StartFolgen & BlogStaffelnFlo & PaulKontaktPodcast hören ↗
← Alle Folgen & Beiträge
,

·

Mehr Technik, besseres Bier? – Brauanlagen Teil 1 / 3 – Folge 3.10 (#124)

Mehr Technik, besseres Bier? – Brauanlagen Teil 1 / 3 – Folge 3.10 (#124) – Brautag – Bier und Hobbybrauen mit Flo & Paul

Folge 3.10 (#124) – Brauanlagen – Brauen oder bauen?

Eine Brauanlage kann wachsen, schrumpfen und kurz darauf schon wieder ganz anders aussehen. In Folge 3.10 (#124) erzählen wir, wie das bei uns passiert ist. Aus dem geplanten Überblick wird zunächst eine persönliche Reise durch Einkocher, Braueule, Thermoport, HERMS und immer neue Umbauten. Wir sprechen über Fehlentscheidungen, praktische Verbesserungen und darüber, warum Anlagenbauen manchmal genauso viel Spaß macht wie Bierbrauen. Dazu kommen Hörerbiere, eine anspruchsvolle Blindverkostung und unsere Biere des Monats. Es ist Teil 1 einer Reihe, die während der Aufnahme auf drei Folgen wächst.

Brauanlagen und die Frage nach dem eigenen Braualltag

Bevor wir über Edelstahl sprechen, geht es um Erwartungen. Soll die Anlage möglichst wenig Platz brauchen? Muss sie transportabel sein? Oder steht sie dauerhaft im eigenen Braukeller? Aus euren Fragen kommen Reinigung, Zeitbedarf, Automatisierung, Sauerstoffeintrag, Ausbeute, Kühlung und Erweiterbarkeit zusammen. Das sind sehr unterschiedliche Wünsche, die wir mit unseren eigenen Erfahrungen abgleichen.

Für uns ist der Braukeller auch ein Rückzugsort. Flo bringt es auf den Punkt: „Da fühlt sich manchmal ein 8-Stunden-Brautag an, wie wenn ich eine Woche in Urlaub gewesen wäre.“ Paul kennt dieses Gefühl beim Gang in den vorbereiteten Keller mit einem frischen Kaffee. Deshalb ist die kürzeste Brauzeit für uns nicht automatisch das wichtigste Ziel. Wir wollen einen Ablauf, der zu unserem Hobby und unserem Alltag passt.

Flos Weg vom Einkocher zur HERMS-Anlage

Flo startet 2015 mit einem Einkocher und Brew in a Bag. Der günstige Einstieg hilft beim Ausprobieren, bringt aber auch Schwierigkeiten mit: Der Sack berührt den heißen Boden, später nervt das manuelle Rühren. Es folgen ein zweiter Einkocher, verschiedene Läuterlösungen und schließlich ein 70-Liter-Thermoport. Der Wunsch dahinter bleibt lange derselbe: möglichst flexibel sein, größere Mengen brauen und unterschiedliche Maischverfahren offenhalten.

Mit größeren Gefäßen entstehen neue Aufgaben. Maische lässt sich nicht mehr bequem durch Anheben und Umkippen bewegen. Flo arbeitet mit Schwerkraft, Auslaufhähnen und Messbechern, später mit Pumpen und fester Verrohrung. Daraus entwickelt sich seine HERMS-Anlage. Bei HERMS wird Würze zur indirekten Erwärmung durch einen Wärmetauscher geführt; im klassischen Drei-Kessel-Aufbau liegt dieser im Heißwassertank. Diese Funktion erklärt, warum das System für Flo interessant wird. [1]

Auch der eigene Hopfenanbau beeinflusst seine Entscheidungen: Doldenhopfen und Kräuterzugaben sollen sich in den Ablauf integrieren lassen. Hinzu kommen Gegenstromkühler, Dunstkondensator und Steuerung. Flo beschreibt fünf BierBot Bricks und später einen zentralen Schaltschrank. Die BierBot-Dokumentation beschreibt die Steuerung von Geräten sowie die Aufzeichnung von Temperaturen als Funktionen des Systems. [2] Wie diese Komponenten zusammenspielen, wächst bei Flo über viele Jahre.

Wenn der günstige Eigenbau zum teuren Umweg wird

Selbst bauen ist ein großer Teil unseres Hobbys. Flo schaut trotzdem kritisch auf manche Projekte zurück: Ein improvisiertes Rührwerk hält einige Sude, wird dann aber durch eine gekaufte Lösung ersetzt. Die selbst zusammengestellte Brüdenabfuhr funktioniert für ihn ebenfalls nicht dauerhaft zufriedenstellend. Zum Material kommen Zeit, neue Versuche und gelegentlich enttäuschende Brauergebnisse.

Seine Erfahrung lässt sich sinngemäß so zusammenfassen: Eine günstige Eigenbaulösung kann am Ende mehr Zeit und Geld kosten als eine passende fertige Lösung. Das ist kein pauschales Urteil über DIY. Es beschreibt Flos Konflikt, eigentlich brauen zu wollen, aber parallel noch eine halbfertige technische Lösung entwickeln zu müssen. Die Umwege haben ihm viel beigebracht; einige davon würde er heute dennoch auslassen.

Pauls Anlagenreise: Braueule, HERMS und Brewtools

Paul beginnt mit Malzextrakt und wenig Vorstellung davon, wie der Prozess funktioniert. Der nächste große Schritt kommt ungewöhnlich zustande: Er gewinnt eine Braueule 2 bei einem Radiogewinnspiel. Gebraut wird zunächst in der Wohnung, später im eigenen angemieteten Braukeller. Es folgen Hendi-Platten, Rührwerk, Pumpen, Steuerungen und eine fest verrohrte Drei-Kessel-HERMS.

Damit endet die Suche nicht. Paul probiert zusätzlich Brew in a Bag, reduziert auf zwei Kessel, arbeitet mit einem Braukorb und kehrt nochmals zur Drei-Kessel-Anlage zurück. Ein wiederkehrendes Thema ist die Reinigung. Bodenabläufe werden für ihn wichtig, weil sich Kessel dadurch leichter entleeren und ausspülen lassen. Solche Kessel gehören auch zum dokumentierten Sortiment von Craft Hardware. [3]

Später wechselt Paul zum Brewtools B80. Die Herstellerdokumentation der Pro-Serie beschreibt ein System mit Tri-Clamp-Verbindungen und verschiedenen Anschlussmöglichkeiten. [4] Für Paul zählt neben dem Ablauf auch, wie die Technik gestaltet ist. Und kaum ist eine Anlage verstanden, reizt schon die nächste Idee. Die von ihm wiedergegebene Frage seiner Frau trifft das ziemlich gut: „Braust du auch noch Bier oder baust du eigentlich nur Anlagen zusammen?“

Was uns ein Anlagenwechsel wirklich bringt

Mehr Technik kann den Brautag angenehmer machen, Kapazität schaffen und Abläufe wiederholbarer gestalten. Unsere Erfahrung ist aber ebenso, dass eine neue Anlage zunächst neue Fehlerquellen mitbringt. Flo beschreibt Sude, die nach einem Umbau erst einmal schlechter werden. Paul erzählt von Rohrwegen, die in der Planung sinnvoll aussehen und sich später als unpraktisch herausstellen.

Auch bei der Sudhausausbeute setzen wir persönliche Prioritäten: Wir wollen vor allem einschätzen können, was unsere Anlage mit einem Rezept macht. Der höchste Prozentwert ist für uns weniger interessant als ein nachvollziehbarer Ablauf. Automatisierung und Erweiterbarkeit stehen dagegen weit oben. Wer den eigenen Braualltag kennt, kann besser entscheiden, welche Veränderung tatsächlich hilft.

Weißbier, Black IPA und ein NEIPA mit West-Coast-Anklängen

Zum Einstieg hat Flo eine Huber Weisse aus Freising im Glas, die er bananig und relativ leicht beschreibt. Die Marke wird vom Gräflichen Hofbrauhaus Freising geführt; die genaue Variante wird im Gespräch nicht genannt. [5] Paul startet mit einem Licher alkoholfrei. Später schenkt er sein eigenes Black IPA ein: sehr dunkelbraun, mit cremigem, eingefärbtem Schaum und für ihn weiterhin frischer Hopfenaromatik.

Flo trinkt währenddessen ein New England IPA von Christian Tille. Statt ausschließlich tropischer Saftigkeit findet er eher Grapefruit und einen leicht harzigen Einschlag. Das Bier wirkt auf ihn schlank, angenehm bitter und frei von wahrnehmbarem Hop Burn. Die genannten Hopfensorten bleiben offen. Gerade deshalb bleiben diese Eindrücke sensorische Beschreibungen und werden nicht nachträglich zu vermeintlich bekannten Rezeptdaten.

Blind verkostet: Mexican Lager und die grüne Apfelnote

Manuel Schertler aus Kiel schickt uns ein Bier zur Blindverkostung. Wir beschreiben zunächst eine helle Farbe, leichte Trübung und dezente Malzaromatik. Im Geruch und Geschmack wechseln unsere Assoziationen zwischen Zitrusabrieb, Kräutern, unreifer Frucht und schließlich grünem Apfel. Flo schlägt zwischendurch vor, die vermuteten Zutaten auszublenden und noch einmal gemeinsam die Wahrnehmung zu beschreiben.

Die Auflösung lautet „Mexican Lager Modern Style“. Aus dem im Gespräch vorgelesenen Rezept stammen Pilsner Malz, Flaked Corn, Carapils, Hallertauer Magnum, Hallertauer Lilly und Zesten. Als Hefe wird NovaLager genannt, mit Anstellen und Hauptgärung bei 10 °C. Das passt zum vom Hersteller angegebenen Bereich von 10 bis 20 °C; NovaLager wird ausdrücklich als untergärige Lagerhefe eingeordnet. [6]

Die Apfelnote können wir damit nicht abschließend erklären. Acetaldehyd wird in den sensorischen Referenzen des BJCP mit grünem Apfel und geschnittenem Gras beschrieben, DMS dagegen mit gekochtem Mais oder Gemüse. [7] Das ist eine fachliche Einordnung, kein Nachweis für Manuels Bier. Wir loben die trinkbare Basis und die Balance, während die konkrete Ursache offenbleibt. Fehlende Oxidationsnoten in unserer Verkostung sind ebenfalls keine analytische Bestätigung vollständiger Oxidationsfreiheit.

Unsere Biere des Monats und die nächsten Teile

Paul entscheidet sich für das Augustiner Oktoberfestbier, auf das er sich nach eigener Aussage jedes Jahr freut. Die Brauerei führt es als saisonale Spezialität zum Oktoberfest. [8] Flo wählt Aecht Schlenkerla Erle. Ihn begeistert die Verbindung aus Rauch, malziger Tiefe sowie Kaffee- und Schokoladenanklängen. Schlenkerla beschreibt dafür über Erlenholz getrocknetes Rauchmalz und einen hohen Röstmalzanteil. [9] Beide Empfehlungen stehen hier bewusst als Biere des Monats; ein Ausschank während der Aufnahme ist nicht eindeutig belegt.

Nach fast zwei Stunden ist klar: Unsere Anlagenreisen füllen eine eigene Folge. Der systematische Überblick und die ausführliche Diskussion der Vor- und Nachteile folgen in den nächsten Teilen. Welche Anschaffung hat euren Brautag wirklich verbessert, und welchen Umweg würdet ihr euch heute sparen? Schreibt uns oder schickt uns eine Sprachnachricht über SpeakPipe. Wir freuen uns auf eure Erfahrungen.

Feedback als Sprachnachricht:

https://www.speakpipe.com/brautagpodcast

Die verkosteten Biere im Überblick

  • Huber Weisse – Gräfliches Hofbrauhaus Freising
  • Licher alkoholfrei – Licher Privatbrauerei
  • Black IPA – Paul
  • New England IPA – Christian Tille
  • Mexican Lager Modern Style – Manuel Schertler

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Craft Hardware: Drei Kessel HERMS Anlagen. Aufbau und Funktionsprinzip eines HERMS-Systems.

https://www.crafthardware.de/pages/drei-kessel-herms-anlagen

[2] BierBot: Welcome – BierBot Bricks Documentation. Dokumentation zur Brausteuerung.

https://docs.bierbot.com/

[3] Craft Hardware: Kessel mit Bodenablauf – 85L. Herstellerangaben zu Kesseln mit Bodenablauf.

https://www.crafthardware.de/products/kessel-mit-bodenablauf-85l

[4] Brewtools: Getting Started – Pro-series Brewing System. Herstellerdokumentation der Pro-Serie.

https://docs.brewtools.com/brewing/pro-series-brewing-system/pro-series-brewing-system

[5] Gräfliches Hofbrauhaus Freising: Huber Weisses. Brauerei und Weißbiersortiment.

https://www.hofbrauhaus-freising.de/huber-weisses/

[6] Lallemand Brewing: LalBrew NovaLager™. Einordnung als Lagerhefe und Gärtemperaturbereich.

https://www.lallemandbrewing.com/en/united-states/products/lalbrew-novalager/

[7] Beer Judge Certification Program: Sensory Kits. Sensorische Referenzen für Acetaldehyd und DMS.

https://www.bjcp.org/education-training/education-resources/sensory-kits/

[8] Augustiner-Bräu: Augustiner-Bräu auf dem Oktoberfest. Informationen zum Oktoberfestbier.

https://www.augustiner-braeu.de/oktoberfest/

[9] Schlenkerla: Schlenkerla, DAS Rauchbier: Sortenübersicht. Aecht Schlenkerla Erle und Erlenrauchmalz.

https://www.schlenkerla.de/rauchbier/sorten/sorten.html

Abrufdatum der Internetquellen: 07.10.2026

Hinterlasse einen Kommentar

Noch einen Schluck Wissen?

Alle Folgen. Alle Geschichten.

Folgen & Shownotes entdecken ↗