- Begrüßung und Zitat
- Interview Teil I
- Verkostung – Paul Wit
- Interview Teil II
- Verkostung – Holystoner Knecht Ruprecht 2022 und 2023 Jahrgang
- Interview Teil III
- Verkostung – Chaos Homebrewing – Herbalist Farmer
- Verkostung – Holystoner Palatina Holzhammer
- Quellen:
Begrüßung und Zitat
Flo Bevor Nectaron auf der Bildfläche erschien, war der neuseeländische Hopfen, den jeder haben wollte, Nelson Sauvin. Doch es war nicht immer einfach, Nelson Sauvin in guter Qualität zu bekommen. Als ich 2014 das erste Mal an Nelson Sauvin roch, war ich überwältigt von dem großen, frischen Aroma von weißem Traubensaft und den darunterliegenden Schwefelnoten. Es ist ein so schöner, einzigartiger Hopfen und nichts kommt an ihn heran.
Das war ein Zitat von Justin Burdt, Chefbrauer bei Oakland Ghost Town.[1]
Hallo und herzlich willkommen zu unserem vierten Special. Und wie man sehen kann, sind wir heute in einer kleinen Brauerei am Start.
Paul Wir sind heute am Brauen. Flo, können wir schon verraten, was wir brauen?
Flo Passend zu unserem Staffelbier-Stil ist es natürlich ein Pilsner, aber nicht irgendein Pilsner. Es wird nämlich ein New Zealand-Pils mit ein paar richtig geilen, neuseeländischen Hopfen. Gut, und bevor wir mit der eigentlichen Arbeit da hinten in der Brauerei starten, trinken wir erstmal was, oder?
Paul Stimmt.
Flo Prost. Wir sind hier in der Pfalz, in der Nähe von Speyer, bei der Holystoner Brauerei [2], [3]. Eine kleine, schöne, schicke Brauerei. Holen wir den Martin, den Hausherrn, mit ins Bild.
Martin Hi, Servus. Hi zusammen. Herzlich willkommen. Mein Name ist Martin Flörchinger. Ich habe eine kleine, winzige Nanobrauerei im Nebenerwerb, so als exzessives Hobby. Ich freue mich tierisch, dass ihr hier seid und freue mich auch schon auf den Tag.
Flo Danke, dass wir hier sein dürfen. Sagen wir noch ein paar Takte zum Rezept. Fangen wir mal mit den wichtigsten Parametern an bei dem New Zealand-Pils. Welche Hopfen sind da so drin, Martin?
Martin Natürlich neuseeländische Hopfen. Da geht es ausschließlich um neuseeländische Hopfen. Wir haben in der Vorderwürze einen Dr. Rudi dabei. Dann haben wir den Nelson. Den, glaube ich, jeder kennt. Es wird kalt gehopft doch und da haben wir noch einen Riwaka im Einsatz. Riwaka auch sehr schöner Hopfen. Das Dry Hopping ist sehr dezent. Die liegen ungefähr bei 1g pro Liter. Trotzdem wird es ein schönes, fruchtiges Bierchen.
Interview Teil I
Flo In gewohnter Manier quetschen wir jetzt den Martin aus.
Martin Oh Gott.
Flo Und ja, wie könnte man das Thema besser einleiten als mit der Frage, warum bist du heute, wo du bist? Im Thema Bier so tief verwurzelt. Warum begeisterst du dich für Bier? Wie bist du zu dem Thema Hobbybrauen gekommen? Berichte einfach mal so ein bisschen. Nimm uns mit.
Martin Also, das ist eine super Frage. Das weiß ich manchmal selbst nicht. Eigentlich grundsätzlich, wie komme ich zum Thema Bier? Ich habe schon immer gerne Sachen gemacht, die ich essen und trinken kann. Also, habe ich auch immer, wenn ich auch ein Thema Bock hatte, habe ich mich immer bis zum Ende gewöhnt. Ich habe mich im Exzess mit auseinandergesetzt. Und letztendlich kam ich zum Bierbrauen tatsächlich durch einen guten Freund von mir, der eine Brennerei hat. So, und der hat quasi so eine Mini-Brennerei in der Garage quasi aufgebaut. Und ich habe, wir haben eine kleine Streuobstwiese und haben dann immer mal wieder das eine oder andere brennen lassen bei ihm. Und bei irgend so einem Brand war dann so eine Idee im Raum, so eine Schnapsidee quasi.
Paul Also im wahrsten Sinne?
Martin Ich würde gerne auch sowas machen. Weil ich fand es toll, wie er seinen Betrieb in den Ort integriert hat, was er für einen Mehrwert erzeugt hat für die Leute. Und er war so ein kleiner Magnet oder ist immer noch so ein Magnet. Und das hat mir Spaß gemacht. Da habe ich gesagt, das will ich hier in Heiligenstein auch. Dann habe ich so mit ihm erzählt, sind wir so reingekommen. Dann hat er gemeint, weißt du was, die 700.000. Brennerei macht auch keinen Sinn. Ja, weil hier in der Pfalz halt super viel gebrannt wird. Und neben den Winzern. Und Winzer ist auch so eine Sache. Okay, wir haben ein bisschen Acker. Aber es macht auch keinen Sinn, da jetzt eine große Weingeschichte aufzubauen. Und da ich eh schon immer gerne Bier trinke, hat er gemeint, du brauchst auch Bier. Und dann habe ich überlegt und habe gemeint, ich helfe dir die Entscheidung, dich zu verkürzen. Ich habe hier im Keller so einen 100 Liter Bottich. Ich habe selbst Bier gebraut. Ich brauche eh Platz. Ich gebe dir noch 200 Leerflaschen dazu und noch einen kleinen Hockerkocher. Nimm das alles mit. Dann habe ich Platz im Keller und du kannst zu Hause mal probieren am Bier. Dann bin ich halt im eigenen Haus bei meiner Frau. Freude strahlen die Küche. Hier braue ich Bier. Und die Frau hat gemeint, was bringt der jetzt schon wieder mit. War super. Also kurze Rede, langer Sinn. Ich habe mich dann eingelesen. Habe dann mich im Hobbybrauer Forum, das ist ja das Forum quasi, wo sich um Bier dreht. Und das war so mein Einstieg. Und dann bin ich dann immer losgekommen. Und dann habe ich mich damit auseinandergesetzt. Und ich wollte ein untergäriges Lager brauen. Ohne zu wissen, was Gärführung ist. Ohne zu wissen, wie die Temperatursteuerung funktioniert und so weiter. Und habe mich dann zusammen durchgelesen. Habe Rezept quasi aus der allüblichen bekannten Rezeptdatenbank. Maische Malz und Mehr genommen. Habe dann geguckt, was hört sich Drinkability mäßig super an. Kein großer Gedanke. Habe ich die in Malz bestellt. Habe die in Hopfen bestellt. Habe die in Tee bestellt. Und habe angefangen zu brauen. Natürlich war das damals auch so, dass ich gesagt habe, okay, wenn ich schon so ein 100-Liter-Bottich habe, dann muss ich das auch 100 Liter machen. Hatte allerdings nur diese 60-Liter-Gärfässer von Speidel in Kunststoffform. Aus der Schnapsidee. Da habe ich gedacht, das ist nicht schlimm, das kriegen wir schon hin. Da habe ich es reduziert und habe dann quasi auf so 60-Liter-Ausschlag gezielt. Und habe dann zu meiner Frau gesagt, hey, pass auf. Ich braue morgen. Dauert so vier Stunden. Dann ist alles rum. Dann können wir irgendwas machen. War am Wochenende. Hat dann schon funktioniert. Waren 14 Stunden in Summe. Also es hat überhaupt nicht geklappt, so wie ich es mir vorgestellt habe. Letztendlich habe ich es aber doch irgendwie hinbekommen, dass ich dann irgendwann eine Würze im Fass hatte. Habe es dann in die Scheune gestellt. Das ist der Raum dahinten, wo jetzt die Brauerei ist. War damals noch komplett offen beim November. Beste Bedingungen für ein untergäriges Bier. Es war kalt. Und habe es einfach mal sich selbst überlassen. So nach zwei Wochen. Hat es richtig gut geschmeckt schon. War kein für damalige Verhältnisse kein Bierfehler drin. Für mich. Hat man trinken können. Und da bin ich dann hingekriegt. Und letztendlich, es war süffig. Es war okay. Und das ist quasi der Vorläufer von meinem Standardbier, das wir hier in der Flasche haben. Und ich sitze in der Schüssel. Das ist das eigentliche Ursprungsrezept, was ich dann halt auf diese Anlage dann irgendwann portiert habe. Und das ist auch mein Eröffnungsbier gewesen. Und dann hat es angefangen. Da habe ich die Größe ein bisschen reduziert. Tatsächlich. Ich bin dann so auf so zwanzig. Genau. Zwanzig Liter Einkochtopf. So standardmäßig. So gesprungen. Und dann habe ich meine Biere gebraut. Und dann habe ich alles Mögliche probiert. Und es wurde dann auch immer besser. Habe dann auch mich bei verschiedenen Brauereien immer gemeldet. Und habe sie genervt. Ob ich mal mitbrauen kann. Ob ich mal gucke zum richtigen Braumeister der Schule. Weil ich bin kein gelernter Braumeister. Weil wir über die Schulter gucken. Klar. Und habe da immer so ein bisschen mit den Augen mit gelernt. Und habe da einige Sachen mitgenommen. Und letztendlich war es dann der Tag X, wo dann der siebenhunderttausendste Freund wieder fünf Liter für eine Party brauchte. Und da habe ich zu meiner Frau gesagt, es geht so nicht mehr weiter. Ja. und wir müssen es irgendwie in einem Erwerb machen, und für mich war immer klar, es geht nur im Nebenerwerb, ich habe sowas nie vor, als Haupterwerb zu machen, weil ich gesehen habe, in den ganzen Brauereien, wo ich unterwegs war, was das für eine Knochenarbeit ist, und wenn du dann halt mal wirklich nichts verkaufst, also dieses, diese Romantik ist relativ schnell in so einer Großbrauerei zerronnen, und außerdem wäre die Kreativität auch dahin, weil du musst dann Bier verkaufen, und du kannst irgendwie Bier bauen, und ich bin halt, lebe dafür, verschiedene Sorten zu bauen, und so habe ich dann angefangen, dann hier einen Businessplan zu schmieden, meine Frau wurde immer, konnte sich immer mehr mit dem Gedanken anfreunden, und dann irgendwann war man bei der Bank, haben einen Kredit beantragt, und haben dann angefangen, dahinter zu bauen. Heute sind wir nach vier Jahren, fast fünf Jahren, dort, wo wir jetzt sind, ja, 2019, am 1.12. 2019 habe ich den Gewerbeschein bekommen, und 2020 dann das erste Bier rausgebracht, und die Eröffnung feiert, und dann war das, war mitten in Corona, also Corona kam dann auf, und ursprünglich war es ja gedacht, die Brauerei so zu bauen, und so zu konstruieren, dass wir auch Fassausschank, dass wir hier Feste haben, und deswegen auch der Spruch, „Fahr ned fort trink im Ort“, ich wollte hier lokal ganz, ganz, ganz klarer Bezug auf die Lokalität hier auch beziehen, und das ging dann in Corona halt unter. Wir hatten keinerlei Festivitäten mehr, wir konnten nichts mehr ausschenken, Restaurants waren eh zu, die wollten das eh nicht, die haben eh ihre Themenverträge, das ist alles so schwierige Geschichte, und dann habe ich mich mit dem Thema Flaschenabfüllung beschäftigt. Und so kommt man dann quasi vom Hundertsten ins Tausendste, nächster Invest war dann eine Flaschenabfüllanlage, eine kleine, dann waren die Ideen, okay, wie gehst du dann logistisch da dran, ja, das ist ja immer alles, so einfach, ja, machst du ja nur 33, machst du nur 5, machst du nur 75, machst du Bügel, machst du Grundbocken, es ist alles so, du musst dich für irgendwas entscheiden, und das musst du dann auch durchschnittlich durchziehen, ansonsten ist es wirtschaftlich uninteressant. Und, ja, da habe ich von dem Handabfüller bin ich dann jetzt zu der kleinen Anlage da gekommen, zu dem Halbautomat, der auch super funktioniert, und macht jetzt meine 33 und 0,5er Flaschen. Aber nichtsdestotrotz ist in den letzten 2-3 Jahren, das ist schön, auch immer mehr die Festivität wieder dazugekommen, der Ausschank dafür, wo ich lebe, ja, das ist quasi das Schönste ist für mich, ich habe ein tolles Fest, ich habe eine Theke, ich kann Leuten Bier ausschenken, und es ist, was weiß ich, es ist wundreich, gerade die freuen sich einfach, dass sie gesellig ein schönes Bier trinken können, und kann aber auch überraschen, mit dem einen oder anderen verrückten Wissen.
Paul Kann ich da mal einhaken, weil es sieht so lecker aus, wollen wir uns das vielleicht aufmachen?
Flo Das ist ein guter Punkt, und wie ihr alle die letzten Minuten gemerkt habt, Martin ist unser Slogan vom Brautag-Podcast, sehr gut aufgehoben, Leidenschaft, Wissen, Bier, ist da durchaus vorhanden. Absolut, das merkt man sofort, ja. Und jetzt freuen wir uns auf dieses Bierchen. Dankeschön.
Martin Das ist der Allrounder, der Klassiker,
Paul Den kenne ich auch schon, den kenne er, den kenne ich auch schon. Der hat es auch schon bis zu mir geschafft. Ja, der geht halt, ne?
Martin Der läuft.
Flo Herz erfrischend.
Martin Der ist immer unkompliziert. Und das ist auch genau das, was ich zu einer Erfahrung habe, wenn die Kunden kommen und Bier wollen, und dann fragst du ja, was willst du denn für Bier? Ja, ein helles. Ein helles oder ein Pils? Und dann fängst du an, ja, ich habe aber noch ein paar mehr. Und dann gehst du so in die Erklärung rein, und dann versuchst du auch ein bisschen mitzunehmen. Und erstaunlicherweise, jeder, der da kommt und dann mal ein bisschen probiert, und die Story dahinter auch verstanden hat, der kommt wieder und ist total, interessiert, was gibt es für Neues.
Paul Genau, und dann kann man sich ja auch mal ein bisschen durchtesten. Aber natürlich zwischendurch, und das kennen wir ja alle, brauchst du halt auch mal so einen Durstlöscher. Das ist ja wirklich perfekt.
Flo Wunderbar. Der Paul und ich sind ja bekannt dafür, dass wir ja über das Hobbybrauerübliche, was Brauanlagen angeht, hinaus uns reinsteigern. Ich baue Hopfen an, bin auch da am Sauerbier-Metier unterwegs. Der Paul tut sich auch gerne bei den Abfüllanlagen austoben. Bei deinen ganzen Sachen, die hier rumstehen, gibt es da sowas, wo du sagst, ja, das ist mein Baby, da verbringe ich viel Zeit mit, das würde ich gerne noch weiter treiben, wie es heute ist?
Martin Tatsächlich ist es immer, es ist vieles. Also ich bin so ein Mensch, mich begeistert irgendwie alles, was Handwerk ist, was Technik ist, was sowas auch hintersteckt. Von Haus aus bin ich Diplom Ing Elektrotechnik. Das macht mir so Spaß. Das ist schon mal gut, ja. So zu machen, auch Verfahrenstechnik geht besser nahe und der Brauberuf an sich ist ja, bietet ja alles. Der bietet ja quasi, du kannst dir einfach, wie du gerade Lust hast, das raussuchen, was dir gerade passt, ob das Biotechnologie ist, ob das wirklich Verfahrenstechnik ist, ob das Elektrotechnik, Automation ist, wie auch immer. Du kannst einfach dich dann in diese Richtung reinversetzen. Also grundsätzlich ist es so, ich bin dauerhaft am Optimieren von meiner Anlage, das werdet ihr kennen.
Flo Ja, natürlich, ja. Das gehört auch dazu.
Martin Ich gehe immer noch zu den Hobbybrauern, auch wenn ich gewertet bin, aber letztendlich bin ich quasi im exzessiven Hobby, das sage ich immer. Nee, es ist mal Anlagentechnik, ich habe jetzt die Anlagen, werde ich ein bisschen ummodifizieren, nicht, dass ich jetzt noch mehr Ausschlag habe, aber dass ich halt einfach effektiv arbeite. Für mich ist der Zeitfaktor immer so eine Geschichte, weil ich habe eine Familie, zwei kleine Kinder und so weiter, die müssen auch irgendwie bedient werden. Außerdem arbeite ich ja noch zu 100% in meinem Job.
Paul Das finde ich immer noch crazy, ja.
Martin Und letztendlich ist es halt alles so ein Ding, Zeit ist das, was fehlt immer. Ich kann ja jetzt, da wo wir jetzt hier stehen, das seht ihr auch, das ist so dieser Anbau, den ich jetzt nach zweieinhalb Jahren Genehmigungsterror quasi genehmigt bekommen habe. Das soll so eine Art Bierkulturraum gebracht werden. Und den baue ich natürlich auch noch selbst aus und das kommt halt alles so. Also irgendwie denke ich immer so, naja gut, nächstes Jahr wird es ein bisschen ruhiger.
Paul Nee. Wird es einfach nicht. Wird es nicht und es gibt halt immer was zu tun. Und wenn man sich dann auch so ein paar Projekte immer aufheizt, also es ist ja immer kein, finde ich, es ist ja immer kein Stress in dem Sinne, den man sich da, natürlich ist es anstrengend und es ist viel, aber es macht ja auch immer Spaß.
Martin Also mit meinen Freunden so im Kreis, auch Familie und so weiter, die machen sich schon Sorgen teilweise. Das ist schon so, ja. Was machst du denn noch alles? Was willst du noch machen? Aber letztendlich sage ich, das ist mein Ausgleich. Das ist total, da komme ich runter. Und das kann mir keiner glauben. Wenn ich da drin sitze, total verschwitzt, weil ich jetzt gerade irgendwie was oder nicht wieder sauber mache. Aber das ist echt entspannend. Ich bin heute Abend, lege mich auf die Coucg, das ist ein geiler Tag. Und morgen früh stehe ich mit der Kaffeepasse und nehme einen Gärtank und es fängt an zu blubbern.
Flo Aber ich glaube, die Begeisterung, die kann jeder Hobbybrauer, jeder Brauer teilen. Wenn dann die Gärung ankommt und es fängt an zu blubbern, ist immer wieder gut. Eine der schönen Sachen.
Verkostung – Paul Wit
Paul Ja, kurze Bierpause. Wir fangen mal an mit einem Witbier. Ich hatte im Podcast darüber erzählt. Damit habe ich den Wettbewerb der Brausportgruppe gewonnen. Da war ein Wit gefordert und ich habe das gebraut. Klassische Schüttung, könnt ihr auch drauf nachschauen. Mit Koriandersamen und mit Orangenabrieb, so wie man es kennt. Habe noch Zitronenmelisse dazugegeben und das Ganze mit der Jovaru, einer litauischen Farmhousshefe vergohren und nicht mit einer belgischen Withefe. Ich bin gespannt, was ihr sagt.
Flo Klingt schon mal ultraspannend. wie ich es im Podcast schon gesagt habe. Und endlich ist die Wartezeit vorbei.
Martin Irgendeinen speziellen Koriander genommen?
Paul Indischen. Der ist einfach aromatischer, zitrischer, das ist schon immer geil, wenn man die Tüte aufmacht, das ein bisschen mörsert. Das ist schon immer schön.
Flo Wenn man das schon mal sieht, sieht richtig nice aus. Eine ganz leichte Trübung, schöner, feinporiger, stabiler Schaum.
Paul Zum Wohl.
Flo Zum Wohl, ganz wichtig.
Martin Wow, yeah, frisch. Wirklich genial. Zitrone. Zitronenminisse. Hast du die dann grün rein?
Paul Die Zitronenminisse, genau. Ich habe die Blätter, also so viel, wie halt an diesem Teil dran war, es waren glaube ich dann 9 Gramm auf 30 Liter ungefähr. Dezent.
Flo Und ich kann es nochmal sagen, im Podcast hattest du es schon erwähnt, die litauischen Hefen, die kann man ja durchaus hochvergären, temperaturtechnisch. Ich habe es genau andersrum gemacht, also einfach aus der Erfahrung, die ich bis jetzt mit der Hefe gesammelt habe, kann die natürlich extrem warm, 30, 35 Grad, ich glaube sogar noch mehr. Ich habe sie damals, als ich rausgekriegt habe, dass die solche Aromen erzeugen kann, relativ kalt bei 20 Grad vergoren, hatte zu dem Zeitpunkt im Keller, hatte ich nur 18 Grad und habe sie halt bei 18 Grad gequält, mag auch dazu beigetragen haben, dass sie natürlich ein bisschen Stress hatte, versucht hat voranzukommen und dass dann sich diese Ester ausbilden, so würde ich es mir jetzt mal herleiten. Die braucht sicherlich für so ein Bierchen vier, fünf Tage in normalen Umständen, wenn du es richtig warm machst. So hat es halt fast zwei Wochen gedauert, bis sie durch war.
Flo Wenn von den Zuhörern vielleicht nicht jeder so familiär ist mit Quai-Farmhousehefen und sich wundert, warum wir von einer kalten Gärung sprechen, bei Zimmertemperatur, die kann man durchaus bei über 30 Grad vergähren, das ist das Besondere und deswegen in dem Fall für die Hefe sind 20 Grad, 18 Grad tatsächlich kalt.
Paul Sehr kalt, ja.
Flo Oder sehr kalt, die friert ja quasi und macht trotzdem Höchstleistung. Sehr schönes Bier, super rund, richtig cool.
Paul Freut mich. Dann wieder frisch ans Werk, oder?
Interview Teil II
Flo Genau. Neben dem ganzen Brau-Thema, nimmst du ja auch die Biersommelier, um da jetzt mal ein bisschen die Brauerei und Hobbybrauerei erstmal kurz beiseite zu lassen. Warum hast du gedacht, das fehlt noch als Puzzlestück, da habe ich noch ein bisschen Zeit, das mache ich jetzt auch noch.
Martin Bei mir entwickelt sich immer das alles so, während ich was mache, entwickelt sich das immer so zum Exzess. Das ist einfach so. Ich habe einfach was gesucht, wo ich mich weiterbilden kann. Das sind so kleine Dinge, wo du dich da auch fortbilden kannst. Also ob es IHK Craftbrauer ist, oder ob du dann die Biersommelier machst, oder ob du dann einen Judge machst, oder irgendwas in der Richtung. Das ist echt vielfältig, das ist das Thema. Eine Ausbildung wollte ich jetzt nicht gleich machen für den Brauer und Mälzer, weil das habe ich gedacht, das brauche ich mal, ich habe schon eine Ausbildung gemacht. Letztendlich war es dann so, ich hatte damals Kiesbeye, der Einzige, der den Diplom Biersommelier anbietet, den normalen Sommelier als online quasi drin. Und da habe ich gesagt, hey, der kostet nicht so viel, weil das ist schon Geld, wo du da halt auch investierst. Und ich habe die Zeit, sitze zuhause und mache das Thema online. Habe das dann angefangen und habe das wirklich, der ist ja konzipiert für so 2-3 Monate, habe das Themengebiet in mich aufgesogen, die Skripte waren innerhalb von 2-3 Tagen, habe ich die dann durchgehabt und habe mich dann angemeldet zur Prüfung und habe gedacht so, das ist jetzt alles aber cool. Also war schon wirklich da, du hast ja alles in so einem Biersommelier. Du hast ja die Geschichte, du hast die Brautechnologie, du hast das Food Pairing, dieses was in der Nase, wie schmeckst du, dann auch Optik und Bierfehler vor allem, was für mich super interessant war, aber auch Zapftechnologie, also wie funktioniert die Schank, wie ist es mit dem Sättigungsdruck und so weiter und so fort. Auch Reinigung ist da mit drin gewesen, auch nicht schlecht, kann man nur empfehlen für jeden Hobbybrauer und auch für einen Profibrauer, sauber ist schon gut. Aber was ich sagen will, hat mich total begeistert, hat mich hängen geblieben. Und da hatte ich damals beim Axel direkt die Abschlussprüfung und der hat mich dann so angesteckt, dass ich dann ein Diplom gemacht habe. Das war immer noch Corona und der Diplom, muss man sich vorstellen, das ist eine Woche direkt vor Ort in Österreich, bei Obertrum, bei der Trumer Brauerei und das war einfach kein Himmel. Das war einfach so der Himmel, du bist da hingekommen. Das ist einfach der Himmel, du bist da hingekommen. Das war einfach so, du bist da hingekommen sonntags und dann waren da verschiedene andere Leute, die man eigentlich bloß vom Online-Stamm nicht kennt, die wir noch nie live gesehen haben, die haben dich begrüßt, wie wenn du schon 25 Jahre hier mit Freunden bist. Und es war einfach eine tolle, geniale Woche und ich habe mich niemals bereut, das zu tun. Und ich empfehle jedem, der Lust hat, wirklich so in diese Richtung zu gehen oder auch als Hobbybrauer, dieses Bier-Thema, das ist Wahnsinn. Du kannst da echt aus dem Vollen schöpfen. Und deswegen habe ich die Diplom-Bier-Sommelier dann auch gemacht.
Flo Cool, cool. Und wie muss man sich das heute vorstellen? Nutzt du das im Alltag, was du da gelernt hast? Bietest du auch Tastings mit deinen Bieren an und so weiter und so fort?
Martin Genau das. Mein Motto ist ja wirklich das Thema Bier. Nicht nur, ich braue jetzt mal ein Bier, verkaufe es und werde reich. T
Flo Traum zerplatzt für viele
Martin Showstopper. Hört auf, drüber zu träumen. Trinkt lieber euer Bier, macht mehr Spaß. Also letztendlich ist es so, ich versuche das komplette Paket zu machen. Also ich habe Braukurse, wo ich dann hier vor Ort mache, wo ich dann quasi mit Gruppen zusammen wirklich ihr eigenes Bier braue. Ich habe Bier-Tastings, mache ich immer natürlich Bier-Fremd. Also ich habe immer ein Bier, zwei, drei von mir. Aber ich habe jetzt nicht den Need, jetzt da nur mein Bier zu tasten, das ist natürlich vielfältig. Ich habe immer ein Thema, ich mache meistens so Länderfahrten, Deutschland-Tour, weltliche Tour oder Schweden haben wir letztens gehabt. Da machen wir auch immer so Specials, da gibt es mehr Specials und so Sachen, wo wir dann in die tiefe Richtung gehen. Und das will ich jetzt mit diesem Raum hier dann auch noch ein Stück weit erweitern. Ich will dann auch noch so ein bisschen Food-Pairing-Schichten machen. Also ich habe immer noch das Thema Pizza und Bier. Ich finde das total geil. Also halten, was man will davon, aber das ist auch so vielfältig, kann man auch sehr, sehr viel machen. Nee, also das ist so ein Ding, was ich dann auch da rausgezogen habe. Und es macht natürlich auch Spaß, wenn man dann sieht, die Leute, wenn sie dann ihr Bier probieren und kannst denen eine Story dazu erzählen und kannst denen auch sagen, was sie da gerade theoretisch schmecken und die sagen, ja, mache ich oder nee, schmecke ich nicht. Aber dann kommst du in eine Diskussion.
Paul Die bringt dich auch manchmal auf Ideen, und du denkst so, ja stimmt. Und das ist ja das Coole, es gibt ja nicht diesen einen Geschmack. Absolut nicht.
Martin Und das macht halt super Spaß.
Flo Ja, mega. Ich glaube, da sind wir uns einig, wenn man sich das so anhört, was du da alles aufgezogen hast, was du alles machst, noch mit dem Sommelier, mit Tastings. Wie groß ist die Mannschaft hinter dir?
Martin Ich rede immer eins eins plus eins. Meine Frau wäre ich nicht. Glücklicherweise ist meine Frau da sehr stark im Büro aktiv. Die macht die Buchhaltung und das ganze Zeug, was ich keinen Bock drauf habe. Das macht sie gerne tatsächlich. Ich weiß nicht warum, aber sie macht es echt gerne.
Paul Da darf man ja noch nicht weiter nachmachen.
Martin Nee, es ist alles super. Aber sie etikettiert auch Flaschen gerne. Was auch nicht schlecht ist. Und tatsächlich, sie macht jetzt gerade ihren Biersommelier. Weil sie gesagt hat, sie ist ja immer in den Tastings dabei, dass sie da auch mitreden kann. Und ihr macht das Thema Bier nicht ganz so viel Spaß, aber trotzdem schon viel Spaß. So wie bei mir. Letztendlich ist sie der Halt, der mir den Freiraum bietet, den ich hier brauche, um das Ganze hier auch zu erfahren. Wir starten dieses Jahr auch den Versuch mal ein kleines Bierfestival zu etablieren. Nicht hier, tatsächlich in Speyer. Da bin ich mit den Jungs von Black Stork, das ist auch eine kleine Braumanufaktur, zusammen. Und da wollen wir ein Industriehof Ende April dann halt auch ein schönes kleines Bierfestival da organisieren. Haben jetzt schon 18 Brauereien.
Flo Große Nummer.
Martin Wie gesagt, ich sage ja, es wächst immer alles. Alles, was es irgendwie anfangen ist, in so einem Exzess, keine Ahnung. Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber letztendlich ist es spannend immer noch. Diese ganze organisatorische Geschichte um so ein Bierfestival auszunehmen, ist gar nicht so easy. Macht trotzdem viel Spaß. Wir lernen viel neue Leute kennen. Wir bieten auch der Region wieder einen Mehrwert. Das ist mir ultra wichtig bei dem Ganzen, was wir machen.
Flo Besser kann man das nicht sagen. Darauf Prost.
Paul Man merkt, das muss man gar nicht dazu sagen, dass du das Thema Bier lebst und liebst. Ich könnte dir ewig zuhören.
Flo Das ist wunderschön. Wirklich, es macht Spaß. Was noch spannend wäre, auch für unsere Zuhörer. Dieses Bierfest, wie heißt das?
Martin Das ist letztendlich das Bierlustfestival [4].
Flo Packen wir euch in die Shownotes. Auf jeden Fall. 18 Brauereien.
Martin Geht über zwei Tage. Ist relativ günstig.
Paul Wann
Martin 26, 27 April. Hier in Speyer im Industriehof.
Flo Sehr coole Nummer, auf jeden Fall. Ein weiterer Punkt, da sind wir noch gar nicht drauf eingegangen. Wir haben jetzt in den Videos schon Teile vom Brauprozess gesehen und damit auch deine Brauanlage. Wie das alles hier so aussieht, welche Größe das ist. Du hast schon viel berichtet. Aber welche Biere, welche Bandbreite, was brauchst du so?
Martin Ich habe letztens tatsächlich mal nachgezählt. Ich habe jetzt in den viereinhalb Jahren 30 verschiedene Sorten Bier gebraucht. Und mein Konzept ist einfach das, ich habe Lust auf Neues. Da komme ich aus dem Hobbybrauer-Tuhm. Ich will einfach Bierstile, die ich lese, mit denen ich mich auseinandersetze, neu interpretieren. Vielleicht auch alt interpretieren, aber zumindest mal nachbrauen. Und letztendlich ist es so, dass ich genau so mein Konzept aufgebaut habe. Jetzt habe ich natürlich schon vier Jahre hinter mir mit Verkauf und allem drum und dran und sehe ja, was geht und was nicht so gut. Und dementsprechend habe ich natürlich auch das eine oder andere, was ich mal wieder gebraucht habe. Das Bier muss immer die gleiche Qualität haben, das muss immer gleichschmecken und auf den Punkt sein. Ja, für ein Haus- und Hofbier gebe ich da vollkommen recht. Aber es ist auch super interessant, einfach mal ganz neue Stile zu kreieren und die einfach mal komplett anzubieten. Also ich habe IPAs gebraucht, ich habe Pale Ales gebraucht, ich habe Stouts, ich habe Porter gebraucht, ich habe ein Rotbier gebraucht, ich habe auch…
Paul In Saison?
Martin Das Witt habe ich im CoLab gebraucht. Also auch das ist wichtig, auch das ist ein super geiler Bestandteil. Das, was wir heute machen, ist ja nichts anderes wie ein CoLab. So soll es auch sein und das ist genau das, wofür ich auch brenne, weil diese ganze Community einfach so herzlich ist und einfach so, da gibt es nicht so Orts, aber mein Rezept und da darf man nicht reingucken. Das gibt es einfach überhaupt nicht. Bier ist halt so ein Gesellschaftsding. Flo, wir hatten es ja auch schon mal, eben letztes Jahr, wo wir das Sour gebraucht haben, da habe ich mich mit dem Sour-Bier-Stil auseinandergesetzt, habe das noch nie vorher gemacht und habe gedacht, jetzt muss da irgendjemand suchen, der das richtig gut kann. Dann habe ich den Flo angehauen und habe gemeint, ist ja nicht so weit weg, machen wir mal was. Und das ist auch super geworden und war genial.
Verkostung – Holystoner Knecht Ruprecht 2022 und 2023 Jahrgang
Paul Ja, Bierpause und jetzt haben wir was ganz Besonderes von Martin hier und zwar den Weihnachts-Doppelbock und auch nicht einfach nur zwei Flaschen davon, sondern wir haben einmal den Jahrgang 22 und einmal den aktuellen Jahrgang, den 23er-Jahrgang, den wir jetzt quer verkosten können und ich würde sagen, Flo, walte deines Amtes, mach das Ding auf. Martin, vielleicht von dir parallel gleich ein paar Worte. Was macht den Weihnachtsbock zum Weihnachts-Doppelbock?
Martin Zum Weihnachts-Doppelbock? Also grundsätzlich ist unser, also mein Doppelbock, den ich an Weihnachten jetzt in der dritten Saison brau, mit leicht abgeändertem Rezept, also ich taste mich immer wieder vor an das Bierrezept, wenn ich ein Bier gebraut habe, verändere ich noch ein paar Nuancen, bis ich dann halt dort bin, wo ich hin will. Wir haben jetzt einen von 2022 drin, da ist auch ein bisschen Rauchmalz mit drin, also ich wollte bewusst auch so eine gewisse Eichenrauch-Röstigkeit mit drin haben, hab natürlich Schokomalz mit drin und auch so das Cara Aroma, also hauptsächlich Malz, Malz, genau. Hopfen ist da eher in der Hinterrolle. Nichtsdestotrotz wollte ich einen niedervergorenen, also quasi nicht so viele Restsüße drin haben, weil ich sage, okay, das ist der Knecht Ruprecht, nicht der Nikolaus. Ich hoffe, das ist mir gelungen, beziehungsweise ich weiß, dass es mir ein Stück weit gelungen ist. Ich bin mal gespannt, was ihr dazu sagt, also das ist ganz spannend, die mal wirklich in einer Verkostung zu haben, weil wie man hier schon sieht, also von der Farbe her ist echt wenig Unterschied. Und das, obwohl ich wirklich schon ein bisschen mehr an der Schüttung geändert habe.
Flo wir haben… Genau, links ist 2022, rechts ist 2023.
Paul Okay, also ich würde sagen, von hier aus sieht der 23er einen Ticken dunkler aus, also hier so im…
Flo Ja, eine Nuance, ja.
Paul Aber wirklich nur ganz, ganz dezent. Aber schön, wenn man das so nebeneinander stellt, dann sieht man es eben auch. Fangen wir mit dem Älteren an oder mit dem Jüngeren? Was sagt ihr?
Flo Ja, ich würde mit dem Jüngeren anfangen, also mit rechts. Okay, okay.
Paul Ja, so muss das, also so wie du es erzählt hast, so muss das riechen, also hast diese karamellig, leicht röstigen Noten, so ein bisschen Honig.
Flo Ja, Honig süßlich.
Paul Vielleicht auch so ein bisschen dunkle Beeren oder sowas?
Flo Ja, dunkle, rote Früchte.
Martin Krass, ne? Geil, ja.
Paul Das Röstmalz ist ja perfekt, also ganz dezent.
Martin Ja. Was ich hier noch drin habe, ist Melanoidin-Malz.
Flo Da bist du an der richtigen Adresse.
Martin Deswegen auch diese Noten, also das ist unverkennbar und meine absolute Lieblingshefe für dunkle Biere und Bockbiere ist die Zymoferm Z008, die ich ja auch in einer frischen Führung gehabt habe, also quasi direkt aus dem Handel in frischer Form da rein als Flüssighefe und die macht ein unheimlich sanftes und gutes Bild bei diesen Bockbieren und bei den dunklen Bieren. Absoluter Favorite für mich.
Flo Ja, ist auch wirklich du hast so eine Cremigkeit, so eine Smoothness, es ist wirklich auf der Zunge butterweich, das Bier. Gefällt mir persönlich sehr gut und für einen Bock, das finde ich auch immer ganz wichtig, hast du eine hohe Drinkability. Absolut, also das macht mir dann richtig Spaß beim Trinken. 7,7, okay, alles klar. Gefällig. Gut versteckt, gut drin.
Paul Ich schnappe mir jetzt mal den älteren. Man riecht es gleich, also den Unterschied finde ich. Ja. Der eine ein bisschen vollmundiger, süßer, der andere ein bisschen rotiger, nussiger und ein Ticken. Also er schmeckt nicht, also der neue quasi ist ein bisschen vollmundiger, finde ich. Kannst du sagen, dass der sich verändert hat?
Martin Ja, er hat sich ein Stück weit verändert, aber nicht wirklich wesentlich. Man hat die Rauchigkeit, die ist ein bisschen zurückgegangen tatsächlich, aber auch rauchiger. Ich muss sagen, also Favorite ist die neuere Variante, weil die einfach so smooth und rund ist, aber ich muss mal sagen, bei beiden merke ich nicht wirklich den Alkoholgehalt.
Flo Schöne Kiste, wunderbar. Da hoffen wir mal, dass es noch einige Jahre so weitergeht mit deinen Winterböcken. J
Martin a, auf jeden Fall, also der bleibt im Programm und da werde ich jetzt auch vom Rezept her wirklich tatsächlich dieses Jahr nichts dran ändern. Der ist für mich eigentlich perfekt.
Interview Teil III
Paul Ja, also du hast als Hobbybrauer angefangen, du bist immer noch Hobbybrauer, aber lebst es exzessiv aus, so wie du das sagst. Du hast eine eigene Brauerei, du brauchst aber auch weiterhin als Gypsy, als Kukuksbrauer. Erzähl mal, wie läuft das und warum hast du dich dafür entschieden, das so zu machen?
Martin Also grundsätzlich ist es so, ich habe ja eine 2,5 Hekto-Anlage, die ist jetzt nicht so ergiebig, dass ich sagen könnte, ich könnte da jetzt mal ein Dorffest mit bespaßen, weil man muss sich vorstellen, dann zu einem Festwochenende gehen dann schon 600 bis 800 Liter Bier und das wäre dann dreimal brauen. Einfach diese Größenordnung habe ich hier nicht. Und wir fahren das Wetter dann an, ein Wochenende weg. Und letztendlich ist es so, irgendwo brauchst du dann Kapazitäten. Und dann bin ich auf die Suche gegangen und habe geguckt, wo gibt es hier Handwerksbrauereien, wo kann ich mich irgendwie vielleicht auch einmieten, vielleicht kriegt man da irgendwas hin, dass ich da zumindest mal so Spitzen abdecken kann. Und habe dann bei Bärenbräu und Matthias einen super Menschen gefunden, der quasi Brauer ist, nicht nur aus Leidenschaft, sondern auch berufsfähig. Er ist Diplom-Braumeister und hat auch schon als Mälzer gearbeitet, war in Franken unterwegs, hat dann eine tolle kleine Hausbrauerei aufgebaut, hatte 20 Hekto-Anlage. Also wenn man sich das überlegt, das ist fast das Zehnfache, was ich hier habe. Und mit dem bin ich dann ins Gespräch gekommen. Und er hatte damals, auch zu Corona-Zeiten, natürlich Kapazitäten frei. Und letztendlich haben wir dann gesagt, okay, wir probieren es mal. Und dann war ich bei ihm gewesen, dann haben wir dann den ersten Sud mal reingezimmert und letztendlich war die Qualität dem, was ich so erwartet habe. Und wir sind uns dann einig geworden, dass wir das öfters machen und letztendlich habe ich mich dann quasi bei ihm so mehr oder minder eingemietet. Braue dann quasi den 17er-Schüssel, aber das ist das einzige Bier, also quasi, wo ich dafür wirklich in der Masse braue, weil ich das halt dann wirklich an Festivals oder an den Festen dann auch wirklich in der Masse ausschenke. Also es ist quasi auch das Brot- und Butterbier, was ich habe, was aber auch jede Brauerei irgendwie ein Stück weit braucht.
Paul Absolut, das ist ja auch ein super Bierchen. Und Etikettendesign, gibt es da jemanden, der das für dich macht? Oder bist du da auch weiterhin eine One- bzw. 1-plus-1-Show?
Martin So ist es, ja. Also wir sind eine 1-plus-1-Show. Also Etiketten, die mache ich selbst. Die sind letztendlich aus dem Logo entstanden. Das Logo, das habe ich tatsächlich machen lassen. Ich hatte meine Vorstellung, bloß so ganz der Grafiker bin ich dann doch nicht, dass ich das hinkriege. Und letztendlich habe ich da so einen kleinen Wettbewerb gestartet, auch ganz cool. Da kann man sich relativ schnell dann ein tolles Logo basteln lassen. Und dann habe ich mir ein Grunddesign überlegt, was will ich draufhaben, was will ich an Informationen haben, wie soll denn das Bild auch darstellen oder aussehen. Und letztendlich ist es quasi immer das gleiche Look and Feel, was ich habe. Und ich verändere dann den Hintergrund meistens immer. Dann versuche ich mal anzupassen auf den jeweiligen Bierstil. Also wenn ich jetzt ein IPA habe, dann ist es poppig. Dann knallt es so raus. Wenn ich jetzt auch für unser New Zealand Pilsner habe ich ja schon einen ersten Entwurf gemacht. Da ist es ein bisschen mehr so schöne Landschaft, wie man sich das in New Zealand so ein bisschen vorstellt. Genau, so ein bisschen Urlaub. Aber letztendlich machen wir das alles selbst.
Flo Wo für die Zuhörer, wo bekommt man deine Strategie und welche Strategie verfolgst du? Also verkaufst du die hier nur vor Ort in deiner Brauerei? Hast du einen Online-Shop? Bist du in Supermärkten vertreten? Wie muss man sich das bei so einer kleineren Brauerei wie bei dir vorstellen?
Martin Ja, auch ein paar Learnings gehabt. Also ursprünglich habe ich gedacht, ja mein Gott, cool, kannst ja Edekas gehen, kannst hier lokal irgendwie vertreiben. Und das habe ich dann am Anfang auch versucht. Dann habe ich festgestellt, okay, die lagern dein Bier ja gar nicht mit dem Kühl. Es geht ja irgendwie immer warm und jedes Bier ist halt auch immer so der Hit. Da habe ich dann mit denen so ein bisschen diskutiert und die hatten da keine Einsicht und letztendlich ist es auch so, dass du da nicht wirklich viel dran verdienst. Und dann habe ich das wieder gelassen, bin dann aus den Supermärkten raus, war dann noch in einzelnen Getränkehändlern unterwegs. Die haben das wenigstens mit der Kühlung so hinbekommen. Letztendlich war aber auch da mehr Aufwand hinten dran, als letztendlich da der Dienst da war. Letztendlich habe ich gesagt, nee, das passt mir alles nicht. Ich habe eh nicht so die Masse und ich will auch gar nicht die Masse haben, weil das habe ich die Zeit einfach nicht
für. Und eine große Flaschenabfülle habe ich ja auch nicht. Das will ich einfach nur so nebenher machen. Und wir sind jetzt tatsächlich bei einmal im Monat Rampenverkauf hier aus der Brauerei. Oder halt in meinem Online-Shop kann man sich den gemischten Neuner kaufen. Ja, das ist dann eine Neuner-Box voll mit Bieren, die gerade aktuell abgefüllt sind. Und das ist dann immer wieder ein Überraschungspaket. Und da kann man zumindest mal, auch wenn man nicht hier aus der Umgebung ist, dann zumindest mal probieren von mir.
Flo Gut, dann würde ich sagen, kommen wir langsam zum Abschluss. Wir haben mega spannende Einblicke bekommen. Und ich glaube, die nächste Frage kann ich mir glatt sparen, weil die wäre in die Richtung gegangen, wie bewertest du dein bisheriges Abenteuer? Und du hast aber, glaube ich, allen so eine Freude ausgestrahlt, wie Spaß dir dein exzessives Hobby macht. Ich glaube, das skippen wir und kommen dann zur letzten Frage eigentlich. Gibt es noch Zukunftspläne oder hast du mittlerweile alles im Portfolio, alles in deinem Köfferchen, was dich glücklich macht?
Martin Also ja, Zukunftspläne, Pläne, was heißt Pläne? Also ich will natürlich hier noch das Stück, was wir hier jetzt angebaut haben, angefangen haben, noch fertig stellen. Aber fertig, habe ich gelernt, bin ich eh nie. Es gibt immer noch irgendwas zu bosseln, irgendwas umzubauen oder irgendwas in die Richtung, wo man dann vielleicht doch wieder eine andere Idee hat.
Verkostung – Chaos Homebrewing – Herbalist Farmer
Paul Und dann immer das Geräusch dazu, gell?
Flo Wir haben eine Mixed Fermentation, ohne Milchsäurebakterien in dem Fall, Brett und Saccharomyces co-fermentiert, sind Ami-Hopfen drin, Citra Mosaik, relativ unspektakulär, was das angeht. Und auch ein paar Kräuter, Rosmarin, Thymian Salbei als Hot Stand oder Spice Stand bei 60 Grad. Und Wild-Karottensamen wurden gestopft. Genau, und ich will einfach mal sagen, ich schenke es ein. Dann sehen wir weiter.
Paul Der ist echt verrückt, der Kängel.
Flo So, dann Prost! Bis zum Wohl!
Martin Lass es dir schmecken!
Paul Boah, das könnte ein Stück lang weinen. Ja, ich habe auch gerade… Also… Krass!
Flo Ist von der Aromatik her besonders.
Paul Ja, also, weißt du was? Also, meine… Mein erster Gedanke, als ich reingerochen habe, ist dieses Kräuterige, aber gepaart mit Orange. War mein erster Eindruck. Das ist, was ich so im Kopf hatte. Orangenschale, Orangenschale irgendwie so in die Richtung. Die sind ja spritzig, sehr hoch verbohrt, wie man es erwartet. Aber so vielfältig, ich glaube, ist der auch noch recht kalt.
Martin Krass, das ist wie so so ein Kräuterwürfel, so wie sieben Kräuter in Richtung. Also, das ist Wahnsinn. Der Rosmarin, wie der hervorsteht.
Flo Das Orangige, was du hast, für mich auch so ein bisschen in die Steinfrucht-Aprikosen-Richtung, das ist von der Wildkarotte. Ja, so holzig, erdig, das ist auch davon. Und holzig auch vielleicht eher, wie man es auch bei einer Karotte, wenn man in eine frische Karotte reinbeißt. Cheers, ich habe es schon leer.
Verkostung – Holystoner Palatina Holzhammer
Paul Ja, Leute, wir sind fast am Ende. Ich glaube, ein bisschen sauber gemacht werden muss. Aber wie viele Liter haben wir jetzt? 300? 250? Ja, so 270 haben wir jetzt im Tank. Alles gut gelaufen. Stammwürze passt. Alles drin gelandet, was rein sollte. Und jetzt gibt es noch ein wunderbares Abschlussbier. Was haben wir hier auf dem Tisch stehen lassen?
Martin Das ist tatsächlich meine erste Holzfassreifung, die ich gemacht habe. Ist auch schon ein bisschen älter, ist zwei Jahre alt mittlerweile. Habe ich damals zusammen gemacht mit einem Whiskyladen bei uns in Speyer. Der hat quasi für das Holzfass gesorgt. Von der Scheibeldestillerie ein Whiskyfass. Das Holzfass hat eine Besonderheit, weil es ist nämlich quasi ein Eichenholz, was hier aus dem Pfälzer Wald kommt. Aus Johannes Kreuz. Wurde es geschlagen und deswegen auch der Bezug zu der Pfalz fand ich super. Und habe dann gedacht, okay, irgendwie müssen wir da ein Bier reinkriegen. Dann habe ich gedacht, okay, hochvolumige Biere machen schon Sinn im Holz. Und dann habe ich jetzt ein Tripel gebraut, was nicht ganz so trippelmäßig unterwegs ist, eher so Quadruppel unterwegs. Aber es war halt hell. Deswegen ist es eigentlich ein Imperial Tripel. Habe ich zumindest mal genannt. Wir sind hier knapp bei 11,9 Volumenprozent, glaube ich.
Flo Ja.
Martin War eine Trippelhefe tatsächlich, aber Diastatikushefe, also die quasi übervergoren hat. Hatte ich im Spaß.
Paul Die hatte ich im Spaß.
Martin Was ich so als Nachgärung, weil aus dem Holzfass kommt es ja dann quasi ungespundet, mehr oder minder. Und irgendwie musste ja nochmal, ich habe es dann im Druck tank nochmal nachgegoren. Und die Hefe hatte noch Bock. Und ich habe das Ganze mit Honig gestopft von meiner Streuobstwiese.
Paul Also alles von hier?
Martin Ja, so ein bisschen so, genau.
Paul Cool.
Martin Wasser von hier tatsächlich. Pfalzmalz natürlich auch von hier.
Paul Ja, natürlich.
Martin Nur der Hopfen ist halt da. Egal, die Hefe ist wahrscheinlich auch nicht von hier. Aber es ist okay. Also ich habe es so heimatgetreu wie möglich gemacht. Deswegen auch Palatiner Holzhammer. Der Pfälzer Holzhammer. Wie gesagt, soll ich auch machen?
Flo Ich wollte gerade sagen, genug geredet.
Paul Boah.
Flo Die Vanille-Honig-Node süßlich.
Martin Geil, oder?
Flo Der Geruch ist mega.
Paul Ich kann es gerade echt nicht anders sagen.
Martin Also der Honig ist noch voll. Der Honig.
Paul Ich kriege hier gerade ein bisschen Gänsehaut, ohne Mist. Also wirklich Chapeau.
Flo Butterweich. Du merkst den Alkohol kein Stück.
Paul Das ist echt gefährliches Ding.
Martin Leider habe ich nur noch 20.
Paul Vielen Dank, dass du die mit uns teilst.
Martin Da mach ich jedes Jahr eine auf.
Flo Man muss auch sagen, das ist wirklich auch der perfekte Abschluss für einen gelungenen Tag. Schwierig mit Worten zu transportieren.
Paul Das müssen wir vielleicht noch mal ganz kurz probieren.
Martin Was ich toll finde, ist der Honig, der brutal rauskommt, meines Erachtens.
Paul Aber nicht so diese reine Honigsüße, sondern ich finde, es ist so ein komplexes Honigaroma. So richtig einfach nur die Aromen. Natürlich hast du eine schöne Süße auch noch mit drin, die natürlich auch wahrscheinlich genau, absolut. Wahnsinn, die Farbe.
Martin Letztendlich ist es auch so, dass die Hefe natürlich einen Teil dazu beigetragen hat. Die Hefe ist eine klassische Tripelhefe, die brutal Diastatikus übervergoren hat. Wir haben hier noch eine Restplato von 0,8.
Paul Crazy, weil so eine Vollmundigkeit gleichzeitig da ist.
Martin Und das ist halt der Honig, der dann noch in der Nachgärung mit Sicherheit auch ein Stück weit hingeblieben ist.
Flo Ein Stück weit auch die Interaktion mit dem Holz, die auch noch mal für Volumen sorgt. Obwohl, dass es hochvergoren ist.
Martin Ich finde es aber nicht so Whisky-lastig, so wie man es sich vorstellt. Stimmt, dazu haben wir noch gar nichts gesagt.
Paul Ganz, ganz dezent. Bindet sich perfekt da so.
Flo Ja, eher diese Vanillegeschichte. Bisschen karamellig, holzig.
Martin Also musst du dazu sagen, das Holz ist aus einem 225 Liter Holzfass, also ein großes. Ich habe den kompletten Sud drin versteckt. Allerdings hatte ich ihn auch nur zwei Monate drin. Dann habe ich ihn wieder raus.
Paul Ja, du hattest auch die richtige Entscheidung.
Martin Wollte ich nicht länger haben.
Paul Perfekt zusammen.
Flo Geküsst, Aromen abgeholt und dann schön.
Paul So Leute, also perfekter Abschluss. Martin, vielen Dank, dass wir da sein durften. Vielen Dank, dass wir zusammen ein Bier brauen konnten. Du hast natürlich die Hauptarbeit gehabt, aber der Kerl hat auch seinen Prozess wirklich im Griff. Das ist der absolute Knaller. Da hat alles gepasst. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich würde sagen, wir sind gespannt aufs Bier. Das war heute wirklich ganz toll. Es hat echt Spaß gemacht.
Martin Freut mich, wenn es euch gefallen hat. Es ist meine Leidenschaft, es ist eure Leidenschaft. Es ist einfach eins wie immer, wo wir drüber reden können. Es ist schön.
Flo Perfekt. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Quellen:
[1] https://beerandbrewing.com/rockstar-hops-from-a-pacific-paradise/
[2] https://www.holystoner.de/
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