Folge 2.KB07 – Cold IPA vs. IPL vs. Brut IPA – Brautag
Kurzbeschreibung der Folge
IPA ist nicht gleich IPA – und das gilt heute mehr denn je. Neben den bekannten Klassikern wie West Coast oder NEIPA haben sich in den letzten Jahren neue Stilrichtungen etabliert, die vor allem für Hobbybrauer extrem spannend sind: Cold IPA, India Pale Lager (IPL) und Brut IPA. Sie wirken auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich aber in Brauweise, Zielprofil und Trinkerlebnis deutlich.
Genau diese drei Stile nehmen Flo und Paul in dieser (etwas längeren) Folge von „Kurz und Bierig“ auseinander – ausgelöst durch eine Hörerfrage aus der Patreon-Community. Das Ergebnis ist eine richtig hilfreiche Stil-Einordnung: Was ist was, was macht den Unterschied aus – und wie kann man die Biere selbst sauber nachbrauen?
Cold IPA: Lager-Crisp trifft West-Coast-Hopfen
Der Star der Folge ist ganz klar das Cold IPA: ein moderner Stil, der 2018 von Kevin Davey (Wayfinder Beer, Portland) entwickelt wurde. Ziel war es, die frische, cleane Lager-Charakteristik mit der Hopfenintensität eines West Coast IPA zu verbinden – ohne die typischen Schwächen, die viele „IPA mit Lagerhefe“-Experimente mitbringen.
Denn ein klassisches „IPL“ kann schnell unausgewogen wirken: Lagerhefe + starke Hopfenaromatik + mögliche Schwefelnote = manchmal nicht rund. Ein „Dry Hop Lager“ wiederum kann grasig werden oder eine süßliche Fruchtigkeit entwickeln, die die Drinkability drückt. Cold IPA soll genau diese Probleme umgehen.
Brautechnisch typisch ist eine Schüttung, die an ein amerikanisches Adjunct-Lager erinnert: viel helles Basismalz plus Mais oder Reis – und dadurch ein sehr schlankes, trockenes, extrem „crispes“ Ergebnis. Vergoren wird mit Lagerhefe, aber wärmer als beim klassischen Lager (z. B. 15–18 °C), damit Schwefel reduziert wird und Hopfen besser durchkommt.
IPL: mehr Malz-Backbone, mehr Balance, subtileres Hopfenprofil
Das India Pale Lager (IPL) ist älter als Cold IPA und entstand vermutlich schon Anfang der 1990er Jahre in den USA – eher als „logischer Versuch“: Man nimmt ein American IPA Rezept und vergärt es mit Lagerhefe.
Der entscheidende Unterschied: Ein IPL wird in der Regel klassisch kühl vergoren (typisch Lagerbereich), braucht Zeit und lebt stärker von der Balance zwischen Hopfen und Malz. Genau diese Balance ist laut Flo auch das, was ein IPL richtig gut macht – ähnlich wie bei einem sehr guten American IPA.
In der Schüttung darf deshalb auch etwas mehr passieren: Pilsner oder Pale Ale als Basis, gerne ergänzt mit etwas Münchner Malz – und Karamellmalz bis ca. 10%, um Vollmundigkeit und Süße so zu setzen, dass Bittere und Hopfenaromen nicht „einsam“ stehen.
Hopfenseitig ist das IPL eher „oldschool“ unterwegs: klassische US-Sorten wie Cascade, Amarillo oder Simcoe funktionieren hier extrem gut, während ultra-moderne tropische Hopfen nicht immer perfekt zum Lagergrundcharakter passen (können, müssen aber nicht).
Brut IPA: Bone Dry, Champagner-Vibes & Enzym-Power
Als drittes Bier kommt das Brut IPA ins Spiel – ein Stil, der 2017 in San Francisco entwickelt wurde und damals extrem schnell Aufmerksamkeit bekam. Ziel: ein sehr helles, knochentrockenes („bone dry“) Bier, das teilweise an Champagner erinnern sollte („Hop Champagne“).
Der wichtigste Unterschied liegt hier in der Technik: Brut IPA wird typischerweise obergärig vergoren (z. B. mit US-05) und zusätzlich mit Amyloglucosidase gearbeitet, um auch langkettige Zucker vergärbar zu machen. Dadurch wird das Bier maximal trocken und bekommt einen extrem schlanken Körper.
Weil Trockenheit Bittere stärker wirken lässt, muss das Bitterlevel eher moderat bleiben (ca. 20–30 IBU als Orientierung). Hopfenseitig passen moderne fruchtige und „weinige“ Sorten besonders gut – Nelson Sauvin ist ein Klassiker in diesem Kontext.
Flo bringt zum Schluss noch eine spannende Idee ins Spiel: ein Sour Brut IPA – z. B. mit Philly Sour plus Enzym, um Säure + Trockenheit + Hopfenbums zu kombinieren. Klingt wild – könnte aber ein echter Sommer-Kracher sein.
Key-Takeaways
- Cold IPA wurde 2018 von Kevin Davey (Wayfinder, Portland) entwickelt.
- Cold IPA kombiniert Lager-Crispness mit West-Coast-Hopfenintensität.
- Typisch Cold IPA: viel Pilsner Malz + Mais/Reis, keine Karamellmalze → sehr trocken & schlank.
- Cold IPA wird mit Lagerhefe wärmer vergoren (ca. 15–18 °C), um Schwefel zu minimieren.
- IPL existiert schon länger (seit den 1990ern) und entstand aus IPA-Rezept + Lagerhefe.
- IPL ist im Hopfenprofil subtiler als Cold IPA und lebt von Malz-Hopfen-Balance.
- Beim IPL sind bis ca. 10% Karamellmalz sinnvoll, um Körper und Süße aufzubauen.
- Brut IPA entstand 2017 und setzt auf maximale Trockenheit („bone dry“).
- Brut IPA nutzt Amyloglucosidase, um auch lange Zucker komplett zu vergären.
- Bittere beim Brut IPA eher moderat halten, da extreme Trockenheit Bittere verstärkt.
Quellen
[1] Bell’s Brewery. „Cold IPA or IPL: What’s the Difference?
[2] Birallee Brewing. „Cold IPA vs India Pale Lager (IPL)
[3] Friedies Brauhaus. „Cold IPA: Der Guide zum neuen, erfrischendem Bierstil
https://friediesbrauhaus.de/2024/07/19/cold-ipa-der-guide-zum-neuen-erfrischendem-bierstil/
[4] Alcohol Professor. „Cold IPA Recipe and Overview
https://www.alcoholprofessor.com/blog-posts/cold-ipa
[5] White Labs Brewing Co. „Is It a Cold IPA or an IPL? A Collaboration with StoneLiberty Station
[6] Hazy and Hoppy. „Cold IPA Recipe Guide
https://hazyandhoppy.com/cold-ipa-recipe/
[7] New School Beer. „What Is a Cold IPA? Wayfinder & Kevin Davey Define the Style
https://newschoolbeer.com/home/2021/2/what-is-a-cold-ipa-wayfinder-kevin-davey-definition
[8] Friedies Brauhaus. „Brut IPA.“
https://friediesbrauhaus.de/2018/04/25/brut-ipa/
[9] https://schumachers-restaurant.de/kevin-davey-uber-das-denken-hinter-cold-ipa/
[10] https://www.wayfinder.beer/cold-ipa
[11] https://brewsnews.com.au/the-rise-and-fall-of-brut-ipa-as-told-by-its-creator/
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