automatisch eine HERMS-Anlage. Klassische Aufbauten mit Rührwerk und separatem Läuterbottich sind ebenfalls möglich.
HERMS bedeutet „Heat Exchange Recirculating Mash System“: Die zirkulierende Würze fließt durch einen Wärmetauscher in einem Warmwassertank. Bei RIMS („Recirculating Infusion Mash System“) wird die Würze in einer externen Heizstrecke direkter erhitzt. Beide Verfahren können Temperaturführung und Reproduzierbarkeit verbessern. Welche Variante besser passt, hängt auch von Bauweise, Regelung, Trockenlaufschutz und der Bereitschaft zum Reinigen ab. Einen technischen Einstieg bieten die RIMS-Dokumentation der American Homebrewers Association [20] und die HERMS-Systemübersicht von Craft Hardware [25].
Flo schätzt an HERMS besonders das geringere Risiko, dass Würze unmittelbar auf einem trockengefallenen Heizelement anbrennt. Dem stehen mehr Bauteile, Pumpen, Stellfläche und Reinigungsaufwand gegenüber. In kleinen Sudgrößen wäre ihm das meist zu viel Technik, in der Klasse von ungefähr vierzig bis fünfzig Litern Ausschlagmenge dagegen ein attraktiver Kompromiss.
100 Liter aufwärts: Strom, Platz und Folgekosten
Die Vergrößerung einer Brauanlage endet nicht am Sudkessel. Ab größeren Mengen steigen die Anforderungen an Heizleistung, Stromkreise, Standort, Heben und Pumpen. Hinzu kommen Kühlung, Gärkapazität, Abfüllung und Reinigung. Flo beschreibt seine unterschiedlichen Stromkreise für Heißwasser- und Kochseite; Paul erinnert daran, dass mehr Liter gerade beim Aufheizen viel Zeit kosten können.
Der Braumeister mit hundert Litern nutzt laut Hersteller mehrere Malzrohre, um die Handhabung der Malzmenge zu erleichtern [24]. Das zeigt, wie stark Mechanik und Handhabung mitwachsen müssen. Wer von einem Zwanzig-Liter-Sud auf die nächste Größenklasse wechseln will, sollte deshalb zuerst prüfen, ob Stromversorgung und kompletter Folgeprozess zusammenpassen – nicht nur, ob der Kessel in den Keller passt.
Vier Biere im Glas: Festbier, Pumpkin Ale, IPA und Wilde Körnchen
Neben viel Technik ist ausreichend Platz für Bier. Flo startet mit dem Mönchsambacher Festbier von Brauerei Zehendner . Er beschreibt es als naturtrüb, malzaromatisch und charaktervoll.
Das Pumpkin Spiced Ale von Christopher Jung wurde laut Flasche im September 2025 datiert und hat 4,5 Prozent Alkohol. Flo entdeckt deutliche Gewürzaromen, besonders Piment und Zimt, sowie eine feine Säure.
Im weiteren Verlauf probiert Flo das Treibsand IPA der Wittorfer Brauerei aus Neumünster . Die intensive Fruchtaromatik, deutliche Trübung und das süß-bittere Wechselspiel machen ihm sichtlich Spaß.
Besonders spannend ist schließlich „Wilde Körnchen“ von Michael Schneider aus Balingen. Aus der Flaschenbeschreibung nennt Flo Gersten-, Roggen-, Buchweizen-, Weizen- und Linsenmalz. Er berichtet von 7,4 Prozent Alkohol bei 13,3 °Plato Stammwürze, einem sehr trockenen Eindruck, Steinfruchtaromatik und prickelnder Karbonisierung. Flo vergleicht den fruchtigen Eindruck sensorisch mit Cantillons Fou’Foune [27].
Die verkosteten Biere im Überblick
- Mönchsambacher Festbier – Brauerei Zehendner
- Pumpkin Spiced Ale – Christopher Jung / Jungbräu (Hobbybrauer)
- Treibsand IPA – Wittorfer Brauerei
- Wilde Körnchen – Michael Schneider (Hobbybrauer) / Kesselbrauer (Balingen)
Quellen und weiterführende Informationen
[1] Brewtools – Pro Series brewing system.
https://docs.brewtools.com/brewing/pro-series-brewing-system/pro-series-brewing-system
[2] Speidel – Braumeister 10/20/50 Liter.
https://www.speidels-braumeister.de/de/braumeister/braumeister-10-20-50-liter.html
[3] MiniBrew – MiniBrew Craft Gen 3.
https://minibrew.io/products/minibrew-craft-gen-3
[4] iGulu – FAQ.
[5] VEVOR – Automatische Bierbrauanlage 13 L.
[6] BRUMAS – BrauEule III Pro Set.
https://www.brumas.com/shop/product_info.php?products_id=110
[7] Grainfather – G30v3.
https://grainfather.com/g-series/g30v3/
[8] Malzknecht – Die Brauanlage für deine Küche.
[9] Middleby / Ss Brewtech – Middleby to Discontinue Brewing Group.
[10] MoreFlavor / Blichmann / Anvil – Blichmann & Anvil Join the MoreFlavor Family.
https://morebeer.com/pages/blichmann-anvil-acquisition
[11] Spike – Bottom Drain Tank / SpikeTank.
https://spikebrewing.com/products/bottom-drain-tank?var=42955986436332
[12] Craft Hardware – Einzelkessel BIAB Anlagen.
https://www.crafthardware.de/pages/einzelkessel-biab-anlagen
[13] Speidel – Bedienungsanleitungen.
https://www.speidels-braumeister.de/de/service/bedienungsanleitungen.html
[14] iGulu F1 – weiterführendes Modellbeispiel, keine sichere Zuordnung zum besprochenen Gerät.
https://igulu.com/blogs/brew-academy/all-grain-vs-extract-brewing-on-the-igulu-f1
[15] BRUMAS – Das BRUMAS Maischverfahren – Technik.
https://www.brumas.com/brumaswp/technik/
[16] MiniBrew – Home Brew Set Up Ideas.
[17] One Pot Brewing – Herstellerhomepage.
https://www.onepot-brewing.com/
[18] Craft Hardware – Geteilte Rezirkulation für BIAB-Anlagen.
https://www.crafthardware.de/blogs/allgemein/split-recirculation-for-biab-systems
[19] Malzknecht – Einkochautomat zum Bierbrauen – Test und Vergleich.
https://malzknecht.de/ausruestung/testbericht/einkochautomat-zum-bier-brauen-test-und-vergleich/
[20] American Homebrewers Association – Dion Hollenbeck’s RIMS System.
https://homebrewersassociation.org/how-to-brew/dion-hollenbecks-rims-brewing-system/
[21] Brewtools – B100 Brewing System, 2×230 V, 6 kW.
https://www.brewtools.us/all-in-one/7714493/b100-brewing-system-for-enthusiasts-and-small-breweries
[22] Brewtools – B100 Mash Tun.
https://www.brewtools.us/mash-tuns/7714115/b100-mash-tun-expand-your-b100-to-a-2-vessel-system
[23] brau!magazin / Moritz Gretzschel – Klassengesellschaft – Stimmige Auslegung von Hobbybrauanlagen.
https://braumagazin.de/article/klassengesellschaft/
[24] Speidel – Braumeister 100 Liter.
https://www.speidels-braumeister.de/de/braumeister/braumeister-100-liter.html
[25] Craft Hardware – Drei Kessel HERMS Anlagen.
https://www.crafthardware.de/pages/drei-kessel-herms-anlagen
[26] Homebrew Digest – KISS HERMS, 28.09.1998.
https://hbd.org/hbd/archive/2835.html
[27] Cantillon – Fou’Foune: offizielle Produktbeschreibung.
https://www.cantillon.be/fou-foune
[28] Malzknecht – MiniBrew Test 2025 (vom Autor als Sponsored Post gekennzeichnet).
https://malzknecht.de/ausruestung/testbericht/minibrew-test-2025/
Quellennummern wie in den Videoeinblendungen; Produktgenerationen können abweichen.
Stand der übernommenen Quellenliste: 23.10.2026.


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