Folge 2.05 – Hopfenprodukte mit Marius Hartmann von Barth Haas – Brautag
Kurzbeschreibung der Folge
Hopfen ist längst nicht mehr nur „Bittere plus Aroma“ – sondern ein hochentwickelter Rohstoff, der sich in den letzten Jahren extrem verändert hat. Wer heute ein modernes IPA braut, merkt schnell: Es geht nicht mehr nur darum, welcher Hopfen ins Bier kommt, sondern in welcher Form, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Ziel. Genau darum dreht sich diese Folge von Brautag (Staffel 2 mit Fokus auf IPA): Flo und Paul sprechen mit Marius Hartmann von BarthHaas über Advanced Hop Products – also moderne Hopfenprodukte, die gezielten Einfluss auf Aroma, Bittere, Prozesssicherheit und sogar Schaumstabilität ermöglichen.
Schon zu Beginn wird klar, warum dieses Thema so spannend ist: In vielen Rezepten wird Hopfen immer noch wie eine Blackbox behandelt. Man stopft viel, hofft auf maximale Frucht und wundert sich später über grasige Noten, kantige Bittere oder ein Aroma, das nach kurzer Zeit völlig wegkippt. Advanced Hop Products liefern hier eine moderne Perspektive: Hopfen ist nicht nur ein „Sack Pellets“, sondern ein Werkzeugkasten, der sich je nach gewünschtem Ergebnis deutlich präziser einsetzen lässt.
Dabei ist das Gespräch nicht trocken oder akademisch, sondern angenehm praxisnah. Marius bringt als Gast nicht nur Industrie-Know-how mit, sondern ist selbst absolut „Brauer durch und durch“. Sein Weg in die Branche führte über Ausbildung, Braumeister und Studium bis in professionelle Brauereiumfelder – und genau diese Mischung sorgt dafür, dass die Episode sowohl für Hobbybrauer als auch für echte IPA-Nerds enorm viel Mehrwert liefert.
Neben dem Hauptthema wird natürlich auch Bier verkostet, wie es sich gehört. Ein schönes Beispiel für die Bandbreite moderner Aromatik ist dabei ein Pale Ale, das komplett auf australische Hopfensorten setzt. Besonders spannend ist die Beschreibung eines Hopfens, der so vielschichtig wirkt, dass er fast wie ein Blend aus mehreren Sorten erscheint – obwohl er alleine eingesetzt wurde. Genau solche Beobachtungen zeigen, wie komplex Hopfen heutzutage sein kann – und warum es sich lohnt, nicht nur in Sortennamen zu denken, sondern in Aromawirkung, Intensität, Reinheit und Stabilität.
Im Kern geht es in der Folge um die Frage: Was bringen moderne Hopfenprodukte wirklich – und warum setzen immer mehr Brauer darauf? Die Antwort ist klar: Sie können helfen, Hopfenaroma effizienter und sauberer ins Bier zu bringen – mit weniger Pflanzenmaterial und oft besserer Kontrolle. Und das ist nicht nur für Großbrauereien interessant. Gerade Hobbybrauer profitieren davon, weil sie häufig mit typischen Problemen kämpfen: Stopfaroma fällt nach kurzer Zeit ab, das Bier wirkt plötzlich rau oder kratzig, oder der Schaum leidet unter intensivem Hopfeneinsatz.
Das Gespräch macht deutlich: Advanced Hop Products sind kein „Cheat“, sondern schlicht eine Weiterentwicklung – ähnlich wie bei Hefen, Wasserchemie oder Malzprodukten. Wer IPAs heutzutage richtig gut machen will, darf sich ruhig auch mit den modernen Werkzeugen beschäftigen. Die Folge liefert dafür die perfekte Grundlage: verständlich, unterhaltsam und gleichzeitig tief genug, um echtes Brauwissen mitzunehmen.
Key-Takeaways
- Hopfen ist im modernen IPA-Kontext ein präzises Werkzeug – nicht nur „Bittere + Aroma“.
- Advanced Hop Products helfen dabei, Aromaintensität gezielter und effizienter zu steigern.
- Moderne Hopfenprodukte können vegetale/grüne Noten reduzieren, weil weniger Pflanzenmaterial nötig ist.
- Hopfen beeinflusst nicht nur Geschmack, sondern auch Prozessstabilität und Reproduzierbarkeit.
- Schaumstabilität kann durch Hopfeneinsatz und Hopfenprodukte spürbar beeinflusst werden.
- Die Wahl der Hopfenform (nicht nur der Sorte) ist heute eine entscheidende Stellschraube.
- Australische Hopfenprofile können extrem vielschichtig sein – auch als Single Hop.
- IPA-Probleme wie „Hop Burn“ oder „Aroma schnell weg“ hängen oft mit Hopfenmanagement zusammen.
- Moderne Hopfenprodukte sind nicht nur für Profis relevant – auch Hobbybrauer profitieren stark davon.
- Wer IPAs verbessern will, sollte Hopfen als modularen Baukasten verstehen (Timing, Menge, Form, Ziel).
Quellen
[2] https://braumagazin.de/article/der-grosse-ibu-schwindel/
[4] https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/informationen/p_41404.pdf
[5] https://zythophile.co.uk/2020/11/18/how-important-were-hop-varieties-to-pre-20th-century-brewers/
[7] https://zythophile.co.uk/2013/05/27/how-long-have-english-brewers-been-using-american-hops-much-longer-than-you-think/
[8] When Hops were King, 2006, New York Archives https://www.nysarchivestrust.org/application/files/2415/6512/0136/archivesmag_fall2006.pdf
[9] A revision of native North American Humulus (cannabaceae) https://www.researchgate.net/publication/311226829_A_revision_of_native_North_American_Humulus_cannabaceae
[10] A Bitter Past: Hop Farming in Nineteenth-Century Vermont https://vermonthistory.org/journal/82/VHS8202ABitterPast.pdf
[11] Dogma Hoptopod https://untappd.com/b/dogma-brewery-hoptopod/1561273
[12] Maisel Hoplander https://www.maiselandfriends.com/de/maisel-friends-hoplander-0-33-l-p1921/
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