„Man kann heute nicht mehr an dem Standpunkt festhalten, dass zur Bereitung eines lichten, kräftig nach Hopfenbitter schmeckenden Bieres mit ausgeprägter Hopfenblume Saazer Hopfen notwendig ist. Man hat vielmehr erkannt und festgestellt, dass die angepriesenen Vorzüge des Saazer Hopfen ebenso in unseren guten Hopfenbezirken zu finden sind. Weder im Aroma noch im Lupulin- bzw. Bitterstoffgehalt geben sie der besten böhmischen Fechsung etwas nach. Wir haben uns entschlossen, mit der kommenden Kampagne unter dem Namen Deutscher Hopfen Saazer Ersatz eine Qualität deutschen Ursprungs einzuführen, hoffend, dass unsere Bestrebungen die Billigung der Brauindustrie finden werden.„
Das war ein Zitat aus einer Ankündigung vom ehemaligen Chefbrauer von Chester Das war ein Auszug des Jahresberichtes über Hopfen von 1911-12 von der Firma Bart & Sohn.[1]
- Begrüßung und Vorstellung heutiges Thema
- Neues aus dem Braukeller
- Was ist Hopfen?
- Zahlen, Daten Fakten
- Geschichte
- Bierpause
- Hopfeneinsatztechniken
- Hop Creep
- Klimawandel
- Hopfen im Pilsner
- Bier des Monats
- Quellen:
Zitat
Man kann heute nicht mehr an dem Standpunkt festhalten, dass zur Bereitung eines lichten, kräftig nach Hopfenbitter schmeckenden Bieres mit ausgeprägter Hopfenblume Saazer Hopfen notwendig ist. Man hat vielmehr erkannt und festgestellt, dass die angepriesenen Vorzüge des Saazer Hopfen ebenso in unseren guten Hopfenbezirken zu finden sind. Weder im Aroma noch im Lupulin- bzw. Bitterstoffgehalt geben sie der besten böhmischen Fechsung etwas nach. Wir haben uns entschlossen, mit der kommenden Kampagne unter dem Namen Deutscher Hopfen Saazer Ersatz eine Qualität deutschen Ursprungs einzuführen, hoffend, dass unsere Bestrebungen die Billigung der Brauindustrie finden werden.
Das war ein Auszug des Jahresberichtes über Hopfen von 1911-12 von der Firma Bart & Sohn..[1]
Begrüßung und Vorstellung heutiges Thema
Flo Und damit hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Brautag, eurem Podcast über Bier und Braukunst. Heute geht es um Hopfen, seine Herkunft, Geschichte, Geheimnisse und wie diese Zauberzutat, insbesondere der Saazer Hopfen, dass unser Staffelbier-Stil seinen Siegeszug antreten konnte. Seid gespannt, bleibt dran und wie immer müsst ihr natürlich nicht nur mit mir, Flo Erdel, Vorlieb nehmen, sondern ich habe natürlich für euch meinen kongenialen Podcast-Buddy und absoluten Hop-Head, Paul Schüssler, mit im Gepäck. Paul, wie geht’s dir? Und ich hoffe für dich, du hast was Hopfiges im Glas.
Paul Ja, mir geht’s super. Ich freue mich drauf. Das wird, glaube ich, wieder eine Pickepacke voller Folge, das können wir jetzt schon sagen. Das können wir jetzt schon abschätzen. Ich habe was Hopfiges im Glas, aber vielleicht nicht so, wie du es jetzt erwartest. Und zwar habe ich mir das Orval [2] eingeschenkt, was uns der Ben Kirst geschickt hatte, was ich beim letzten Mal ja nicht mitgetrunken habe. Und jetzt ist es wieder soweit. Das ist ein 2019er Orval. Ich habe ja auch das passende Glas mir noch rausgesucht. Ja, ich bin gespannt. Ich lasse jetzt noch ein bisschen den Schaum da. Währenddessen frage ich dich einfach mal, Flo, hast du auch was im Glas?
Flo Ja, ich habe auch was im Glas, aber ich kann da heute nicht ganz mithalten, würde ich behaupten. Wobei, ich habe was Gutes im Glas, qualitativ Gutes. Aber ich versuche immer noch im Moment zumindest unter der Woche alkoholfrei zu bleiben. Und dementsprechend habe ich mal wieder, ich glaube, ich habe es schon mal in irgendeiner Folge verkostet, das Atlantic Ale alkoholfrei von Störtebecker [3] im Glas. Ja, ist immer so ein schönes Feierabendbierchen für mich unter der Woche.
Paul Flo, Hopfen ist das Thema, ist ja auch wirklich mit Abstand die gehypteste Bierzutat. Wie sieht es bei dir aus? Also du bist ja unser kleiner Hefenerd. Brett ist ja so dein Steckenpferd oder Mixed Fermentation, Sauerbiere. Steht das über dem Hopfen oder gibt es eine Rangfolge für dich? Kannst du dich da festlegen?
Flo Das ist natürlich eine ultraschwere Frage. Ich habe da auch gar keine Ahnung. Ich habe da auch gar keine Ahnung. Ich habe da auch gar keine Ahnung. Ich habe da auch gar keine passende Antwort, aber ich würde es vielleicht so umschreiben. Ich habe zwar nur ein Kind, aber hätte ich zwei Kinder, könnte ich mich genauso nicht entscheiden, welches Kind ich lieber habe. Und so ähnlich ist es ein bisschen auch mit den Bierzutaten. Ja, also selbst wenn ich da Malz noch mit reinnehme und Wasser. Ich finde, alle haben ihre spannenden Seiten. Das ist vielleicht mal tagesformabhängig, dass ich den Hopfen der Hefe oder umgekehrt vorziehe oder mal eine Zeit lang eher dem Malz zugetan bin. Kann mich da nicht entscheiden. Alles gleich spannend
Paul Musst du ja nicht
Flo Wie ist es bei dir? Tust du dich da einfacher?
Paul Ja ich glaub schon. Bei mir ist es definitiv der Hopfen. Ich spiele auch gerne mit der Hefe aber nicht so experimentell wie du das machst. Auch weil ich ein bisschen Angst habe. Und jetzt habe ich gerade ein Bier mit Brett im Glas aber ich bin glaub ich weit genug entfernt vom Braukeller. Nei, der Hopfen ist für mich die Zutaten die am meisten Spaß macht. Ist auch die Zutat wo ich am meisten nachlesen, ausprobiere und neue Sorten bestellt. Bin da glaub ich ganz up to Date
Flo Ja gut Hopfen, Hefe, Malz alle bieten so viel in der heutigen Zeit. Ist ja fast schon schwierig für uns als Hobbybrauer hier immer up to date zu bleiben. Haben wir ja schon ein paar Mal erwähnt, dass hier so unglaublich viel passiert.
Paul Absolut. 100% kann man hier auch nicht up to date bleiben. Flo wir haben es schon mal angeteasert. Du baust ja selbst Hopfen an. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe bist du so ein bisschen naiv in die Sache rangegangen oder wie war das?
Flo Ja, und zwar kann man das so erklären. Ja, naiv, definitiv. Also naiv in der Form, dass ich es halt einfach ein bisschen übertrieben habe und mir gar nicht so Gedanken gemacht habe, mit wie viel Hopfen, Pflanzen kann man wie viel Bier brauen. Sondern bei mir in der Familie, wo ich angefangen habe zu brauen, kam da relativ schnell von der Familie, von der Verwandtschaft die Frage, ob ich nicht noch Hopfen anbauen möchte. Dass so ein bisschen in der Familie auch liegt, weil mein Opa hat bis 1971, das habe ich extra vor der Folge nochmal meinen Onkel gefragt, selbst Hopfen angebaut, also über Jahrzehnte. Und 1971 war dann eben ein größerer Sturm, da ist die ganze Drahtanlage mal wieder zusammengefallen und dann hatte er es quasi satt gehabt, das Ganze nochmal zu investieren und nochmal aufzubauen. Darüber bin ich da so ein bisschen reingeschlittert und das war wahrscheinlich auch dafür verantwortlich, dass ich es ein bisschen übertrieben habe. Hatte dann relativ… viele Sorten, viele Hopfenpflanzen und ja, habe das jetzt ein bisschen über die Jahre wieder reduziert, weil das war zu viel, das konnte ich nicht gebrauchen und das ist ja dann irgendwo auch schade. Ich habe dann auch immer ein bisschen was gealtert, also nicht vakuumiert und eher in Jute-Säcke auf dem Dachboden gelagert. Da habe ich auch jetzt noch einiges oben, was ich da über mehrere Jahre versuche eben ein bisschen zu altern, um dann auch für Mixed Fermentation oder allgemein eben Sauerviere einsetzen. Ja, geil.
Paul Also erstmal muss ich sagen, deswegen habe ich ganz kurz dir das auch mal in die Kamera gehalten, wie geil ist eigentlich das Orval? Ich habe es jetzt wieder lange nicht im Glas gehabt, aber boah, also echt Wahnsinn. Bin gerade sehr begeistert, schwer begeistert. Noch eine ganz kurze Anekdote, die mir einfällt, wenn du jetzt Hopfenalterung ansprichst. Der David Chebby, der Dave „Malz und Hopfen“, der hat mich mal besucht in Wiesbaden, als ich noch in Wiesbaden gefahren war und kam mit irgendeinem alten Auto an und war quasi auf der Durchreise und hatte…Ich weiß gar nicht mehr woher, aber der hatte gealterten Doldenhopfen dabei für den Jan Kemker. Und der macht die Tür, also ich treffe den bei uns, der fährt im Hof vor, er macht die Tür auf, ich begrüße ihn, umarme ihn und aus diesem Auto stinkt es nach Käse. So richtig alten Hopfen. Wie hast du das durchgehalten, ein bisschen hochzufahren so ungefähr? Und er hat es gar nicht mehr wahrgenommen, natürlich, wenn man da die ganze Zeit drin sitzt, Wahnsinn. Also. Also, ja, auch eine witzige Geschichte.
Flo Ja, geil. Wenn man sich das vorstellt, so bildlich auf jeden Fall, sei cool, ja. Und wenn du dich jetzt da schon festgelegt hast, dass Hopfen so ein bisschen deine Lieblingszutat ist, hast du auch unter den ganzen Hopfensorten, die es mittlerweile so gibt, keine Ahnung, 300 oder ich weiß gar nicht, was da die aktuellen Zahlen sind, hast du da eine Lieblingshopfensorte oder wechselt das oder je nach Bierstil?
Paul Ja, es wechselt schon oft, aber ich muss sagen, ein Hopfen…Ja, der, der mir jetzt schon öfter Glück gebracht hat, ist der Simcoe. Also, wenn ich den in einem Wettbewerbsbier hatte, jedenfalls in letzter Zeit, dann lief es immer ganz gut, muss ich sagen. Ich mag den sehr gern, setze den sehr gern ein, also das ist, ja, schon ein Liebling, aber wo ich auch gerade so ein bisschen hängen geblieben bin, was mir richtig Spaß macht, Talus, Sabro, so die zwei, ja, gar nicht mehr ganz so neuen, aber schon noch neuen. Und die, die, glaube ich, auch nicht umsonst in vielen Hazy, New England IPAs und so weiter eingesetzt werden, weil das einfach richtig geile Aromabomben sind, wenn man die richtig einsetzt.
Flo Ja, definitiv. Und falls du es nicht weißt, vom Simcoe ist, ich muss lügen, Datum habe ich nie im Kopf, aber da ist auf jeden Fall das Patent ausgelaufen von nicht allzu langer Zeit. Das heißt, wenn du einmal die Fühler ausstreckst, ist es mittlerweile dann gar nicht mehr so unrealistisch, dass man da irgendwann… Irgendwann auch an Pflänzchen kommt, wenn du noch Platz im Garten hast irgendwo oder irgendwo einen Blumentopf, kannst du dann auch schon Anbau einsteigen.
Paul Ja, übernehme ich den weltweiten Anbau. Das klingt doch gut. Weiß nicht, ob sich der Westerwald unbedingt anbietet, ich glaube es eher nicht, aber ja, also, aber gut zu wissen. Ja, das ist natürlich cool. Also, mit dem Gedanken gespielt, mal so ein, zwei Pflänzchen mir in den Garten zu stellen, das habe ich auf jeden Fall schon. Also, das wäre dann quasi ein Grund, damit zu starten, ne?
Flo Genau. Aber wahrscheinlich ist es eine…Eine Herausforderung, da an die Pflanzen zu kommen. Das wird wahrscheinlich noch ein bisschen dauern, weil nur wenn das Patent ausgelaufen ist, heißt es ja erstmal noch nicht, dass du den überall bekommst. Aber irgendwann, ganz bestimmt, wäre auf jeden Fall ein cooles Projektchen. Dann würde ich sagen, kommen wir zu unserer ersten Rubrik für heute.
Neues aus dem Braukeller
Paul Fange ich an, oder Flo? Du?
Flo Ja, kannst gerne anfangen.
Paul Ja, wir haben schon lange nicht mehr darüber gesprochen, ist ja bestimmt…Ja. War es im Tank für Monate her, oder? Ja, da war was im Tank, das ist schon wieder raus und wieder rein. Also, da war ja jetzt schon ein bisschen was los, seitdem wir das letzte Mal drüber gesprochen haben. Ich will jetzt gar nicht alles nennen, aber so ein paar Highlights auf jeden Fall. Ich hatte ein Wit im Tank, ein Witbier, was ich für den Wettbewerb der Brausportgruppe, Grüße gehen raus, und ja, ich habe das Ding gewonnen. War ein schöner…
Flo Surprise, surprise.
Paul War ein schöner Jahres. War ein schöner Jahresabschluss auf jeden Fall. Und das war keine… Und das hat mich natürlich noch mehr gefreut, dass ich mit so einem Ding gewonnen habe. Das war kein klassisches Witbier. Ich habe eine recht klassische Schüttung genommen. Das ist das auf jeden Fall. Und ich habe auch Koriandersamen und frischen Orangenabrieb benutzt. Aber ich habe auch die Blätter von einer Zitronenmelisse dazugegeben. Und der absolute Kniff war, ich habe eine litauische Farmhaushefe genommen. Die Jovaru von Omega Yeast [4]. Ich hatte die schon mal in einem Weizenbier und hatte mir so gedacht, die macht so ein bisschen irgendwie belgische Aromen, finde ich. Also dieses typische, was man in so einem Witbier findet. Und die habe ich sehr kalt vergoren, bei 18 Grad. Also eigentlich unter ihren Möglichkeiten. Aber sie hat sich innerhalb von zwei Wochen durchgequält. Also ich glaube, sonst hätte die, weiß ich nicht, drei, vier Tage gebraucht. So hat es ein bisschen länger gedauert. Und ja, die hat tatsächlich… Auch jetzt noch, wenn man das trinkt. Also auch die Jury hat es nicht gemerkt. Also erst nachdem die drauf geguckt haben. Das spricht schon für sich, finde ich ganz cool.
Flo Ja, mega. Aber ganz kurz, warum hast du es bei 18 Grad vergoren? Also war das bewusst oder waren die Randbedingungen gerade so für dich?
Paul Ich hatte damals den Sud. Das war, bin mir gerade gar nicht mehr sicher. Ich glaube, das war für die Best Brew Challenge, habe ich so ein leichtes Weizen mal gemacht. Ich glaube, das war das. Da musste man so ein helles Weizenmalz einsetzen. Und ich habe den Sud aufgeteilt und habe die Jovaru genommen, weil ich gedacht habe, komm, ich probiere mal was aus. Vielleicht kann man damit ein bisschen rausstechen. Hat nicht funktioniert. Aber ich habe die einmal warm und einmal, also einmal richtig warm, Kveik-Typisch, ich glaube, bei 30, 35 Grad vergoren. Und einmal habe ich sie relativ kalt, so bei 20 Grad vergoren. Die Variante 30, 35 Grad, die hat halt extrem an einem Bier, was mit der Kveik vergoren wurde, erinnert. Also diese typischen fruchtigen Ester. Ja, ich finde es schon fast typische Kveikprofil, was man gar nicht so richtig in Worte fassen kann. Das war absolut da. Und zu meiner Überraschung war das, was ich sehr kalt vergoren habe, näher an einem Weizen, vielleicht auch belgischen. Also das hat mich mehr daran erinnert. Das war ein bisschen nicht unbedingt cleaner, aber es waren andere Aromen, die da irgendwie erzeugt wurden. Das war würziger. Das war so ein bisschen süßlich, bubblegummig. Das war ein bisschen süß, total abgefressen. Also ganz anders als das andere Bier. Und deswegen habe ich gedacht, komm, ich habe aktuell keine Möglichkeit, die Tanks zu heizen. Und im Keller hatte ich 18 Grad, also habe ich bei 18 Grad vergoren. Hat sich ein bisschen gequält, das Ding, aber hat es am Ende geschafft und kann ich nur empfehlen.
Hier das Rezept als PDF zum Download. Wenn ihr mehr solche Rezepte wollt, unterstützt uns gerne bei Patreon und erhaltet Zugang zu unserer Rezept Datenbank.
Flo Klingt spannend, coole Idee.
Paul Ja, Flo, wir sehen uns ja nächste Woche. Nee, diese Woche kann man ja jetzt schon fast sagen, ne? Ja, am Samstag. Ja, richtig, richtig. Ich bringe auf jeden Fall was mit.
Flo Cool, bin ich gespannt. Da freue ich mich drauf.
Paul Kannst du mal probieren. Genau. Ja, und ansonsten, ich habe klassisch zum Staffelbierstil ein böhmisches Pils gemacht, beziehungsweise mich dran versucht. Habe es recht klassisch gehopft mit Saazer, auch wieder passend zur Folge. Cool. Und ich habe nur ein Simcoe, glaube ich, genommen zum Bittern, weil ich nichts mehr hatte und nicht genug Saazer Hopfen, um es komplett zu verwenden. Aber ich denke, das schmeckt man nicht unbedingt. Vergoren habe ich mit der WLP 802. Es ist für meinen Geschmack mir ein Tick zu süß geworden. Aber ansonsten ist es wirklich schön süffig geworden. Hat eine leichte Diacetylnote, die weniger wird, meiner Meinung nach. Aber wir hatten ja schon mal darüber gesprochen. Meine Wahrnehmungsschwelle ist ja relativ hoch. Ich bin gespannt, was du am Samstag sagst. Ich bringe was mit. Ja, auf jeden Fall echt lecker. Und davon ist schon auch einiges weggegangen.
Flo Ja, okay. Diese Biere sind auch genau dafür da, ne?
Paul Wie sieht es aus? Was hast du gebraut? Seit dem letzten Neues aus dem Braukeller? Da war doch auch ein bisschen was.
Flo Ja, ein bisschen. Ich glaube, nicht ganz so.
Paul Zu wenig immer, ne? Ja, zu wenig. Zu wenig.
Flo So viel berichten wie du kann ich nicht. Ich habe einen Lichtenhainer gebraut. Aber auch nicht wirklich so klassisch nach BJCP, sondern ich habe es da irgendwie aufgepackt und habe gedacht, die Philly Sour, die hatte ich eigentlich schon längst irgendwie an den Nagel gehängt. Mit der wollte ich eigentlich nichts mehr machen, weil die macht zwar ein cooles Aroma, ist eine coole Geschichte, dass man eben mit einer Hefe und sonst nichts ein saures Bier machen kann. Aber ich fand immer das Aroma von einem Kettelsauer, also wenn ich ein Lacto und dann eine Alehefe nach Wahl nehme, fand ich einfach das Aroma, die Säure, die hat mir einfach besser gefallen. Deswegen hatte ich die so ein bisschen nicht mehr berücksichtigt. Bei dem Lichtenhainer hatte ich aber dann irgendwie so im Kopf, dass ich es ähnlich braue, wie ich eine Berliner Weiße brauen würde. Also, ich brauche nicht so viel. Und dann habe ich gedacht, ja, okay, wenn man das jetzt schon so ein bisschen anpasst, kann ich auch die Philly Sour da drauf werfen. Habe vorhin gerade probiert, das erste Mal. Ich bin auch noch gar nicht dazu gekommen, pH oder so zu messen. Ist auf jeden Fall ein schönes Säurenniveau. Das ist nicht knackig sauer, aber sie ist gut wahrnehmbar. Also, ich denke, ganz passend für einen Lichtenhainer [5]. Schön dezente Rauchnoten. Ich habe da auch ein bisschen gespielt mit Weizen, Eichenrauchmalz und Gerstenbuchenrauchmalz. Also, beide so ein bisschen, ein bisschen verheiratet. Was jetzt auch nicht ganz klassisch ist, aber ich finde, das passt ganz gut zueinander. Das habe ich schon mal so gemacht. Ja, und der Plan ist, wenn ich es noch fertig bekomme, dass ich das auch bei Mikeller, bei diesem MBCC-Hobbybrauer-Wettbewerb [6] einreiche. Wird sich aber die nächsten Tage entscheiden, ob ich es noch in die Flasche bringe oder nicht. Genau. Und für Maisel [7] habe ich auch ein Bier gebraut. Was soll ich sagen? Ich war…Mir war es zu langweilig, nur ein gehopftes, um es mal ganz plump zu sagen, gehopftes Weizenbier zu machen. Deswegen habe ich dann, war für mich gleich, gleich bringt der unterschiedliche Hefen ins Spiel. Habe dann am Anfang gedacht, komm, ich pitch nur die Verdant Co., dass ich einfach auf der Frucht-Ester-Seite da ein bisschen ein breiteres Bouquet habe, was hoffentlich gut zur Weißbierhefe passt. Ich habe schon öfters Weißbierhefe und ähnliche Hefen wie die Verdant miteinander verwendet, das hat eigentlich immer ganz gut funktioniert. Nur das war mir auch noch nicht genug. Ich habe irgendwann mal über die Haushefe, über den Haushefe-Blend von Treehouse mich eingelesen und da gibt es viele Hobbybrauer, die das versucht haben nachzuahmen in den amerikanischen Hobbybrauer-Foren. Und das soll eben auch eine Saisonhefe unter anderem neben der Weißbierhefe mitten in dem Haushefe-Blend sein [9]. Und da habe ich da die Trockenhefe, die T58 [8], in wirklich minimalster Menge, also so ungefähr 5%.
Paul So über den Ellenbogen abrollen lassen.
Flo Ja, genau, richtig. Genau so muss man sich das vorstellen. Und die kommt aber durch. Also ist irgendwie nicht ganz so geil geworden. Zumindest Stand jetzt. Vielleicht gibt sich das dann noch mal.
Paul Das ist ja noch jung, oder?
Flo Ja, das ist sehr jung noch. Aber kommt im Moment schon wie eine Phenolbombe daher, was nicht ganz der Plan war. Aber ja, so ist es eben. Wenn man nichts ausprobiert, lernt man auch nichts dazu.
Paul Fehler sind Helfer.
Flo Ja, aber schauen wir mal, ob es wirklich ein Fehler wird. Richtig, genau. Würde ich auch erst mal gucken.
Paul Hast du schon gestopft oder ist es noch nicht so weit?
Flo Nee, noch nicht. Dem will ich jetzt auch noch ein paar Tage Zeit geben, um dann zu entscheiden, ob es das überhaupt wert ist. Dann auch mal hopfen mit mehreren Euros, da hinterherzuwerfen. Oder ob ich dann lieber was anderes draus mache.
Paul Sehr gut. Jo, Flo, dann stürzen wir uns rein, oder? Ins Thema.
Flo Ja, ja, ja, machen wir das.
Was ist Hopfen?
Flo Starten wir einfach direkt rein und beschäftigen uns mit der Frage, was ist Hopfen? Ich denke, die meisten wissen da ziemlich viel darüber. Aber vielleicht haben wir noch ein paar Infos versteckt, die noch nicht jeder gehört hat. Hopfen, Humulus, ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hanfgewächse. Das hat vermutlich jeder schon gehört. Und der bekannteste Vertreter aus dieser Gattung ist der echte Hopfen, der Humulus lupus. Und wie wir wissen, genau das ist die Gattung oder die Sorte, die zum Bierbrauen verwendet wird. Der wächst vor allem in gemäßigten Klimazonen, ist eine sogenannte zweihäusige Pflanze. Das heißt, es gibt Männlein und Weiblein, die sich eben mittels Bestäubung fortpflanzen können. Und wie wir wissen, sind die weiblichen Blütenstände, das sind die Hopfendolden. Und genau das ist das, was uns als Brauer und Hobbybrauer interessiert. Da kommen die guten Aromen und die Bitterstoffe her. Erntezeit kann man grob sagen, bei Hopfen liegt zwischen August und September. Wobei das heutzutage mit den ganzen neuen Anbaugebieten, die dazugekommen sind, vielleicht auch nicht mehr ganz einfach so formuliert werden kann, sondern das gilt eher für die altbekannten Hopfenanbaugebiete. Nach heutigem Wissenstand weiß man, dass der Hopfen aus, der der Region der heutigen Mongolei seinen Ursprung hat und über Umwege dann nach Europa, nach Amerika gekommen ist. Und nach neuesten Papers, die es gibt von den letzten fünf, sechs Jahren, gibt es mittlerweile fünf unterschiedliche Untergruppen [10]. Und das Spannende ist, dass neben dem schon erwähnten Humulus lupus, der eben in Europa ansässig ist hauptsächlich, der Brauhopfen, der echte Hopfen, gibt es mittlerweile auch andere Untergruppen, die auch zum Brauen verwendet werden können beziehungsweise werden und dafür interessant sind. Und eine Sorte davon ist der Humulus neomexicanus aus dem Westen der USA [11]. Der ist in den letzten Jahren immer interessanter geworden für die Braubranche. Vielleicht hat der eine oder andere Zuhörer sogar schon mal mit einem der beiden bekannten Sorten. Das ist Medusa und Zappa [12]. Ich gibt es auch in Hobbybrauershops schon mal gebraut. Ich habe das selbst noch nicht mitgebraut. Ich weiß nicht, Paul, hast du? Bist du über die schon mal gestolpert? Auch noch nicht?
Paul Nee, gar nicht.
Flo Ja, sollte man vielleicht zum Anlass mal nehmen. Also ich wurde da jetzt auf jeden Fall neugierig. Ich werde mir da auf jeden Fall mal eine besorgen. Und das Spannende bei denen ist, dass die halt genetisch einzigartig sind und evolutionär auch getrennt sind von dem Humulus lupus. Und beheimatet ist er in den trockenen Bergregionen von New Mexico und wurde eben 1991 dort entdeckt und wird mittlerweile von der CLS-Farm, dem Yakima, auch angebaut, die eben die zwei erwähnten Sorten damit rausgebracht haben. Von Sierra Nevada gibt es zum Beispiel auch ein IPA, was nur mit, also Single Hop, mit Medusa gebraut ist [14]. Eine weitere Besonderheit bei diesem Hopfen ist, aber das gilt nur für den Medusa, der hat mehrköpfige Dolden. Also der sieht auch optisch anders aus, wie man es kennt.
Paul Krass.
Flo Auch wenn man das googelt, findet man das relativ schnell. Wir verlinken euch da auch was in den Shownotes. Da gibt es von Beer&Brewing [13], und der Brew Your Own [15] gibt es da entsprechende Artikel, wo da auch eben ein Bild drin ist von diesen mehrköpfigen Dolden. Aromatisch sind die auch sehr spannend. Also Mango, Passionsfrucht, also auch durchaus diese fruchtigen Aromen. Von daher auf jeden Fall eine coole Sache. Mal schauen, was man da in der Zukunft noch entdeckt, was man sonst noch so alles aus der Hopfenwelt findet, was man dann auch fürs Brauen verwenden kann [16]. Und wie ich es am Anfang gesagt habe, Hopfen und Cannabis sind eng verwandt. Der Ursprung geht lange, lange, lange zurück. Und auch morphologisch. Ich meine, ich denke, jeder weiß, wie eine Cannabispflanze aussieht. Jeder weiß, wie eine Hopfenpflanze aussieht bezüglich Blattform, Blütenstruktur. Sind ja auch optisch relativ ähnlich [17]. Und trotzdem hat es aber bis ins einundzwanzigste Jahrhundert gedauert, bis man diese Verwandtschaft wirklich auch botanisch gesehen verstanden hat und es etabliert hat, dass die eben so eng miteinander verwandt sind. Wenn man in die USA schielt, da gibt es mittlerweile auch zwei Hobbybrauerbücher oder Braubücher, die eben Cannabis für Bier, als Haupttitel haben, also von der Brewers Association sind die [19], [20]. Werden wir auch in den Shownotes verlinken. Und da kann man auch lesen, dass das Terpenenprofil, also beim Hopfen sind da ja bekannte Vertreter Linanool und Geraniol beispielsweise und viele andere, dass diese Aromastruktur in den jeweiligen Ölen der beiden Pflanzengattungen, dass die auch sehr ähnlich sind. Das heißt, auch aus der Brille betrachtet, wenn man Cannabis für Bier einsetzen würde, hat das auch aromatisch sehr, sehr interessante, viele Züge, die man im Bier nutzen könnte. Und das geht noch weiter. Also ich bin da ein bisschen so in so einem Kaninchenbau mal wieder verschwunden und bin da auf was Spannendes gestoßen. Das habe ich vor vielen Jahren schon mal gelesen gehabt, dass es eben auch Hopfen geben soll, der THC-Anteil hat [21]. Da bin ich aber relativ, damals schon habe ich da schnell Belege gefunden, dass das nicht stimmt. Das sind also klassische Fake News. Und manchmal habe ich was ähnliches gefunden. Da gibt es einen patentierten Hopfen, das Patent habe ich auch gefunden. Der nennt sich KRIA-Hopfen, also K-R-I-Y-A [18], [21], [22]. Und der soll CBD haben, in höheren Anteilen. Ähnlich wie man das eben bei Hoch-CBD-Hanf findet, weil es halt auch ein Patent gab. Und so fand ich das spannend, habe da mehr drüber gelesen. Bin dann aber auch relativ schnell auf eine Studie gestoßen aus 2022, die eben dann auch, sag ich mal, diese betrügerischen Vorgänge aufgedeckt hat, dass das alles auch Fake News ist [24]. Da sieht man auch mal, dass man da echt Acht geben muss. Auch wir für einen Podcast, wenn man da mal schnell was nachliest und denkt, wow, voll die coole Info, teilen wir mit unserer Community. Sollte man sich doch immer ein bisschen verstärkt damit beschäftigen, ob das alles so stimmt, was man nach kurzem Googlen so liest. Was ja auch mal wieder so ein schönes Beispiel ist. Es gibt auch nicht Fake News aus dieser Verwandtschaft zu berichten. Und das ist vor allem im Hinblick auf Klimawandel, denke ich, super spannend, weil Hanf ökologische Vorteile bietet. Also ist eben widerstandsfähig gegen den Klimawandel, der ansteht. Und die Bitterstoffe vom Hanf, die kann man auch ins Bier bringen. Und da gibt es viele Forschungsarbeiten mittlerweile, die das eben versucht haben, wie man Hopfen durch Hanf substituieren kann fürs Bier [25]. Man braucht da zwar anscheinend drei- bis vierfache Menge vom Hanf, um mit einem ähnliches Bitterprofil zu erzeugen, aber durchaus spannend und kann funktionieren. Wer weiß, vielleicht in 20, 30 Jahren, wenn es mit dem Hopfenanbau dann zunehmend schwieriger wird in unseren Breitengraden, ist das vielleicht eine schöne Alternative. Und wir werden dann mehr versteckt Hanfbiere trinken. Wer weiß.
Paul Ja, vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass ja vor allen Dingen in Deutschland viele Biere ja überwiegend gebittert werden. Also wenig, wenig Aroma jetzt damit erzeugt wird. Und wenn ich mit Hanf auch bittern kann, dann ist das ja klar, dass man natürlich wahrscheinlich einen Teil davon einfach austauschen kann.
Flo Ja, richtig, richtig. Das ist auch, sag ich mal, der Aufhänger von diesen Forschungsarbeiten. Also die werden in der Schweiz durchgeführt, in der Hochschule Zürich. Und ein Ziel von diesen ganzen Forschungsarbeiten ist auch, die notwendigen Hopfenimporte zu reduzieren. Also das geht schlägt genau in die Kerbe, die du gerade gemeint hast. Gut, schauen wir noch ganz kurz auf die wichtigsten Inhaltsstoffe, die es im Hopfen so gibt, an die wir interessiert sind [26], [27]. Einfach, um das mal gedroppt zu haben. Wobei das, denke ich, jeder gehört hat. Also klar, als erstes kommt da immer das gute alte Lupulin. Was in den Hopfendolden drin ist. Diese klebrige, gelbe, gelb-orangene. Ja, keine Ahnung, wie ich sagen soll. Klebriges etwas. Das enthält letztendlich die Hopfenharze, die für die Bittere notwendig sind und die ätherischen Öle. Und on top kommt noch was man, denke ich, hauptsächlich auch von den von den Hazy IPAs atc. kennt, sind die Polyphenole, die auch ja zu dieser ganzen Trübung durchs Dry Hopping zum Beispiel beitragen. Und wenn wir noch mal ganz kurz auf die ätherischen Öle gehen, da gibt es mittlerweile über 1000 bekannte Aromakomponenten. Das ist für sich noch mal betrachtet wahrscheinlich ein eigener Dschungel und ein hochkomplexes Thema. Und die drei wichtigsten Hauptgruppen hierbei sind die Kohlenwasserstoffe, wobei sicherlich Myrcene der bekannteste Vertreter ist. Die sauerstoffhaltigen Komponenten, das sind die hauptsächlich die Monoterpen Alkohole, an denen wir interessiert sind, mit den bekanntesten Vertretern Linanool und Geraniol, die ich vorhin schon mal erwähnt hatte. Und zu guter Letzt die Schwefelhaltigen Komponenten, die Thiole, die lediglich ein Prozent von den ätherischen Ölen, von den Hopfenölen ausmachen. Deswegen speziell im Thema Bier lange Zeit übersehen wurden, aber gerade im Moment das große Hype-Thema sind über Hopfen. Was ist Hopfen? Da könnte man jetzt noch stundenlang alleine über die Fragestellung weiter diskutieren. Eine Sache will ich nur erwähnen ist, dass Hopfen vermutlich schon seit der Antike auch in der Medizin eingesetzt wird. War deshalb auch zum Beispiel 2007 wurde das zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Da sieht man auch, welchen Stellenwert es heute noch hat und wird hauptsächlich für Beruhigungsmittel, auch hauptsächlich gegen Schlafstörungen, soll es gut helfen. Und bei Verdauungsproblemen ist das heute immer noch in vielen Arzneien ein wichtiger Bestandteil. Das heißt auch neben der ganzen Bierthematik eine super spannende Pflanze. Aber zurück zum Bier.
Zahlen, Daten Fakten
Flo Wie es ja schon Tradition ist, hat der Paul für uns netterweise wieder ein bisschen was zu Zahlen, Daten, Fakten vorbereitet.
Paul Ja, da komme ich wirklich nicht mehr raus. Aber in dem Fall manchmal fällt es ja auch ein bisschen schwer, Zahlen zu finden, Fakten zu finden, die man da nennen kann. Aber in dem Fall, wo soll ich anfangen, Flo? Also wenn man das googelt, dann kriegt man wirklich richtig viel angezeigt. Und es gibt wirklich etliche Zahlen. Aber ich würde sagen, du hast es vorhin mal ganz kurz gesagt. Die eine Zahl. Wir fangen mal von vorne an. Es gibt aktuell in etwa 300 Hopfensorten bzw. zugelassene Hopfensorten. Und in den letzten 20 Jahren ist die Zahl neuer Hopfensorten weltweit immer weiter gewachsen. Das kriegt man ja auch als Hobbybrauer mit. Ständig, selbst in den Shops sieht man manchmal auf einmal, ups, das ist schon wieder was Neues und die kenne ich auch noch gar nicht, den Hopfen. Allein in Deutschland werden circa 30 Sorten richtig kommerziell angebaut. In den 1950er Jahren waren es gerade mal vier Sorten, um das mal so als Hausnummer zu nennen, also die verfügbare Hopfenanbaufläche weltweit und auch natürlich in Deutschland verteilt sich damit auf immer mehr Sorten. Und da wir gerade erst 2023 hinter uns gelassen haben, beschränke ich mich jetzt übrigens zunächst mal nur auf wirklich verlässliche Zahlen aus 2022. Da fangen wir einfach mal an mit der Ernte. 2022 wurden 19 Prozent weniger Hopfen geerntet als im Jahr zuvor. Und da war es schon weniger als im Jahr davor. Obwohl die Anbaufläche annähernd gleich groß geblieben ist, ging die weltweite Erntemenge um. Da muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 24.200 Tonnen zurück und insgesamt waren es dann nur noch 107.000 Tonnen. Also nur noch. Aber trotzdem, das ist schon Wahnsinn, was so ein Jahr mit vielen Regenanteilen, mit viel Trockenanteilen und das zur falschen Zeit, was das ausmacht für die Hopfenernte. Grund dafür waren natürlich die extremen Witterungsbedingungen. Und allein in Europa, haben die eben für den Rückgang der Ernte um 17.800 Tonnen gesorgt. Also schon echt eine Hausnummer. Aber neben der Erntemenge ist natürlich auch zum Beispiel die Alphasäure eine entscheidende Maßzahl, vor allen Dingen für die Industrie. Und auch der Alpha-Ertrag ist aus der Ernte 2022 zurückgegangen. Und zwar um fast ein Viertel, um 24 Prozent. Also wir haben quasi weniger Hopfen und der hat auch noch weniger Alphasäure. Und der Brauer braucht wieder mehr Hopfen, obwohl der gar nicht mehr zur Verfügung steht. Jedenfalls nicht aus der Ernte 2022. Sieht man schon, da gibt es wirklich aktuell Herausforderungen. Wenn wir uns jetzt die Anbaufläche mal anschauen, die weltweite Anbaufläche für Hopfen ist jetzt nach mittlerweile acht Jahren kontinuierlicher Ausweitung erstmals leicht gesunken. Insgesamt wurden 2022 auf, und das ist auch eine ganz schöne Zahl, 62.802 Hektar Hopfen angebaut weltweit. In den USA, dem Land mit der größten Anbaufläche, ging es auch leicht zurück. Und Deutschland ist dann auf Platz 2 mit 20.605 Hektar. Wir haben im Jahr zuvor 16 Hektar mehr gehabt, also 2021, ging auch also leicht zurück. Danach kommt schon Tschechien und dann haben wir so einen kleinen Sprung. Die haben noch glatte 4.943 Hektar. Also ja, mal knapp 15.000 Hektar weniger als Deutschland. Das ist auch schon wieder ein Sprung und trotzdem Platz 3. Übrigens der weltweite Flächenanteil der USA und Deutschland beträgt 72 Prozent. Also auf die beiden Anbauländer entfallen insgesamt 76 Prozent der 2022 geernteten Hopfenmenge. Nur auf USA und Deutschland 76 Prozent. Ganz interessant. Und nach Tschechien kommt auf Platz 4 China mit 2.424 Hektar. Und übrigens müsste man, weil du vorhin auch Fake News angesprochen hast, Flo, müsste man an dieser Stelle oder müsste man eben auch nicht Äthiopien nennen. Denn manche Quellen melden, es sei das drittgrößte Hopfenanbauland der Welt. Und warum ist das so? Also ich habe auch erst mal gestutzt, so geguckt. Wo kommt jetzt Äthiopien? Den hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Aber dort wird neben Hopfen auch Gesho. Weiß gar nicht, ob das so ausgesprochen wird, aber wahrscheinlich eine Gesho angebaut. Das ist eine Pflanze, die eben auch in Teilen der Welt als Bitter- und Konservierungsstoff im Bier verwendet wird und auch in anderen Lebensmitteln. Und clevererweise wird diese Pflanze von der äthiopischen Regierung in ihrem Agrarbericht als Hopfen aufgeführt. Und so gibt es dann manchmal Quellen, gerade so Statistikquellen, die einfach die nackten Zahlen nehmen. Und ja, so landet Äthiopien auf Platz drei hin und wieder [28], [29], [30], [31], [32], [33], [34].
Flo Da habe ich eine spannende Ergänzung dazu. Ja, weil ich habe das auch bei meinen Recherchen gefunden und mir ging es ganz genau wie dir, habe gedacht Hä? Ging da jetzt etwa die letzten zehn Jahre irgendwas an mir vorbei? Das gibt es doch gar nicht. Äthiopien-Hopfen. Und ich habe dann neben den Statistikquellen auf Bundestag.de [35] den Agrarwirtschaftsbericht von Äthiopien gefunden als PDF. Und da gab es eine Tabelle. Da gab es eine Tabelle, wo auch drinnen halt neben Zuckerrohr stand, da ist auf Deutsch, neben Zuckerrohr stand da Hopfen drin mit 37.000 Hektar oder so. Da habe ich gedacht, das gibt es doch nicht. Das muss doch stimmen. Aber es ist ja so, wie du es eben erklärt hast, dass die sich eben dafür entschieden haben, dieses Gesho halt als Hopfen zu bezeichnen. Aber ja, Bundestag.de.
Paul Ja, das ist so. Das ist echt mittlerweile echt crazy, wie man schauen muss. Also am besten eine Quelle mit mehreren anderen Quellen verifizieren. Dann kann man irgendwie das wirklich bestätigen, dass es so ist. Also na ja, also das war echt witzig. Gehen wir mal wirklich nach Deutschland rein, weil es auch wirklich interessant ist. Das größte Anbaugebiet Deutschlands und gleichzeitig das größte zusammenhängende, das ist in dem Fall wichtig, zusammenhängende der Welt, ist die Hallertau in Bayern. Hier haben wir 854 Betriebe. Die bauten auf insgesamt 17.100 Hektar im Jahr 2022 Hopfen an. Und der Hopfenanbau in Deutschland grundsätzlich geht auch zurück seit 21. Wir haben, wenn man jetzt mal ein bisschen in die Details reingeht, einen leichten Rückgang beim Anteil der Aromasorten auf 53,3 Prozent. Den größten Flächenrückgang übrigens haben wir bei Sorten wie Hersbrucker Spät, Saphir, Spalter, Select, Tettnanger, Mittelfrüh, also diese ganzen klassischen feinen Aromasorten. Wir haben einen Flächenzuwachs hingegen bei Perle und der neuen Aromasorte Akoya zum Beispiel. Komme ich später auf jeden Fall nochmal drauf zurück. Und bei der Bitterhopfenfläche, da haben wir eine leichte Zunahme. Ältere Bitterhopfen verzeichnen einen Rückgang. Magnum, Taurus, Nugget, Klassiker. Aber neue Alphasäure reichen. Gleiche Sorten wie Herkules und Polaris gewinnen an Fläche. Und Herkules, kann man hier auch nochmal sagen, ist mit Abstand die größte Hopfensorte Deutschlands mit ca. 7.000 Hektar. Und das ist ungefähr ein Drittel der Gesamtfläche vom Anbau Deutschlands. Ja, ansonsten, ich habe hier noch so ein paar Fakten rausgesucht. Flo, du kannst ja als alter Hopfenpflanzer, kannst du ja wahrscheinlich da relaten und kannst mich auch gerne korrigieren. Aber ich habe mir noch so ein paar andere Fakten rausgesucht und zwar über den Hopfenanbau. Und zwar über den industriellen Hopfenanbau. 30 Jahre bleiben Hopfenpflanzen üblicherweise am Feld. Erst dann werden sie ausgetauscht. Eine Hopfenanlage zu errichten, bedeutet ungefähr eine Investition von 40.000 Euro pro Hektar. Und um von der konventionellen Hopfenerzeugung leben zu können, braucht man ungefähr 10 Hektar. Ich habe mir mal eine Hausnummer, also so 400.000 muss ich mal investieren, damit ich hier im Westerwald mithalten kann. Die großen Playern und davon leben kann. Und jetzt noch zu den Arbeitsstunden. Was ich da gefunden habe, ist natürlich ein bisschen unterschiedlich. Aber so pro Hektar sagt man Hopfenanbau 350 bis 700 Arbeitsstunden. Und im Vergleich der Weinanbau erfordert 800 Arbeitsstunden. Da ist man sich recht einig. Getreideanbau im Vergleich 5 bis 15 Arbeitsstunden. Also relativ wenig gegenüber den anderen beiden. Und zu guter Letzt, Flo hat es natürlich schon gesagt, Pharmazie ist natürlich auch. Wir haben Hopfen interessiert, also gerade wegen der engen Verwandtschaft mit Cannabis. Aber wenn wir jetzt mal bei den Getränken bleiben, dann wird Hopfen natürlich lange nicht mehr nur für Bier eingesetzt. Sondern da gibt es natürlich andere Trends wie Hop Water, Hop Kombucha. Flo, das hast du, glaube ich, auch schon mal ausgetestet, wenn ich das bei Instagram richtig gesehen hatte.
Flo Exakt.
Paul Es gibt Hop Tonic. Ja, es gibt Hop Tonic Water. Und natürlich, weil es auch ein bisschen alleine steht, für sich steht, Alkoholfreies, alkoholarmes Bier, die wir natürlich auch gerne mit Hopfen ausgestattet. Das haben wir ja in unserer Folge darüber ausführlich berichtet. Das zu den Zahlen, Daten, Fakten.
Flo Ja, super spannend. Also ich war spannenderweise dieses, nee, dieses Jahr, letztes Jahr auf einer Hopfenfarm in der Hallertau zur Erntezeit. Warum eigentlich, Flo? Das weiß ich gar nicht mehr. Ja, weil ich… Weil ich irgendwann auch mal ausnahmsweise ein gutes Bier gebraut habe und davon hier bei Maisel den dritten Platz gemacht hatte.
Paul Ja, sehr gut.
Flo Amber Ale, genau. Und genau, deswegen war ich da. War ein megacooler Tag. Aber warum mir das einfällt, weil du das gerade mit den Drahtanlagen und was die Kosten gesagt hattest, dem hatte es da einen Großteil seiner Drahtanlage wegen einem heftigen Sturm umgelegt. Oh, okay. Und da wurde jetzt quasi auch… Auch wegen, weil es absehbar ist, dass die Stürme immer heftiger werden oder Gewitter immer lokaler und damit die Belastung für die Drahtanlagen größer, dass man da jetzt eben auch von diesem, sag ich mal, klassischen, wie man es kennt, mit diesen großen Holzpfosten und einer Drahtanlage, dass man das dann auch auf Betonpfeiler, die einfach dann widerstandsfähiger sind, dass man da für die Zukunft gerüstet ist, umstellt. Fand ich auch spannend. Und da werden die Invests sicherlich, die du gerade vorgelesen hast, pro Hektar… Ja. …noch mal weiter nach oben gehen.
Paul Nach oben schießen.
Flo Ja. Von daher, ja, also der Klimawandel ist da auch bei der ganzen Thematik echt ein wichtiges Thema. Aber zuerst…Sollte man auf jeden Fall einen Blick haben.
Geschichte
Flo Zuerst kommen wir…
Paul Jetzt reibt er sich schon die Hände, hört ihr das?
Flo Ja. Aber ja, heute ist es mal wieder schwierig, weil auch da, da gibt es so viele Infos aus dem Geschichtsbereich zum Hopfen, die man erzählen könnte, dass man das jetzt irgendwie die nächsten……Minuten in ein passendes Korsett zwängen kann. Ich bin mal gespannt, ob mir das gelingt. Ich gebe mein Bestes. Als Einstieg habe ich für heute gewählt zwei Zitate von zwei meiner Lieblingsautoren im Bierbereich, beides auch Blogger, Lars Garshol und Martin Cornell. Der Lars hat auf seinem Blog gesagt, eines der größten Rätsel in der Geschichte des Bieres ist die Frage, wann und wo man begann, Hopfen im Bier zu verwenden. Wir kennen die Antwort immer noch nicht, aber wir wissen einiges. Und das, was wir wissen, unterscheidet sich ziemlich von der Geschichte des Hopfens, wie sie die meisten Menschen kennen [36].
Und der Martin, der hat gesagt, eine der großen unbeantworteten Fragen in der Geschichte des Bieres ist, warum die Brauer erst etwa 9000 Jahre nach Beginn des Bierbrauens begannen, Hopfen zu verwenden [37].
Beides spannende Zitate, wie ich finde. Deswegen habe ich sie rausgesucht. Mal gucken, ob wir in den nächsten Minuten… So ein paar Antworten zumindest liefern können. Genau, steigen wir ein. Ich hatte vorhin schon erwähnt, dass Hopfen in Europa schon lange Zeit beheimatet ist, lange Zeit wild wächst. Die ersten archäologischen Funde von Hopfenblüten, die sind circa 9000 Jahre alt, stammen aus Schweden, spannenderweise. Und die zeigen ja im Prinzip auf, dass der Hopfen in irgendeiner Form genutzt wird in Europa. Schon lange Zeit, bevor man damit Bier gebraut hat. Und wenn man so ein bisschen im Netz schmökert, ist es ähnlich, wie wir es heute schon mal hatten. Da findet man relativ schnell ein paar Mythen. Da gibt es Quellen, die eben sagen, dass bereits die Babylonier und die Ägypter Hopfen zur Bierherstellung verwandten. Es gibt Berichte, die sagen, dass jüdische Exilanten in der babylonischen Gefangenschaft, circa 600 vor Christus, Hopfenbier als Schutz gegen Lepra tranken [38]. Und viele weitere solche Geschichten findet man. Aber unterm Strich kann man sagen, mal wieder alles Fake News. Nämlich alles, was man weiß, deutet darauf hin, dass in frühester Zeit des Bierbrauens kein Hopfen im Bier verwendet wurde. Und wenn man die richtigen Quellen heranzieht, findet man, dass die Sumerer, circa 5000 vor Christus, die Ägypter, circa 3000 vor Christus, in allen Sachen, die da bekannt sind, da ist nirgends von Hopfen die Rede. Da wird kein Hopfen den Bier ähnlichen Getränken, sage ich mal, zugegeben. Und auch in dem Gesetz Hammurabi, circa 2000 vor Christus, wo die Bierherstellung ein bisschen besser schon beschrieben ist, wird auch Hopfen noch nicht erwähnt. Das heißt, wenn man so weit zurückguckt, hat Hopfen wirklich noch keine Rolle gespielt. Und unterstützt wird dies auch durch analysierte Bierfunde, die man an unterschiedlichen Orten in Europa auch gefunden hat, die auch bis 3000 vor Christus zurückgehen. Da gibt es mehr aus dem skandinavischen Raum und auch aus anderen Orten. Und alle haben keine Hinweise darauf, dass der Hopfen Teil der Würze oder Teil des Bieres war. Die ersten schriftlich dokumentierten Beispiele für die Verwendung von Hopfen, die sind aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. Das bekannteste ist aus dem Jahr 822. Ah, natürlich aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Das bekannteste ist 822 nach Christus aus dem Statut des Abtes von Corbie in Nordfrankreich. Dazu sagen muss man, dass auch wenn die erste schriftliche Quelle erst aus dem ersten Jahrhundert nach Christus ist, ist das noch kein eindeutiger Beleg, dass da auch erst wirklich begonnen wurde, Hopfen im Bier einzusetzen. Weil wie wir alle wissen, wurde Bier hauptsächlich in der Zeit zu Hause gebraut. Und da wurde sicherlich nicht alles dokumentiert und ist schon gar nicht erhalten. Das heißt, das ist noch kein eindeutiger Beleg. Um dem ein bisschen mehr auf die Schliche zu kommen, muss man sich auch archäologische Befunde angucken. Und da gibt es mehrere, sowohl nördlich der Alpen als auch südlich der Alpen. Also heutiges Norditalien gibt es ca. 550 vor Christus Funde aus Gräbern, wo eben Becher gefunden worden sind, die noch Reste enthalten haben des Getränks, was da drin war. Und genauso war es auch im Norden der Alpen. Und das waren immer…Es war immer ein Mix aus Getreiderückständen und Hopfenrückständen. Das heißt, man weiß daher auch schon, dass im ersten Jahrhundert vor Christus Hopfen im Bier im Alpenraum verwendet wurde. Und aufgrund der hohen Konzentration an unterschiedlichen Funden kann man davon ausgehen, dass ungefähr in diesem Gebiet es begonnen hat, dass man Hopfen auch im Bier verwendet hat. Also deutlich vor dem, wo wir die ersten schriftlichen Belege haben. Und um so ein bisschen aufzulockern, nach dem ganzen Deep Dive geschichtliche Fakten, habe ich noch einen weiteren Mythos. Aber da müssen insbesondere die Hop Head stark sein, weil es geht um Pliny the Elder von Russian River [39], [40]. Da kann man auf der Internetseite von Russian River nachlesen. Plinius der Ältere lebt im ersten Jahrhundert nach Christus. Unsere Brauereiweisen zufolge haben er und seine Zeitgenossen entweder den botanischen Namen erfunden, oder zumindest über Lupus Salictarum, den Hopfen, der heute als Humulus Lupus bekannt ist, geschrieben. Wieder muss man sagen, zumindest teilweise vermutlich Fake News. Da gibt es einen sehr detaillierten Blogartikel bei Martyn Cornell, verlinken wir euch in den Shownotes [41], der das alles so ein bisschen zerpflückt hat, was wirklich in den ganzen Schriften von Plinius dem Älteren erwähnt ist. Ja, da wird eine Pflanze, die Lupus Salictarius heißt, erwähnt. Da handelt es sich auch um eine Kletterpflanze. Aber es gibt keinerlei Beweise, dass damit Hopfen gemeint ist. Und auch in den Schriften wird auch nur davon geredet, dass das zum Verzehr verwendet wird. Da ist also auch nichts als Einsatz im Getränk erwähnt oder ähnliches. Das heißt, vielleicht hat das beste Double IPA auf dem Planeten seinen Namen zu Unrecht bekommen. Wer weiß. Genau, und wenn wir weiter an der Geschichte voranschreiten, auch zu Zeiten der Wikinger, also zwischen 800 und 900 nach Christus, gibt es überall durch Europa, von Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Schweden und Russland, überall Funde von Getränkerückständen. Und da war es wieder so, dass eben Getreide und Hopfen nachgewiesen werden kann. Das heißt, das verdeutlicht auch, dass sich das Hopfenbier auch in dem Zeitraum schon über größere Flächen verbreitet hatte. Und weil es so schön war, habe ich gleich noch einen Mythos. Oder man kann es auch als Archäologen Rätsel bezeichnen. Das sogenannte Graveney-Hopfenboot aus 950 nach Christus [42]. Das wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts im südlichen England gefunden, was große Mengen an Hopfen enthalten hat. Und man sagt auch, dass es der Hauptteil der Fracht eben der Hopfen war. Und viele sagen jetzt sicherlich, ja, stopp, halt mal. Ihr habt doch schon mal am Podcast erzählt, dass in England der Hopfen erst viel, viel später, im 15. Jahrhundert, eine Rolle gespielt hat. Weil es eben lange gedauert hat, bis der Hopfen mal auf die Insel gekommen ist. Dieses Graveney-Boot, als auch die Funde zur Wikingerzeit aus Großbritannien, die zeigen so ein bisschen auf, dass das vielleicht nicht unbedingt stimmt. Dass der Hopfen es durchaus früher auf die Insel geschafft hat. Dass die Leute damals besser vernetzt waren, als man heute glauben mag. Und dass auch der Hopfen den Weg ins Bier gefunden hat. Aber aus irgendeinem Grund hat er sich wahrscheinlich nicht durchgesetzt. Und wenn man da so ein bisschen… Also ein bisschen mehr in der Geschichte nachguckt, warum das so ist, dann kommt man wieder auf die Theorie, dass der Hopfen erst seinen Siegeszug so richtig im Bier bestreiten konnte, nachdem die Brauer begonnen haben, das Bier zu kochen [43]. Wenn man geschichtlich das Ganze betrachtet, muss man sagen, dass Bier die meiste Zeit nicht gekocht wurde. Die meiste Zeit war Bier, wie man heute sagt, wie man in der Farmhauskultur sagt, Raw Ales. Bis ins 13. Jahrhundert waren Biere nun mal ungekocht. Und man vermutet, dass deswegen der Hopfen lange Zeit nur eine von vielen Bierzutaten war. Seine Bitterstoffe nicht ins Bier transportieren konnte, in dem Maße, wie man das heute kennt. Weil die Würze nicht gekocht wurde und auch nicht seine ganzen positiven Eigenschaften in dem Maße entfalten konnte, wie man das heute kennt, wenn man eben die Würze kocht. Und das wird auch da… Dafür verantwortlich sein, dass es eben noch mal eine Weile gedauert hat, bis ins 15. Jahrhundert, dass sich der Hopfen auch in England als Biergewürz oder als das Biergewürz durchgesetzt hat. So, werfen wir nun einen Blick auf Deutschland. Einigen Quellen zufolge hat der Hopfenanbau gestartet 736 n. Chr. in der heutigen Hallertau [44]. Wobei urkundlich belegt und gesichert ist der Anbau von Hopfen auf bayerischem Gebiet erst ab dem 9. Jahrhundert. 1160 hat dann die Universalgelehrte Hildegard von Bingen bereits in ihrem Werk Physica über die Wirkung des Hopfens geschrieben. Jedoch muss man sagen, bis ins 16. Jahrhundert waren mit Abstand die größten Hopfenanbaugebiete in Norddeutschland [45]. Gründe, die man hier aufführen kann, ist eben, dass die Brauindustrie im Norden zu der Zeit durch die Hanse und durch die Handelswege florierte [46]. Und dementsprechend war da auch eben der Bedarf da. Hopfen war zu der Zeit auch schon ein wichtiges Handelsgut und wurde über die Ostsee bereits nach Skandinavien und England exportiert. Und zu den wichtigsten und größten Hopfenanbaugebieten gehörten zu dieser Zeit Braunschweig, Hannover und das Gebiet des Großen Freien. In der Hallertau, ist wichtig zu wissen, wurde zu dieser Zeit noch hauptsächlich Wein angebaut. Der Hopfenanbau hat sich da erst wesentlich später durchgesetzt. Das erste größere Hopfenanbaugebiet im süddeutschen Raum. Das ist 1538, der Orts Spalt in Franken. Und wichtig zu erwähnen ist, dass die auch das erste Hopfenanbaugebiet waren, das ein sogenanntes Hopfensiegel erhalten hat. Also das erste weltweite sogar. So richtig in Tritt ist im süddeutschen Raum der Hopfenanbau erst nach dem 30-jährigen Krieg gekommen, im 17. Jahrhundert. Und im 18. Jahrhundert gewann dann vor allem das Gebiet Hersbruck, örtlich von Nürnberg, an Bedeutung. Als großes Hopfenanbaugebiet. Und der Hersbrucker Hopfen wurde dann sogar bis ins Elsass exportiert und auch angebaut. Und hat dann eben den Namen Strisselspalter bekommen. Ich denke, das ist einigen ein Begriff, weil es einer der bekannten Landsorten ist. Und zusätzlich entwickelte sich in diesem Zeitraum ein überregionaler Hopfenhandel mit den Handelszentren Nürnberg und Bamberg [47]. Und so richtig in Tritt ist der Hopfenanbau im heutigen Bayern ab ca. 1850. Und hat da fast schon Goldrausch-hafte Züge angenommen. Ausschlaggebend hierfür waren, dass das Brauwesen immer größer skaliert hatte, wegen dem Thema industrielle Revolution, wo wir schon mal drauf eingegangen sind. Und weil natürlich die Eisenbahn dazu geführt hat, dass man eben auch den Hopfen an die entlegensten Orte transportieren konnte. Ganz besonders hervorzuheben ist bei der ganzen Erfolgsstory die Entwicklung der Hallertau, wo sich der Hopfenanbau bis Ende vom 19. Jahrhundert, im großen Stile ausgebreitet hat. Und dann hat es nicht mehr lange gedauert, nämlich um genau zu sein, bis 1912. Da war dann die Hallertau erstmal das größte Hopfenanbaugebiet Deutschlands. Und den Titel, den haben sie bis heute nicht mehr hergegeben. Wenn wir da auch noch kurz nach Tschechien blicken, passend zur heutigen Folge, da kann man sagen, auch ein ultraspannendes Hopfenanbaugebiet. Und die haben auch absolut zu Recht, 2023 hat die Stadt Zatec, besser bekannt als Saaz in Nordwestböhmen, die haben es auf die Liste vom UNESCO-Weltkulturerbe geschafft [49], [50]. Und das ist ihnen als erste Hopfenanbau-Landschaft der Welt gelungen, diesen Status zu bekommen. Und übrigens war auch dieses Hopfenanbaugebiet das erste, was es geschafft hat, dass ihre Hopfenerzeugnisse als europäisch geschützte Ursprungsbezeichnung registriert wurden [51]. Die deutschen Anbaugebiete haben das mittlerweile auch, aber erst ein paar Jahre nach Zatec ist es uns gelungen. Die Geschichte von dem Saazer Hopfenanbaugebiet, die geht auch ziemlich weit zurück in die Geschichte. Die ersten nachgewiesenen Verkäufe sind hier aus 1088 [48]. Und bereits im 10. und 11. Jahrhundert haben deutsche Brauer bevorzugt Hopfen aus der böhmischen Gegend importiert und für ihre Biere verwendet. Im 14. Jahrhundert waren dann die ganzen Transportwege schon besser ausgebaut. Und das war auch der Grund, dass zu der Zeit der größte Hopfenmarkt, der war zu der Zeit in Hamburg, eben wegen dem ganzen Thema Hanse, was ich schon erwähnt hatte, auch da hat es der böhmische Hopfen im 14. Jahrhundert schon hingeschafft.
Und was auch noch wichtig zu erwähnen ist, dass der Saazer Hopfen auch verantwortlich ist für andere bekannte Hopfensorten, aus dem Landsortenbereich. Nämlich der Spalter und der Tettnanger sind letztendlich Klone, die aus dem Saazer Hopfen hervorgegangen sind, indem man eben Fechser von dem Saazer in den anderen Regionen angebaut hat. Natürlich, weil der Saazer Hopfen so beliebt war, wurde der auch ab 1774 gesiegelt. Hier waren die Tschechen ausnahmsweise mal später dran, weil in Deutschland, wie schon erwähnt, deutlich früher schon Hopfensiegel eingeführt wurden. Und letztendlich hat diese ganze Beliebtheit dazu geführt, dass bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hopfenanbaufläche Stück für Stück immer weiter gestiegen sind. Und dann zusätzlich auch nochmal dazu geführt haben, dass der Hopfen quasi weltweit exportiert werden konnte. Hauptsächlich waren geringe Ernten in England und USA dafür verantwortlich, dass auch Anfang des 20. Jahrhunderts der deutsche und tschechische Hopfenmarkt weiter florierte. Und im Böhmischen hat es dazu geführt, dass man 1907 die jemals größte Hopfenanbaufläche hatte mit fast 20.000 Hektar. Das ist, um es in Zahlen zu fassen, ungefähr vergleichbar, was die Hallertau heute hat. Und in Deutschland in dem Zeitraum hatte man sogar 27.000 Hektar. Als Vergleich heute 20.000 Hektar. Nur, wie es immer so ist, nach so einem Hoch kommt auch mal wieder ein Tief. Und da kamen dann so einige Rückschläge. Auf der einen Seite haben die Kollegen, in den USA und England, bezüglich ihres Hopfenanbaugebiets und Hopfenausschlag oder Ertrag immer mehr zugelegt. Dementsprechend konnten wir sowohl in Deutschland als auch in Tschechien nicht mehr so viel exportieren. Das, um es in Zahlen zu fassen, hat bis 1913 dazu geführt, dass in Deutschland die Hopfenanbaufläche um fast 50 Prozent geschrumpft ist [52]. Am stärksten hat es die Länder Preußen und Baden betroffen, am geringsten Bayern. Aber das sieht man mal wieder in relativ kurzer Zeit. Ja, die Hopfenanbaugebiete sehr, sehr stark geschrumpft sind. Und in Böhmen, da habe ich jetzt zwar keine Zahlen parat, aber da war das ähnlich. Das sind wir halt in den Zeiten vom Ersten Weltkrieg. Das war dann quasi der nächste Rückschlag, der natürlich auch der Hopfenindustrie sehr stark geschadet hat. Und es kam eine Pilzkrankheit auf, die Hopfenperonospora. Die war zu der Zeit quasi neu und hat zusammen mit der Weltwirtschaftskrise in dem Zeitraum die letzten Rückschläge der ganzen Industrie verpasst, was sich dann letztendlich in diesem sehr starken Rückgang der Anbauflächen niedergeschlagen hat. Und genau auch wegen dieses Peronospora-Befalls ist einiges passiert in der Hopfenindustrie. Das hat unter anderem auch dazu geführt, weil eben auch durch diese Krankheit die Landsorten so stark befallen waren und es fast zu vollständigen Ernteausfällen kam, wurden in allen großen Hopfenanbauregionen auf der Welt neue Hopfenforschungszentren gegründet. Das heißt einmal in Böhmen, in Zatec, in den USA, in Oregon und selbstverständlich in Deutschland in Hüll. Und die hatten dann die Aufgabe, neue Hopfensorten zu züchten, die resistenter sind gegen diese neu aufgekommene Krankheit. Es hat aber dann fast 30 Jahre gedauert, bis da die ersten Hopfensorten auf den Markt gekommen sind. Nur die Problematik war, die Brauer haben sich schwer getan, diese neuen Hopfensorten auch zu verwenden. Parallel dazu ist eine weitere Krankheit, die Welke, immer mehr ans Tageslicht gekommen und da waren die Züchtungen schon gar nicht mehr darauf ausgelegt. Deswegen hat es letztendlich noch mal einige Jahre gedauert, bis auch diese neuen Zuchtsorten ihren großen Durchbruch feierten. Und das war dann, um es genau zu nehmen, in den 70er Jahren, im letzten Jahrhundert, dass dann eben großflächig neue Zuchtsorten, die krankheitsresistenter sind, quasi in allen Anbaugebieten, letztendlich aus diesem Hopfenforschungszentrum hinaus das Tageslicht erblickt haben und dann letztendlich auch für die Biere eingesetzt worden sind. Was noch bemerkenswert ist für die Saazer Hopfensorte, für die Saazer Landsorte, für den tschechischen Hopfenanbau, dass es das einzige Hopfenanbaugebiet ist, wo die traditionelle Landsorte, also in dem Fall die Saazer Sorte, bis heute noch den Anbau dominiert. In allen anderen Anbauländern sind die Landsorten immer mehr von der Bildfläche verschwunden, haben nur noch einen geringen Prozentsatz ausgemacht von den Anbauflächen. Das sind eher die neuen, gehypteren Hopfensorten oder die krankheitsresistenteren, die mehr Erträge liefern, angesagt. In Tschechien hat sich der Saazer eben bis heute erhalten und macht dann nach wie vor einen Großteil von dem Ertrag aus. Was auf jeden Fall auch zusätzlich nochmal für diese Sorte spricht. Ich habe fertig.
Paul Ja Flo, das war wirklich wieder ein Rundumschlag in der Geschichte. Also ich glaube, das war ziemlich, ziemlich cool. Und ich muss sagen, ich bin so ein bisschen ins Träumen gekommen, als du vom Hopfenmarkt im 14. Jahrhundert in Hamburg erzählt hast. Und ich glaube, wenn ich irgendwann mal Zeit reisen kann, ich würde da gerne mal drüber schlendern. Das würde ich mir tatsächlich ganz gerne mal angucken. Wie es da zu ging und was da für Hopfen rumliegt. Also nicht schlecht. Aber bevor wir jetzt da weitergehen und wenn ich so auf die Uhr gucke, dann auch vielleicht gar nicht mehr ganz so lange, aber ein kurzes Bierpäuschen.
Bierpause
Paul Hast du dir was eingeschenkt, Flo?
Flo Aber selbstverständlich.
Paul Du musst dir jetzt auch ein bisschen die Stimme wieder ölen. Du hast ja jetzt genug erzählt.
Flo Ich habe wieder ein alkoholfreies. In dem Fall von Nittenauer. Freie Liebe [53]. Ist ein alkoholfreies Lager. Leicht, malzig, weich. Steht auf der Flasche drauf. Mit Sultana und Lotus gehopft. Habe ich gerade noch auf der Rückseite geschaut. Ich habe das auch geschaut, weil es eben so ein bisschen noch auch fruchtige Nuancen hat. Leicht ist es. Logischerweise. Es ist wirklich sehr weich. So gewisse Fruchtnuancen. Malzig ist auch da. Also überraschend. Nee, nicht überraschend. Ich weiß ja, dass die alkoholfreie Biere können. Ist echt gut. Also blind wäre ich nicht drauf gekommen. Okay. Als Session. Irgendwas Session mäßiges mit zwei, drei Prozent oder so hätte ich da getippt. Schönes Bier. Und kannst du mithalten. Was hast du?
Paul Vom Alkoholgehalt auf jeden Fall. Wir wollen ja ein bisschen drauf achten, was wir, wie viel wir so trinken. Also wir zwei jedenfalls. Ihr müsst es natürlich nicht machen da draußen. Also gönnt euch. Aber ich habe mir ein Glas Wasser eingeschenkt. Wow. Ja, ich habe jetzt kurz geguckt, ob ich noch irgendwas alkoholfreies habe, was mich anlacht. Aber das war nicht so. Und dann habe ich gedacht, ach komm. Gibt es ein Wässerchen? Ist auch nicht schlecht.Das hilft vielleicht jetzt auch nochmal, den Überblick zu behalten für den Ende der Folge. Cool, cool.
Flo Und was haben wir noch auf der Pfanne für heute?
Hopfeneinsatztechniken
Paul Um so einen kleinen Rundumschlag wirklich zu machen, haben wir uns überlegt, dass wir auf jeden Fall jetzt nochmal kurz auf die Hopfen-Einsatztechniken eingehen und da vielleicht auch nochmal ein paar zumindest erwähnen, kurz beschreiben, die vielleicht nicht jeder, wie du sagst, auf der Pfanne hat, die nicht jeder vielleicht auch schon mal angewendet hat.
Flo Ja, also da gibt es ja wirklich unterschiedlichste Techniken [54]. Unterschiedlichste Dinge. Fangen wir mal an. Mash-Hopping [57]. Ich denke gerade in Zeiten von thiolisierten New England IPAs hat es der eine oder andere sicherlich gehört. Klar, klassische Hopfengaben während dem Kochen. Whirlpool-Aroma-Gaben. Manche, das ist ja so ein bisschen Artverband, bezeichnen das ja auch als Hop-Stand, wenn man dann mit den Temperaturen mal ein bisschen niedriger geht. Dann bin ich erst vor kurzem drüber gestolpert. Thema Dip-Hopping. Ja. Dry-Hopping. Wer kennt es nicht? Und was unter dem Thema Dry-Hopping so ein bisschen neu ist, wo es erste Studien gibt, ist ein Second-Dry-Hopping. Und ich meine in dem Fall nicht Double-Dry-Hopped. Damit ist gemeint, man spricht da auch von einem Recycling oder Nutzung von Spent-Hops [55]. Das heißt, dass man den Hopfen-Slurry, nenne ich jetzt mal, von einem Dry-Hopping für ein nächstes Bier nochmal verwendet. Oder um es ein bisschen plakativer zu machen. Ihr habt ein Bier im Tank gehabt und hattet es gestopft. Zieht das Bier dann irgendwann ab, wenn sich die Hopfen abgesetzt haben. Und das, was da übrig bleibt, dass man eben das wiederum für ein weiteres Bier verwendet. Das ist damit gemeint. Gehe ich aber gleich noch ein kleines bisschen detaillierter darauf ein, dass sich das ein bisschen jeder besser vorstellen kann. Und aus der Farmhouse-Geschichte. Hopfentee, Hoptea. Ich denke, das hat der eine oder andere auch schon gehört. Dass man gerade zum Beispiel bei Raw-Ales, also wenn ich nicht koche, dass man eben separat mit Wasser oder mit Würze eine kleinere Menge, ja einen Hopfentee, wo man den Hopfen drin ziehen lässt. Und das dann später, kann man auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten machen, dann eben zugibt. Also relativ breites Spektrum, was man da alles so treiben kann. Bei dem Dip-Hopping, da vielleicht Frage an dich, Paul. Hast du das schon mal gehört oder vielleicht sogar schon mal gemacht?
Paul Gemacht noch nicht. Gehört schon. Also ich habe auch schon mal überlegt, also ich könnte das auch umsetzen. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es ja darum, dass es quasi so eine Brücke zwischen dem Whirlpool-Hopfen und dem Dry-Hopping ist. Heißt, dass man die Würze abkühlt und dann ist eben die Frage, wie man das Prozess-technisch umsetzt. Aber dass man sie abkühlt und dann eine Art Hopfen, also was heißt eine Art Hopfen, aber einen Hopfen dazu gibt und aber noch nicht die Hefe dazu gibt. Sondern dass man dann so das Bier auf diesen Hopfen lässt und dann quasi erst die Gärung startet. Und das Besondere dabei ist, dass man den Hopfen nicht einfach vorlegt und das Bier drauf lässt, sondern dass man quasi einen Auszug macht und damit dann später in die Gärung startet. Wie man das genau umsetzt, weiß ich noch nicht. Aber man könnte ja nach dem Kochen kühlen und dann schon vorbereitet haben im Tank, im Gärtank. Diese Hopfengabe.
Flo Im Prinzip stimmt das so.
Paul Könnte man so umsetzen, oder?
Flo Könnte man so umsetzen. Wir werden euch da auch was in den Shownotes aus Brew Your Own und anderen Quellen verlinken [56]. Einige Hobbybrauer in den USA machen es eben so, dass sie, wie du es gesagt hast, entweder heißes Wasser oder einen Teil der Würze abziehen, ungefähr auf Whirlpool-Temperatur. Also man redet dann eben zwischen 60 und 80 Grad. Einen kleinen Teil der Würze von eurem Sud dann eben in den Tank packt, da die entsprechende Dip-Hop-Menge das Ganze dann halbe Stunde bis Stunde ziehen lässt und dann die restliche gekühlte Würze mit dazugibt und dann die Hefe entsprechend pitcht. Und was man sich davon verspricht, ist so ein bisschen das Beste aus zwei Welten. Also es soll irgendwie zwischen klassischem Whirlpool und Dry Hopping bezüglich Aromen, bezüglich Biotransformation liegen. Weil, was man ja nicht vergessen darf, im Gegensatz zum Whirlpool, die Hopfenmenge, die man da eine Stunde hat ziehen lassen mit der kleinen Menge Würze oder Wasser, das bleibt ja im Bier, wenn die Hefe dazukommt. Das heißt, Thema Biotransformation, Thema Stopfen während der aktiven Gärung ist dann halt eben ein Thema, was es dann vom Whirlpool-Hopfen, vom klassischen unterscheidet. Nach den Quellen, die ich da gelesen habe, sollen auch unangenehme, Aromen wie sie durch ein Thiol 2M3MB entstehen können, was in Richtung Zwiebel-ähnliche Aromen geht, genau. Das soll reduziert werden und damit auch die eigentlichen Hopfenaromen von den Terpenen etc., die sollen halt da auch dann besser herauskommen. Also insgesamt weniger Störgeräusche, klarere Fruchtnuancen, so will ich es umschreiben. Das verspricht man sich davon. Es gibt auch eine Empfehlung. Welche Hopfen sollten sich da aufgrund der Ölqualität des Whirlpools verändern? Also, wenn man da so ein bisschen mehr Würze-Zusammensetzung gut dafür eignen soll, sind die üblichen Verdächtigen dabei. Von Cascade, Centennial bis hin zu Motueka und Amarillo zum Beispiel. Also insgesamt klingt es spannend, aber ich glaube, das muss man einfach mal ausprobieren. Ob es jetzt der Stein des Weißen ist, glaube ich nicht, aber immer mal was Neues.
Paul Ja Flo, du hast ja gesagt, es gibt so ein paar Nebengeräusche, die natürlich vor allen Dingen entstehen können, wenn man eben viel stopft, wenn man viel Hopfen dazu gibt. Zwiebelgeschmack ist da sowas. Zwiebelknoblauchig. Für mich ist es auch so ein bisschen Frühlingszwiebel. Manchmal habe ich auch schon eine Biere gehabt.
Hop Creep
Paul Aber es gibt auch so ein paar Sachen, die können einem richtig auf die Füße fallen, wenn man eben viel Hopfen einsetzt. Also es reicht nicht immer nur, viel Hopfen einzusetzen und man kriegt ein geiles, fruchtiges Bier. Da in dem Zusammenhang wird ja ganz oft jetzt auch Hop Creep genannt [58], [59]. Was ist das? Wie entsteht es?
Flo Das ist mal wieder so eines dieser Buzzwords, was man überall hört auf jeden Fall. Also Hop Creep ist im Prinzip eine sekundäre Gärung, die insbesondere in stark hopfengestopften Bieren entstehen kann. Letztendlich entsteht das dadurch, dass durch die zugesetzten Hopfen neue fermentierbare Zucker entstehen können. Um genau zu sein, der Hopfen enthält Enzyme, der eben bisher unfermentierbare Dextrine in der Bierwürze dann nochmal kleiner hacken kann und zu fermentierbaren Zuckern dann dadurch umwandeln kann. Und wenn dann eben noch Hefe da ist, aktive Hefe, führt das dann eben zu der erwähnten weiteren Gärung. Und das kann ja fast schon böse Folgen haben, würde ich sagen. Die Biere können dadurch, also die bekommen halt dadurch einen höheren Vergärgrad als geplant, werden dadurch schlanker. Ich sage mal, das ist ja erstmal nicht so schlimm. Aber damit einhergehend tut natürlich auch eine mögliche Überkarbonisierung, wenn ich gerade schon im Gebinde bin. Wenn ich schon im Gebinde Flasche, Dose bin, kann das eben im schlimmsten Fall dazu führen, dass die da stürmisch raus wollen. Und ja, bis zu Flaschenzerberstung, Dosen explodieren, kann da alles passieren. Deswegen war das ja auch die letzten Jahre hier und da mal in den Medien. Das Risiko steigt, je mehr Hopfenmenge ich stopfe letztendlich und kann auch zu Fehlaromen führen. Diacetylbildung. Das heißt, wenn da die Hefe nochmal anspringt durch die neuen fermentierbaren Zucker, die dann auf dem Buffet sind, kann sich das eben bilden. Und insbesondere in stark gehopften Bieren, da hatten wir es ja schon mal darüber. Also ich persönlich bin da gar kein Freund von. Ich weiß nicht, wie es dir da geht, aber das ist so ein Punkt, wirklich kleinste Mengen. Da kann ich das Bier nicht trinken.
Paul Du bist ja da auch noch anfälliger. Aber ja, sehe ich genauso. Also für mich ist das immer so ein Sahne-Karamell-Erdbeersahne. Das passt dann überhaupt nicht mehr. Also das ist dann irgendwie total störend. No-Go. Also das kann ich dann auch nicht trinken. Hatte ich auch schon ein paar Mal im Glas, ohne dass ich wusste, was es genau ist. Und seitdem ich das ein bisschen recherchiert habe, kann ich es jetzt wenigstens beziffern oder kann es einfach beschreiben, was da passiert ist auch. Und das funktioniert halt gar nicht. Und deswegen ist es auch ein wichtiges Thema, gerade für die ganzen Brauereien, die eben solche Biere herstellen. Also es ist eben nicht damit getan, einen Haufen Hopfen zu verwenden, sondern den musst du schon auch clever einsetzen. Es ist ein Thema wie das ganze Thema Hopfen, was natürlich noch nicht hundertprozentig beleuchtet ist. Diese Enzymaktivitäten, den Hopfen, die kann von Erntejahr zu Erntejahr schwanken, bezogen auf die Sorten des Hopfens. Es gibt Theorien über die Genetik der Hopfen, dass manche eben mehr dazu neigen, solche Enzyme zu entwickeln. Aber es gibt eben ein paar Sachen, die kann man machen. Das eine ist, der Flo hat es gesagt, es kommt eben eher aus dem grünen Material des Hopfens. Also je weniger Pflanzenmaterial, desto besser. T45-Pellets, Cryo-Hopfen und so weiter macht grundsätzlich mehr Sinn, wenn man das Thema Hop-Creep unter Kontrolle kriegen will. Ein weiterer Tipp ist die Stopftemperatur. Das mache ich aber schon länger so, weil das eben auch vor allen Dingen zum Beispiel Scott Janish immer wieder auch bewiesen hat, kann man ja mittlerweile schon sagen, dass man ruhig auch kälter stopfen kann und hier in dem Zusammenhang vielleicht so einen Soft-Crash zu machen. Ich mache es sogar noch kälter, ich persönlich. Flo, können wir gleich mal quatschen, wie du das auch machst. Also, dass man einfach, wenn man den Stopfhopfen oder bevor man ihn dazu gibt, so auf 12 – 15 Grad runtergeht, dass die Hefe einfach ein bisschen sich schon mal absetzen kann, dass nicht mehr so viel in Schwebe ist und dann eben den Hopfen hinzugeben, ich mache es mittlerweile noch kälter. Und als drittes noch kurz die Kontaktzeit. Da liest man ja auch immer wieder auch im Forum, auch bei Maische, Malz und mehr, dass die Leute fünf, sechs, sieben Tage stopfen. Ja, also das war mal so und sicherlich funktioniert das auch für viele und ganz oft bei vielen Bieren, aber ich mache es wirklich so 24, maximal 48 Stunden stopfe ich und dann geht das Bier entweder halt in den Kühlschrank. Halt in den Code Crash und ich schieße schon den ersten Hopfen ab oder ich lasse es tatsächlich auch durch den Filter direkt in den Kegs. Flo, Stopftemperatur und Kontaktzeit, wie hältst du das?
Flo Ähnlich, also Stopftemperatur bin ich mittlerweile meistens so bei roundabout fünf Grad. Ja. Und dann, ja, ähnlich wie du es gesagt hast, ein bis zwei Tage und bei den letzten NEIPAS habe ich auch CO2 aufgespült, also nur so kleine Shots, weil je kälter die Stopftemperatur desto schneller setzt sich ja auch der Hopfen ab und insbesondere wenn man noch mit Cryo und so operiert, habe ich den Eindruck, kann man ja immer dann durch das Schauglas am Boden Ablauf des ZKGs gut oder des Unitanks gut beobachten, habe ich den Eindruck, dass sich das irgendwie noch schneller absetzt, ja und da macht es einfach Sinn, dass man da mit CO2 dann von unten noch so kleine Shots gibt und das dann innerhalb dieser Stopfzeit, dieses Zeitfenster von ein, zwei Tagen. Das sind alles so Parameter, da gibt es übrigens auch von, das kennst du sicherlich, ich meine das ist von der Brewers Association, gibt es ein Paper vom Scott, sind so fünf, sechs Folien, können wir euch auf jeden Fall in den Shownotes verlinken [60].
Paul Genau, das packen wir rein, ja.
Flo Ja, da ist es ja, sind genau die Parameter, wie es in der CO2-Spülung, wie es eben bei Sapwood in der Brauerei von Scott gemacht wird, beschrieben.
Klimawandel
Paul Flo hat es in der Geschichte schon mal erwähnt und ich habe es auch so am Anfang schon mal erwähnt. Ich habe es auch so ein bisschen angerissen. Bei Zahlen, Daten, Fakten, wir wollen auf jeden Fall nochmal auf Hopfen und Klimawandel eingehen, denn die Hopfenbranche, die steht aktuell vor sehr, sehr großen Herausforderungen und ich muss sagen, wenn man da ein bisschen liest und sich auch die Situation in Deutschland anguckt, dann sieht es da recht düster aus. Ich habe es ja erwähnt, seit 2023 und auch schon die Jahre davor haben wir eine unterdurchschnittliche Ernte und das ist ja nicht einfach so, weil wir jetzt mal eine Flaute haben oder so, sondern weil es wirklich klimamäßig bergab geht beziehungsweise sich einfach das Klima verändert und darauf muss reagiert werden. Also es hilft jetzt nicht zu warten, dass es wieder besser wird, weil es wird wahrscheinlich eher schlechter werden oder anders werden. Das heißt, man muss die Gefahren erkennen und man sollte jetzt schnell reagieren und da geht es nicht nur um eine schlechte Ernte. Ich habe ja auch mal die Alphasäure angesprochen, sondern es geht auch um die Zusammensetzung des Hopfens, wenn das Wetter, das Klima nicht so ist, wie er oder wie sie, in dem Fall die Hopfenpflanze, das in dem Jahr braucht. Da gibt es zum Beispiel aus 2021 im Hopf-Special der Zeitschrift Brewing Science einen Artikel dazu, dass die Bitterstoffausbeute in heißen Sommern, also wo es natürlich dann auch wenig regnet und die Sonne runterkracht. 70 Prozent sinken kann pro Sorte oder für die jeweilige Sorte und das ist ja Wahnsinn. Grundsätzlich können diese extremen Wetterlagen sich eben nicht nur auf Bitterstoffausbeute, sondern auch auf die Aromasubstanzen und auf die Polyphenole im Hopfen auswirken. Und ich habe mir dann diese Studie mal gezogen und habe mir das angeguckt. Aromastarke Züchtung wurden dort oder aromastarke Neuzüchtung wurden dort untersucht. Es wurden die klassischen deutschen Landsorten untersucht. Und bewährte Hoch-Alphasäure-Hopfen. Und die wurden jeweils aus zwei witterungsbedingt unterschiedlichen Jahrgängen untersucht. Und es wurde im Prinzip einmal alles gemessen. Alphasäure, Betasäure, Polyphenole, Ölgehalte und so weiter. Und die Ergebnisse, die sind ziemlich aufschlussreich. Denn insbesondere auf unsere guten alten Landsorten wie Hersbrucker, Hallertau, Mittelfrüh und so weiter, hat das Klima einen Riesen EInfluss. Die weisen unter heißen und trockenen Witterungsbedingungen schlechtere Ergebnisse auf.
Nicht nur bei der Alphasäure, sondern eben auch zum Beispiel beim Ölgehalt. Und da über alle Stoffgruppen hinweg. Jüngere Sorten wie Mandarina Bavaria, die erweisen sich deutlich stabiler. Und das sind eben Neuzüchtungen, die zum Teil mit amerikanischen Sorten gekreuzt wurden. Und deswegen auch mit höheren Temperaturen. Weniger Wasser. Ein bisschen besser zurechtkommen. Interessanterweise zeigen die Bittersorten Magnum, Taurus, Herkules, also unsere klassischen Bittersorten, eine sehr gute Widerstandsfähigkeit auf als die Vorfahren, die alten Landsorten. Das ist auf jeden Fall schon mal positiv, grundsätzlich was die Alphasäure von den Hochalphasäure-Hopfen angeht. Wenn man das jetzt nicht so auf der Zunge zergehen lässt, wen trifft das am meisten? Beziehungsweise was sind jetzt die konkreten Auswirkungen? Natürlich trifft es die Brauer. Es trifft natürlich auch uns Hobbybrauer. Aber ich sag mal anders. Es geht eher so um die klassischen mittelständischen Brauer, die ihre traditionellen Bierstile brauen, die traditionell Hopfen und vielleicht ihre Rezepte von Generation zu Generation weitergeben. Und das haben wir schon immer so gebraut machen. Es lohnt sich jetzt einen Blick auf die Analysedaten, sofern das möglich ist, natürlich zu legen. Wir können uns zum Beispiel angucken, dass die Stoffgruppen bei den traditionellen Hopfensorten, also bei den alten Landsorten, die für Würzigkeit, Holzigkeit, für dieses Erdige zuständig sind, dass die recht stabil sind. Aber der Flo hat es vorhin angesprochen, Linanool, Geraniol und so weiter, die brechen zum Teil komplett weg. Und dass dieses gewisse Blumige, Zitrische, was man in manchen Hellen zum Beispiel hat, das gar nicht mehr da ist. Und da wundert man sich, warum das Bier nicht mehr so schmeckt. Und da kommen wir dazu, welche Folgen hat das für die Zukunft? Also eben gerade diese Brauereien, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, die müssen sich jetzt halt einfach ein bisschen flexibler aufstellen, sag ich mal. Also die müssen wissen, was will ich für ein Aromaprofil im Bier haben? Und um diese Reproduzierbarkeit zu schaffen in einem gewissen Maß, muss ich eben mich mit den Sorten, mit den Hopfen befassen. Und das von Jahr zu Jahr flexibel. Und einfach schauen, ob ich vielleicht nicht doch mal auf einen anderen Hopfen zurückgreifen muss. Und da kommen wir auch dazu, was machen die Hopfenpflanzer dagegen? Also wie unterstützen die da natürlich die Brauer? Zum einen muss die Bewässerung angepasst werden. Das klingt so einfach und so banal. Aber natürlich brauchen die Hopfenpflanzen mehr Wasser, um diese extremen Trockenperioden zu überstehen. Aber Deutschland ist da als einerseits führender Hopfenanbauer absolut hinterher. Und da muss ganz, ganz dringend aufgeholt werden. Da wird in verschiedenen Berichten zu gewarnt. Barthaas und so weiter, Hopsteiner, die sind da ganz vorne mit dabei und sagen, da muss was gemacht werden. Aber es fehlt halt so ein bisschen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist natürlich die Sortenwahl. Viele ältere Hopfensorten, wie ich es oben gesagt habe, die haben eben das Problem, mit diesen klimatischen Bedingungen kommen die nicht so gut klar. Die können ihr volles Potenzial nicht mehr ausschöpfen. Aber es gibt zukunftsfähige Neuzüchtungen. Diesen Trockenstress, diese Hitze, die macht das fast nichts aus. Weil die einfach zum Teil das absolut abkönnen. Widerstandsfähige sind auch gegen neue Krankheiten, gegen veränderte Pilze und so weiter [61], [62], [63]. Da kommt zum Beispiel aus Hüll, um einfach jetzt nochmal abschließend ein paar Beispiele zu nennen. Da kommt aus Hüll die Hochalphasorte Titan, hat man sicher schon gehört. Da spielt zum Beispiel Polaris und Herkules. Also unsere anderen beiden großen mit rein. Die Hopfensorte Tango, habe ich auf jeden Fall auch schon bereits öfter gehört und zum Teil auch schon Biere mitgetrunken. Hier ist die Aromasorte Cascade mit drin und ein Zuchtstamm aus Hüll. Weiteres Beispiel, habe ich ganz am Anfang genannt, Akoja. Auf der Brau haben wir eins getrunken, Flo. Also es war mein erstes Bier mit Akoja. Ein Akoja-Pils war das, glaube ich. Und das ist quasi die Antwort auf Perle. Also einfach eine resistentere Pflanze. Mit mehr Anpassungsfähigkeit gegenüber unserer guten alten Perle, die ich auch sehr, sehr mag. Das ist übrigens eine Kreuzung aus dem englischen Zenith und einem Hopfen aus dem Hopsteiner Zuchtprogramm. Und nicht nur die Leute in den traditionellen Hopfenanbaugebieten gucken, was so gemacht werden muss oder was man machen kann. Sondern auch andere gehen jetzt neue Wege. Da habe ich was gefunden. Und zwar das grüne Gold, wie es so schön genannt wird. Und das verschiebt sich jetzt gerade so ein bisschen. Wird hauptsächlich zwischen den 35. und den 55. Breitengrad angebaut. Da es nur hier die optimale Tageslänge vorfindet. Also das sind Teile Nordamerika, Europa, China. Das, was wir auch Eingangsdatenfakten genannt haben. Das sind natürlich auch die großen Anbaugebiete. Aber es gibt unterschiedliche Ambitionen. Auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel Brasilien. Brasilien ist ein Land, wo der Craft-Biermarkt boomt. Wo der Biermarkt boomt. Das geht alles nach oben. Aber der Hopfen, der dafür verwendet wird, der wird nahezu komplett importiert. Und man will jetzt aber dadurch auch versuchen, neue eigene Anbaugebiete zu schaffen. Und das Schöne oder das Schlechte, je nachdem wie man das sieht. Wir haben dort auch weniger Restriktionen, was Genforschung, Mikrovermehrung und so weiter angeht. Dann habe ich zum Beispiel eine Firma gefunden wie BioHop [64], die in vitro Setzlinge erzeugt. Die sind zum einen frei von Krankheitserregern. Die können zu jeder Jahreszeit produziert und nachgesetzt werden. Und sie können bis zu dreimal im Jahr geerntet werden. Also das ist auch der absolute Knaller. Und die kommen eben durch die Züchtung. Das ist ja in dem Fall auch, aber nicht nur. Sondern die kommen halt einfach durch die Zusammensetzung. Auch mit der extremen Hitze, mit den Tageslängen, mit wenig Wasser, mit den Krankheiten, die vor Ort sind. Klar. Und können trotzdem ein relativ großes Potenzial entfalten. Und das ist wirklich interessant. Da wird noch einiges auf uns zukommen. Und ich bin gespannt, wie Zahlen, Daten, Fakten zu den Hopfenanbaugebieten so in 10, 15 Jahren aussieht.
Flo Äthiopien, oder?
Paul Genau. Brasilien, dicht gefolgt von Äthiopien.
Flo Ja, genau.
Paul Kommen wir langsam zum Ende, Flo?
Hopfen im Pilsner
Flo Es wird Zeit, aber ohne nochmal kurz über unser geliebtes Pilsner zu reden, können wir das Buch nicht zumachen.
Paul Nee, nee, nee, so kommen wir hier sonst nicht raus aus der Geschichte. Auch wenn wir schon ein paar Minuten auf der Uhr haben.
Flo Wie ist das beim Pilsner? Weiß er schon drüber? Hast du schon öfters mal eins gebraut? Wir haben auch schon das eine oder andere verkostet. Gibt es Hopfenaromaprofile in den Pilsnern, egal ob jetzt deutsch oder böhmisch, was du besonders magst? Und gibt es da auch die passenden Hopfensorten, die du selbst am Braukessel, wenn du den Pilsner brauchst, am liebsten einsetzt aus diesem Grund?
Paul Ja, gibt es. Also ich nutze sehr gern, habe ich ja gerade schon auch quasi gesagt, ich nutze sehr gern Perle. Und werde mich jetzt auch in Zukunft auf jeden Fall mit dem Akoja auseinandersetzen, weil ich durfte ja jetzt schon ein Bier trinken bei Hopsteiner am Stand, auf der Brau in Nürnberg. Das war super. Ich glaube, und liebe Grüße gehen raus an den Malzknecht, der hat auch schon mal einen Akoja-Pils gemacht und war, glaube ich, auch sehr begeistert. Flo, du hattest das auf jeden Fall auch schon auf dem Schirm. Also das wäre jetzt mal was, was ich mir angucken würde für die Zukunft, aber was ich sonst aktuell nehme, Perle auf jeden Fall. Hallertauer Mittelfrüh ist für mich immer noch einer, der Go-To-Hopfen, wenn es um klassische deutsche Bierstile geht, mag ich sehr, sehr gern. Wenig Alpha, viel Geschmack.
Flo Ja, ja.
Paul Mag ich einfach wirklich sehr, sehr gern. Natürlich auch andere feine Sorten wie Spalter fällt mir da noch ein. Und was absolut sein muss, sobald es quasi so ein bisschen tschechisch wird. Sobald es in Richtung Bohemian-Style Lager geht und auch wenn das nicht vielleicht immer ein Pils sein muss. Aber der Saazer ist schon wirklich, ich merke das jetzt auch wieder bei meinem Bier, und der ist wirklich auch nur im Heißbereich gekommen, ist das wirklich ein spezielles Aromaprofil, was einfach Spaß macht. Also das ist wirklich abgefahren. Muss da rein, finde ich.
Flo Ja, cool, ja. Da habe ich ja echt fast nichts hinzuzufügen. Also mir geht es ähnlich. Im Prinzip, die du genannt hast, Hallertau-Mittelfrüh, Tettnanger habe ich auch des Öfteren schon eingesetzt, klar Perle. Mit Akoja habe ich tatsächlich selbst schon gebraut. Saphir fällt mir noch ein, den habe ich auch, zum Beispiel bei meinem Italian-Style-Pilsener, was ich vor zwei Jahren, das muss man jetzt schon sagen, vor zwei Jahren, 2022, gebraut habe, habe ich mit dem ganz dezent gedryhoppt gehabt. Da fällt mir das bei Lagerbieren mit Saphir auch sehr gut. Den hatte ich, muss man sagen. Die Pflanze habe ich nicht mehr. Den hatte ich jahrelang. Die habe ich jahrelang selbst angebaut und habe da auch schon einen Grünhopfensud mit Saphir gemacht. Das war ein, ja, das hatte ich Imperial Smoke Pilsener damals bezeichnet. Also ich habe ein stärker eingebrautes Pilsener genommen, habe da ein paar Prozent in der Schüttung Rauchmalz rein, dass man so ein bisschen merkt und hatte da eben Saphir-Grünhopfen. Auch sehr cool. Polaris mag ich tatsächlich, wenn man es mal so ein bisschen moderner angehaucht mag. Bei einem Pilsner-ähnlichen Bier finde ich das auch cool. Und allgemein so Schönramerstyle-mäßig, also wirklich Aroma-Hopfen, Low-Alpha, fast schon egal welcher. Also kann auch eine Kombi aus Mittelfrühe, Tettnanger, Saazer, Spalter, Hersbrucker sein und dann wirklich ordentlich reinkloppen, dass die auch richtig knackig bitter werden. Finde ich auch nice. Und das sind genau die Sorten auch, finde ich immer schön. Im Gegensatz zu so Hoch-Alpha-Sorten. Dass die Bittere irgendwie weicher ist. Würde ich jetzt fast umschreiben.
Paul Gut, mach mal einen Sack zu, Flo, oder?
Flo Wir haben es geschafft.
Bier des Monats
Paul Genau, kommen wir zu unserer letzten Kategorie für heute. Das Bier des Monats. Flo, ich lasse dir einen Vortritt. Was hast du? Einen Schönramer.
Flo Nee. Nein. Mein Bier des Monats. Muss logischerweise, hätte ich auch nicht gedacht, alkoholfrei sein. Ach ja. Ich habe sehr viele alkoholfreie Biere wieder mal jetzt diesen Monat getrunken. Ich habe in der Vergangenheit schon viele getrunken. Ich hatte mir einige bestellt. Das waren hauptsächlich aber welche, die ich schon kannte. Und da waren ein paar dabei von einer polnischen Brauerei. Prova Nepomucen. Oder Nepomucen [65]. Keine Ahnung, wie man es ausspricht. Verlinken wir euch in den Shownotes. Von denen hatte ich auch wieder drei dabei. Und eins von denen, da setzen die Fichtenzweige ein. Und zwar viel. Ja, also wirklich. Das ist wirklich, das dominiert das ganze Bier. Aber irgendwie vergisst man dann beim Riechen, beim Trinken, dass das alkoholfrei ist. Weil diese klassischen alkoholfreien Aromen, die man ja trotzdem immer irgendwie so ein bisschen mit dabei hat. Die werden da echt komplett verdeckt. Und irgendwie, also das ist auch mit Mosaik und Simcoe gestopft. Also auch was für dich, mit Simcoe. Ist es halt insgesamt ein rundes Bierchen. Weil eben dann von den Hopfen noch dieses Fruchtige und so weiter dazu kommt. Also ein schönes alkoholfreies IPA. Was eben diesen besonderen Touch hat mit der ziemlich heftigen Fichtenzweignote. Deswegen mein Bier des Monats. Ich hatte drei Stück von dem. Kannst du damit halten?
Paul Ja, pass mal auf. Ich bin natürlich clever und mache es auch kurz und schmerzlos. Auch wenn ich mir da selber ein bisschen auf die Schulter klopfen muss. Aber lang genug drüber geredet. Mein Wit, mein Belgia, wie ich es genannt habe. Also das litauische Wort für Belgien. Ist mein Bier des Monats. Das ist mal wieder so ein Bier gewesen. Wo ich wusste, dass das richtig gut ist. Genauso sollte es sein. Und es hat mich sogar noch ein bisschen überrascht. Dass es wirklich so rund war. Und da war ich mal wieder richtig happy. Als ich das getrunken habe. Und ja, deswegen. Kurz und knapp. Das ist mein Bier des Monats. Das Rezept kriegen wir auch irgendwie hin. Dass wir das in die Shownotes kriegen. Wenn ich mich noch mal kurz hinsetzen muss. Und das beim Maische Malz und Mehr reinhauen muss. Irgendwie machen wir das.
Flo Klingt cool. Da freuen sich sicher jetzt alle, die zuhören. Und ich muss sagen, Paul. Das sind doch die schönsten Momente im Hobbybrauerleben.
Paul Absolut.
Flo Wenn man sich sowas überlegt. Mit einem besonderen Twist. Was so ein bisschen aus der Reihe tanzt. Und wenn man es dann im Glas hat. Und das ist cool. Diese Momente, die sind einfach geil.
Paul Genau das. Wunderschönes Schlusswort, Flo. Und so ist es auch. So ging es mir auch. Ich würde noch ganz kurz die letzte Minute, die letzten zwei Minuten nutzen. Und was teasern. Und zwar. Ich glaube, das können wir auf jeden Fall machen, Flo. Wir hoffen, dass wir uns auf jeden Fall alle auf der Homebrew in Bayreuth sehen. Bei Maisel. Und dass ihr alle schon fleißig Bier gebraut habt. Oder dabei seid, das Bier zu brauen. Und dass ihr alle schon fleißig Bier gebraut habt. Oder dabei seid, das Bier zu brauen. Das Weizen IPA. Flo und ich werden auf jeden Fall einen kleinen Vortrag zum Besten geben. Und dabei. Wir sind noch nicht ganz so. Wir sind es noch nicht hundertprozentig. Aber es wird so eine Biotransformation. Thiole gehen. Passend zu dieser Folge quasi auch. Und ja. Also auf jeden Fall Augen und Ohren offen halten. Da wird es was geben von uns. Vielleicht sogar noch ein kleines anderes Special. Aber das werden wir sehen. Und in dem Zusammenhang auf jeden Fall auch nochmal. Thema Hopfen. Super umfangreich. Wir haben ganz, ganz viel rausgestrichen. Und da wird es auch sicherlich nochmal in Zukunft was geben. Ziel ist es ja eben auch durch diesen Staffelaufbau. Dass man dann eben aufeinander aufbauen kann. Sodass wir uns dann detailliertere Sachen nochmal rausgreifen können. Wie zum Beispiel andere Hopfenprodukte. Und ja. Biotransformation etc. Das wird auf jeden Fall noch kommen. Das werden wir uns vielleicht vermissen. Und ansonsten. Habe ich jetzt wirklich genug gesagt glaube ich. Das war es. Das war Folge 6. Die erste Folge im neuen Jahr. Und wir hoffen ihr hattet Spaß. Ihr habt es euch gerne angehört. Und ja. Folgt uns gerne bei Instagram. Facebook. Und natürlich immer mal auf die Webseite reingucken. Und auf jeden Fall auch bei YouTube. Das werden wir jetzt auch nochmal ein bisschen angehen. Würde ich sagen. Da kommt auf jeden Fall auch nochmal was. Schaut immer mal rein. Lasst ein Follow da. Lasst ein Abo da.
Flo Auf jeden Fall. Und Speakpipe nicht vergessen. Schickt uns eure Fragen.
Paul Traut euch einfach. Macht es gut. Tschüss.
Quellen:
[1] Auszug des Jahresberichts über Hopfen von 1911/12 von Barth & Sohn
[2] Orval
[3] Atlantic Ale Alkoholfrei von Störtebeker
[4] Jovaru
[5] Lichtenhainer
[6] MBCC
[8] T 58 Trockenhefe
[9] Tree House Brewing Hefeblend
[10] The Breeding and Parentage of Hop Varieties, By Ing. GerardW. Ch. Lemmens
[11] Tembrock, 2016, A REVISION OF NATIVE NORTH AMERICAN HUMULUS (CANNABACEAE)
[12] Zappa_Hopfensorte
[13] Neomexicanus
[14] Medusa_Hopfensorte
[15] https://byo.com/article/neomexicanus-hops/
[16] https://www.craftbeer.com/craft-beer-muses/future-wild-hops-american-west
[17] https://www.caliterpenes.com/blog/de/was-haben-hopfen-und-cannabis-gemeinsam/
[18] CBD-reiche_Hopfen
[19] Brewing with Hemp the Essential Guide
[20] Brewing with Cannabis: Using THC and CBD in Beer
[21] KRIYA-Hopfen-Patent
[22] https://www.drbomijoseph.com/cbd-the-unique-property-of-the-kriya-hops-plant/
[23] Hopfen_mit_THC
[24] Cannabidiol (CBD) From Non-Cannabis Plants: Myth or Reality?
[25] Hanf statt Hopfen im Bier
[26] Hopfen-Inhaltsstoffe
[27] The New IPA, Scott Janish
[28] https://www.landschafftleben.at/lebensmittel/bier/herstellung/hopfen
[29] Zahlen_Daten_Fakten_Teil I
[30] Zahlen_Daten_Fakten_Teil II
[31] Zahlen_Daten_Fakten_Teil III
[32] Zahlen_Daten_Fakten_Teil IV
[33] Zahlen_Daten_Fakten_Teil V.
[34] Zahlen_Daten_Fakten_Teil VI
[35] Agrarwirtschaftsbericht_Äthiopien
[36] The Early History of Hops | Larsblog (garshol.priv.no)
[37] https://zythophile.co.uk/2009/11/20/a-short-history-of-hops/
[38] https://zythophile.co.uk/false-ale-quotes/six-more-myths-about-hops/
[39] https://www.russianriverbrewing.com/pliny-the-elder/
[41] https://www.milkthefunk.com/wiki/Pellicle<brhttps://zythophile.co.uk/2010/03/14/so-what-did-pliny-the-elder-say-about-hops/ s-about-hops/
[42] https://zythophile.co.uk/2012/09/20/the-graveney-boat-a-hop-history-mystery/
[43] https://zythophile.co.uk/2021/04/29/how-to-brew-like-a-medieval-knight/
[44] https://www.hopfenforschung.de/rund-um-den-hopfen/geschichte/
[45] https://www.dasgrossefreie.com/gem%C3%BCsesorten/hopfen/
[46] Elbe-Saale-Hopfen
[48] http://www.beerculture.org/2008/05/05/historical-perspective-on-saaz-hops/
[49] http://www.beerculture.org/2008/02/04/czech-beer-and-protected-names/
[50] UNESCO Weltkulturerbe Saaz
[51] https://appellationbeer.com/blog/appellation-hops-czechs-use-zatecky-label/
[52] LfL Hopfen für die Biere der Welt
[54] https://www.milkthefunk.com/wiki/Hops#Techniques
[55] https://beerandbrewing.com/elements-of-beer-recycling-hops-in-the-brewhouse/
[56] https://www.wildabouthops.nz/dip-hopping.html
[57] https://yakimavalleyhops.com/blogs/news/mash-hopping-101
[58] https://beerandbrewing.com/the-causes-and-effects-hop-creep-and-how-to-prevent-it/
[60] Dry Hop Best Practices: Using Science as a Guide for Process and Recipe Development
[61] https://www.meininger.de/weinbau/politik-und-verbaende/hopfenernte-wird-unterdurchschnittlich
[63] https://www.barthhaas.com/de/ressourcen/blog/blog-article/wie-reagiert-hopfen-auf-den-klimawandel
[64] Brasilien BioHop
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